Die vierte UND! fünfte Stufe der Kommunikationssysteme nach Merten

Die besten Ideen und Eingebungen sollen einem bekanntlich im Schlaf kommen, bei mir war es gestern Abend kurz davor. Die Erkenntnis: Meine Versuche die Kommunikationssysteme nach Merten weiter zu entwickeln konnten in dieser Form nicht funktionieren, weil ich einen großen Sprung machen wollte, statt zweier einander folgender Schritte.

So sehr ich mich allerdings bemüht habe die Übersichtlichkeit der ersten drei Stufen beizubehalten, es ist meines Erachtens nach einfach kaum machbar, da sich die Kommunikation an sich in einer Form weiterentwickelt hat, die mir (zum jetzigen Zeitpunkt) eine noch weitere Herunterbrechung kaum möglich macht … Nun denn, auf ein Neues:

Mertens letzte Stufe ist das Kommunikationssystem der Mediengesellschaft, das dem Verständnis nach darauf aufbaut, dass der Rezipient R als ausschließlicher Verwerter und Aufnehmender von Informationen realer (E) und inszenierter (É) Ereignisse, die durch die Medien in Form von Journalismus J oder aber durch Public Relations (bzw. Unternehmenskommunikation) PR wahrgenommen und aufbereitet werden (können), das Ende des Informationsflusses darstellt. Eine Information wird aufgenommen, bewertet und im kleinsten Netzwerk bei einem Gespräch o.ä. ausgetauscht (bereits nicht mehr durch Merten dargestellt)

Mit dem Internet der „ersten Generation“ (sagen wir einfach einmal grob bis zum Jahr 2000) setzte auch ein Wandel im Umgang mit Informationen ein. Dem Wissen, wann wo etwas passiert, wurde und wird eine höhere Bedeutung beigemessen, so dass aus dem Rezipienten R, der vormals nur Wissen aufgenommen, aber selten weitergegeben bzw. sich darüber im Großen ausgetauscht hat, der User U wird, der Informationen und Nachrichten zu seinem Vorteil anzuwenden beginnt. Der Ausspruch „Vorsprung durch Information“ erhält somit einen neuen Schub (hier setzt meine neu angesetzte vierte Stufe ein, das Kommunikationssystem der Informationsgesellschaft).

So stiegen mit dem Web zum einen die Möglichkeiten weit entfernte Ereignisse (Ortsunabhängigkeit) zeitnäher wahrnehmen zu können – umfangreiche Informationen sind mit Hilfe von tiefer gehenden Links innerhalb von wenigen Stunden verfügbar, nicht erst am nächsten Tag mittels Printmedien (und ohne Links) -, zum anderen ermöglichte die langsam einsetzende Verbreitung von Breitbandanschlüssen eine Ausweitung des eigenen Netzes im Informationsfluss, da mittels Internet auch die eigenen Bekannten zu Punkten im Netzwerk N werden, die Ereignisse und Nachrichten aufnehmen und zu teilen beginnen.

Parallel dazu ergibt sich für den User U auch die Möglichkeit sich selbstständig zu Themen seiner Wahl informieren zu können, wobei er im Internet sowohl auf journalistische als auch mit Public Relations-Hintergrund aufbereitete Informationen stösst, die ihn gleichermaßen direkt (wie indirekt) erreichen.

Mit der nun fast flächendeckenden Verbreitung und somit auch Verfügbarkeit des Internets für jedermann inklusive der immer stärkeren Einbindung in unser berufliches wie privates Leben, der Weiterentwicklung der Medien J und PR im bewussten Umgang mit dem Web zur Streuung von aufbereiteten Nachrichten und Informationen sowie dem Aufkommen von sozialen Netzwerken und ähnlichen Diensten, die auf die Kommunikation ihrer Mitglieder unter- und miteinander bauen, erreichen wir die fünfte Stufe: das fortgeschrittene Kommunikationssystem der digitalisierten Informationsgesellschaft.

Die journalistischen Medien J sind nach wie vor in der Position Ereignisse E wahrzunehmen und aufzubereiten, verfügen nun aber gegenüber den Printprodukten endgültig über die Informationshoheit im Bezug auf Schnelligkeit, Verfügbarkeit und Tiefe. Da im selben Atemzug aber auch die (teils) nicht zu überblickende Masse an Ereignissen kaum noch verwalt- und aufarbeitbar erscheint, stösst die PR noch stärker in eben jene Lücke und bietet sich als eine Art Selektion von Informationen an, um unter anderem J die im Interesse des Unternehmens ausgewählten Perlen zu präsentieren. Im Kern hat sich dieses Vorgehen seit dem Kommunikationssystem der Mediengesellschaft nicht verändert, nur der Umfang sowie die Taktung, in der dies alles geschieht, ist eine andere, schnellere.

