Afterglow: 6. Montagsrunde (21.06.)

Ich war nervös, das muss ich doch zugeben. Aber auf positive, angenehme Art. Und auch am Tag nach dem kleinen Webevent ist dieses Kribbeln trotz des etwas unrühmlichen Finales (Danke für Nichts, oh du mein geliebt-gehasster, XP-geplagter Laptop) noch vorhanden.

Mein persönliches Fazit als Moderator vorneweg: Es hat sehr viel Spaß gemacht mit einem „unsichtbaren“, aber sehr aktiven Publikum zu diskutieren, Erfahrungen auszutauschen und nebenbei auch ein bisschen Unfug zu treiben – auch wenn die Situation als solche mehr als gewöhnungsbedürftig war und ich die Themenführung eventuell doch etwas konsequenter hätte leiten können. Nun denn, vielleicht ein ander Mal wieder.

Zu den Inhalten: Unter dem Titel „Von der Vorlesung in die Kommunikation“ ging die von mir moderierte Runde um Marie-Christine Schindler, Christian de Vries, Tapio Liller, David Philippe, Philipp Boette, Martin Höfelmann, Birgit Dondorff und Alexander Klarmann unter anderem der Frage nach, welche Qualifikationen Studenten aus kommunikations- und PR-orientierten Studiengängen mitbringen müssen, um den Sprung in die Berufswelt zu schaffen.

Es muss nicht gleich PR sein, kann aber helfen

In der Diskussion herrschte unter anderem sehr schnell Einigkeit darüber, dass ein Studium dieser Prägung an sich kein Freifahrtschein in Richtung Kommunikationsposten darstelle, da de facto das Handwerkszeug zwar vorgestellt und in Projekten angewandt wird, dies allerdings kein Ersatz für die Erfahrung ist, die man sich nach Aussage von Christian de Vries in der Praxis erst über viele Aufgaben aneignen müsse. Hilfreich sei ein Studium dieser Gattung allerdings durchaus, um den Blick für das Kommende schärfen zu können – eine Einstellung, die ich persönlich (nicht sonderlich überraschend) sehr klar begrüße.
Ebenso sei die Fokussierung auf Social Media im laufenden Studium keine Garantie für einen späteren Job, schließlich sind Kommunikation und PR weitaus mehr und breiter gefächert, wie Tapio Liller und David Philippe ganz richtig betonten. Nicht umsonst ist die Kommunikations- und PR-Branche mit den niedrigsten Hürden für Quereinsteiger ausgestattet, die sich durchaus erst in anderen Studiengängen Wissen und Lebenserfahrung angeeignet haben.

Der Weg ist das Ziel, also nehmt euch Zeit!

Und so wird der einstmals als Erfolgschance Nummer eins angepriesene Aspekt des jungen, unverbrauchten Absolventen mit einem Mal zum Problem. Denn Dank Turbo-Abi und Bologna-verkürztem Studium auf Bachelor-Basis werden die Kommunikatoren in spe mit ihren stringent geführten Lebensläufen immer jünger und weisen dementsprechend immer weniger praktische Lebenserfahrung auf. Erfahrung, die auf von Seiten der Arbeitgeber etc. jedoch oft gefordert wird. Absolventen Anfang 20, die ihr Studium in der Regelstudienzeit abgeschlossen haben, können per se nicht die Erfahrung eines älteren Kommilitonen/Kollegen mitbringen, der (mittels Urlaubssemestern) Praktika im In- und Ausland vorzuweisen hat – erste Agentur- bzw. Unternehmenserfahrungen inklusive -, es sei denn, sie haben sich in ihren zumeist spärlich anberaumten Ferien nicht erholt, sondern den Hörsaal im Praktikum gegen Redaktion und Kommunikationsabteilung getauscht, und somit die Chance liegen lassen, anderweitige Erfahrungen wie z.B. dem Kennenlernen anderer Kulturen etc. zu sammeln.

Die in den meisten Studiengängen vorgeschriebenen Praktikumsphasen vor sowie während des Studiums sind zwar Ansätze, diese Lücken zu füllen, sind aber aus Sicht der Diskutierenden (insbesondere der aktuell noch Studierenden) gestern Abend nur bedingt als gleichwertiger Ersatz zu betrachten. „Einzige“ Lösung dieser Misere bleibt aus eigener Erfahrung oftmals die Option des Nebenjobs zum Studium, der in Kombination mit für FH oder Uni zu erbringenden Leistungen noch mehr Disziplin und Feuer für die Sache fordert, sich aber nicht selten widerum negativ auf das Studium auswirkt.

„Kommunikation ist kein Job, es ist eine Attitüde!“

Ein „Brennen für den Job“ vermisste Tapio übrigens ab und an auch bei potentiellen Bewerbern, die Kommunikation als Option sehen, „weil sie gerne schreiben“. Dabei ist dieser Job weitaus mehr, „es ist eine Attitüde“, wie er so treffend schrieb. Die Begeisterung für Kommunikation sei eine der wichtigsten Voraussetzungen für Anfänger wie Einsteiger und solche, die es werden wollen. Nur mit dem Willen und der Motivation sich mit Kunden, ihren Problemen und Wünschen, aber auch den alt bewährten wie ständig neu aufkommenden Techniken und Denksätzen der Kommunikation auseinandersetzen zu wollen, ist der Start zu schaffen. Denn wer sich nicht für das, was er tut, interessiert, kann sinnigerweise nur schlecht die bestmöglichen Ergebnisse erreichen – in diesem Fall den persönlich idealen Start ins Berufsleben.