Des Weiteren hat sich mit der Verfügbarkeit von Informationen zu jeder Zeit das Bewusstsein für weit entfernte Ereignisse E verändert, da Kausalitäten und Zusammenhänge zwischen verschiedenen Geschehnissen deutlicher zu entschlüsseln sind (dargestellt durch die drei weiteren Ereignissen-Reihen zur Rechten).

Sowohl beim User U als auch seinem in der Bedeutung zur Selektion von Informationen stark gestiegenen Netzwerk N ist, wenn man vom „Vorsprung durch Information“-Terminus ausgeht, darüber hinaus eine Veränderung in der Wahrnehmung festzustellen, wenn man sich statt „Was interessiert mich Vorfall X in Y?“ nun „Welchen Einfluss hat Vorfall X in Y eventuell auf mich?“ fragt.

In der Folge findet ein stärkerer Austausch untereinander statt, wobei sich mMn durch persönliche Affinitäten als auch Umstände drei Arten von Netzwerkpunkten N unterscheiden lassen.

– Zum einen „normale Netzwerkpunkte“ (N im Kreis), die das Web als Ergänzung des bisherigen Informationsflusses wahrnehmen, und als Digital Visitors (vgl. Peter Kruse auf der re:publica10) als Einzelner einen überschaubaren Teil zum Austausch im Netz(-werk) beitragen, durch ihre Masse aber einen nicht zu verachtenden Faktor darstellen.

– Zum anderen „mittelbare Netzwerkpunkte“ (N im Quadrat), die bspw. auf Grund ihres Alters nur schwach ausgeprägt web-affine Mediennutzungsgewohnheiten haben und ihren Informationsbedarf über die klassischen Medien Print, Radio und TV in einer Form abdecken, die ihnen sämtliches notwendige Wissen vermitteln, um sich im Netzwerk (eher off- denn online) austauschen zu können.

– Und schließlich die „unmittelbaren Netzwerkpunkte“ (N im Dreieck), die als Digital Residents (vgl. Kruse) und heavy user über eine dermaßen ausgeprägte Bindung und Nutzungsweise des Internets verfügen, dass sie in ihrem Netzwerk die Funktion eines Informationshubs inne haben und die Vielzahl an Einflüssen und Informationen, die ihnen begegnet, verwerten und für ihr Netzwerk aufbereiten (sie stehen im Netzwerk stellvertretend für die Eins der 90:9:1-Regel).

Hervorzuheben ist bei jedweder Form der Informationsweitergabe im Netzwerk, dass, wie bereits angedeutet, das Netzwerk des Users U in die Rolle eines Selekteurs von Nachrichten und Informationen aufgestiegen ist, die früher fast ausschließlich Journalismus J vorbestimmt war. Damit eine Information überhaupt weitergetragen wird, muss sie eine hohe Qualität oder ein Alleinstellungsmerkmal inne haben, um den unterschiedlichen Maßstäben eines jeden Netzwerkpunktes N standhalten zu können.

Gemäß der Aussage „If the news is important, it will find me“, verlässt sich jeder als tendenzieller Mittelpunkt seines Netzwerkes N auf die Fähigkeiten des selbigen, dass dieses aus der angesprochenen Flut von Informationen die wichtigsten herauszieht und durchgibt. Ist User U nach Beurteilung des Inhalts wiederum der Meinung, dass die Nachricht für seinen Nächsten/sein Netzwerk interessant sein könnte, leitet er diese weiter und wird somit selbst wieder Teil eines Netzwerkes.

Für Medien und Unternehmen ergibt sich durch die Möglichkeit der permanenten Beobachtung von Netzwerken (passiv wie aktiv möglich) im Umkehrschluss die Möglichkeit Themen und Entwicklungen (frühzeitig) ausmachen zu können, um in Form einer neuerlichen Meldung, einer Reaktion von Unternehmensseite oder der Aufbereitung/-arbeitung eines realen oder inszenierten Ereignisses E oder É den nächsten Schritt vorzunehmen.

Feedback wäre wie in den vorangegangenen Fällen super😉 (sollte nach den bisherigen Ansätzen jedoch mittlerweile der Nerv dafür fehlen, würde ich das auch verstehen)

One comment

  1. […] Co. durch die gängigen Lehren gewühlt und diese kurz und knapp auf den Punkt gebracht. Für mich, der in seiner Diplomarbeit an den Kommunikations- und Netzwerksysteme von Merten geschraubt hat, ist das natürlich spannend hoch zehn – via […]

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