So gewährt Tapio Frischlingen in der Anfangsphase des Agenturlebens nach dem Wurf ins kalte Wasser durchaus eine Zeit des Ausprobierens und Fehlermachens – eine „geschützte Lernphase“, wie er es nannte -, fordert im Gegenzug aber auch die Bereitschaft sich weiterentwickeln zu wollen und dies auch zu erreichen, schließlich hält er als Chef vor den Kunden den Kopf für das Tun seiner Trainees hin.

Verkaufe dich nicht unter Wert

Ebenfalls heiß diskutiert war die Frage, ob und wie man sich beim Sammeln von Erfahrungen bzw. beim Jobstart präsentieren solle – und zwar bereits im Vorstellungsgespräch. Das angesprochene Feuer müsse da sein, aber auch die Bereitschaft sich selbst gut darstellen und positionieren zu können, sprich im Gespräch Werbung in eigener Sache zu betreiben.

Das darf und sollte durchaus auch authentisch und ehrlich von statten gehen, wenn man beispielsweise offen anspricht nicht alle Anforderungen des Stellengesuchs zu erfüllen, dafür aber andere Qualifikationen zum einen, sowie Bereitschaft, die Wissenslücken schnellstmöglich ausgleichen zu wollen, zum anderen mitbringt.
Ein Grudstock an Erfahrungen sollte dabei jedoch – und damit schließt sich der Kreis fast schon wieder – vorhanden sein.

Praktikanten für die Unternehmenskommunikation – Die Flaute kommt bestimmt

Äußerst kritisch betrachtet wurde die Entwicklung, dass immer mehr Unternehmen (große wie kleine) dazu tendieren ihre Kommunikation für das Web in die Hände von Social Media-affinen Praktikanten zu legen. Diese fangen zwar oftmals hoch motiviert und mit viel Engagement ein Projekt an, doch spätestens mit dem Ende der Praktikumsphase (und einer nicht einhergehenden Weiterverpflichtung/Bindung des Kommunikators ans Unternehmen) schlafft der rege geführte Dialog und Co. wieder ab. Im Idealfall folgt ein weiterer Web-Affiner, doch wie oft verläuft so etwas schon ideal und nahtlos?

Dass gerade KMUs dazu neigen sich mit einem jungen Ambassador im Netz ausprobieren zu wollen ist doch auf ein gewisses Verständnis gestossen, die Forderung nach einer langfristigen oder zumindest überhaupt strategischen Überlegung hinter dem Tun folgte aber auf dem Fuße. Auch hier können sich die jungen Absolventen in spe übrigens durchaus positionieren und mit entsprechendem Einsatz und Faible für ihre Aufgabe unverzichtbar machen, sollten sich aber nicht unvergütet mit einem Schulterklopfen abspeisen lassen. Denn dafür, und da waren sich alle gestern Abend einig, ist die qualitativ durchaus hochwertige Ausbildung innerhalb der Studiengänge wirklich zu schade.

Ausblick auf die nächste Runde

Wahrscheinlich habe ich in dieser Zusammenfassung noch etliche Aspekte und Schlenker des gestrigen Abends ausgelassen und vergessen, aber die knapp zwei Stunden Diskussion (neuer Rekord, oder? ;)) haben doch einiges an In- wie Output produziert.

Um den regelmäßigen Turnus wieder herzustellen, haben wir auch gleich die nächste, dann siebte Montagsrunde vergeben. Am zweiten Montag im Juli, dem 12.07., wird sich Martin Höfelmann von den geschätzten PR-Studierenden Hannover (PRSH) die Ehre geben und uns als Gastgeber durch die Diskussion moderieren.

Ich bedanke mich hiermit nochmals bei den gestern Anwesenden und Diskutierenden und freue mich natürlich über ein Feedback eurerseits bzw. Ergänzungen zum Artikel. Wie gesagt, die zwei Stunden waren Dank euch sehr ertragreich🙂

3 Kommentare

  1. […] This post was mentioned on Twitter by Daniel Rehn and Christian de Vries, Marie-Chr. Schindler. Marie-Chr. Schindler said: Sehr schöne Zusammenfassung der gestrigen Debatte von @danielrehn: Realität des Berufseinstiegs von PR-Studenten http://bit.ly/a1P9cc […]

  2. Super Entwicklung, Glückwunsch dazu. Lob und Anerkennung auch zu dieser informativen Zusammenfassung.

  3. Daniel ich muss sagen: Respekt! Nicht nur dafür, dass du gestern die Runde gut geleitet hast, diese Zusammenfassung (Copy&Paste des Chats hat sicher geholfen) ist der Hammer! Vielen Dank für deine Mühen.
    Freue mich auf die nächste Montagsrunde🙂

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