Foursquare: Es ist das Potential, das reizt

Vorab: Der Beitrag ist eher on the fly entstanden und auf halbem Wege verlor ich gefühlt den Faden. Wenn ihr ihn wieder aufnehmen wollt, ruhig zu. Ich sehe den Artikel als Prozess an, der sich mit eurem Support gerne weiterentwickeln darf😉

Jürgen Vielmeier hat eben auf Basic Thinking eine schöne Zusammenfassung sowie Einschätzung zum Hype-Thema Foursquare (bzw. geo-located Services) gegeben, die mich (auch in Anbetracht der ersten Kommentare dazu) doch veranlasst mich ebenfalls aus eigener Erfahrung dazu äußern zu wollen.

Vor kurzem, ich war einmal mehr für ein paar wenige Tage in der Heimat, traf ich mich wie üblich mit meinen Freunden. Wie das so ist unterhält man sich Stunden lang und ohne Unterlass, bis irgendwann das Telefon klingelt und man doch (un-)höflicherweise das Gespräch annimmt. Dabei kam dann auch mein neues Smartphone zum Vorschein, das natürlich ein nicht gänzlich geringes Interesse auslöste, so dass ich es meinen Freunden zum ausprobieren und „rumspielen“ in die Hand drückte. Sliden, Zwei-Finger-Zoom, virtuelle Tastatur, Kamera. Alles wurde ausprobiert und begutachtet. Natürlich auch die Apps. Und so fiel der Blick auch auf die Foursquare-Applikation. Was das sei, wurde ich gefragt, und so erklärte ich es meinen Freunden in der einfachsten wie verständlichsten Form.

Am Tag darauf reiste ich wieder Richtung Südhessen, jedoch nicht ohne vorher am heimischen Bahnhof einzuchecken, ein paar Worte des Abschieds dazuzupacken und die Statusmeldung via Verknüpfung auch über Twitter und Facebook zu streuen. In Dieburg angekommen, erreichten mich zwei Kommentare auf eben jenes Update. Einer der Kommentar war die neuerliche Frage, was für eine Anwendung ich denn da benutzen würde, und so erklärte ich Foursquare aufs Neue. Nach der Foursquare-Erklärung kam dann die aktuell bei vielen Anwendungen auftauchenden Bedenken bezüglich der persönlichen Daten im Netz und die Frage nach dem Sinn.

Man ist es ab einem gewissen Punkt gewohnt skeptische Blicke/Kommentare zu ernten, wenn man seinen (aus unserer exotischen Sicht) „un-webzwonulligen“ Freunden derlei Anwendungen näher bringen möchte. Schließlich lautet die Frage nach wie vor: Welchen (wirtschaftlichen) Nutzen habe ich dabei?

In puncto Foursquare muss man (gerade für den deutschen Markt) noch klipp und klar sagen: gar keinen, wenn man vom Wettbewerbsgedanken unter den Foursquare-nutzenden Freunden und Bekannten absieht. Aber das Potential, das dahintersteckt ist es, das mich und die auf Basic Thinking angesprochenen Investoren reizt. Die Einbindung von Foursquare in das eigene Geschäftsmodell der Online-Kommunikation und die so vielfältigen Lösungen, die sich dabei ergeben, lassen fast unbegrenzten Spielraum für kreative Nutzer-/Kundenbindung.

Das Hofieren der eigenen Nutzer/Kunden ist dabei noch die einfachste Variante. Starbucks macht es mit vergünstigten Getränken und Leckereien vor, um Mayors zum Wiederkehren zu motivieren, bei Laune zu halten und die eigene Bekanntheit mit jedem Kunden-Check-In zu erhöhen. Ganz frisch ist nun auch das Modelabel GAP nachgezogen, das pro Check-In im Store ganze 25 Prozent Rabatt gewährt! 25 Prozent! Für eine kleine Meldung über den aktuellen Aufenthaltsort als Nachricht im Netzwerk!

Man stelle sich vor H&M würde mit einem solchen Angebot aufwarten. Aus einem noch sehr nerdigen, hier kaum genutzten Tool würde binnen eines Monats die wahrscheinlich am weitesten verbreitete App in Deutschland werden … Aber das ist ja noch nicht alles. Das Modell „digitale Schnitzeljagd“ ist ebenso eine Option, die sich bietet (einen sehr kreativen Case zum Einsatz von Foursquare in Kombination mit weiteren Social Media hat dersportmanager am Beispiel von NBA-Profi Rajon Rondo aufgezeigt).

Auch hier zeigt sich das kreative Potential, das in Foursquare schlummert. Man muss es nur erkennen (können/wollen).

5 Kommentare

  1. Ein überaus reizendes Potenzial, was ich allerdings in unserem Land den klassisch großen datenschutzrechtlichen Bedenken gegenüberstehen sehe. Aber ganz im Gegensatz zur aktuellen Version von Facebook Places „verselbstständigt“ sich das Tool nicht und übermittelt die Statusmeldungen nur wenn der User es veranslässt.

    Eine Initialzündung für den Dienst, wie Du sie oben aufgeführt hast, kann natürlich Wunder bewirken und für eine größere Bekanntheit wie Akzeptanz sorgen. Es stellt sich für mich die Frage, ob es an der Bekanntheit des Dienstes oder an der fehlenden Nachfrage (das eine bedingt natürlich das andere) nach derartigen Tools hierzulande liegt, dass die Akzeptanz nicht derart hoch ist wie z.B. in den USA.

    Trotzdem bieten sich – neben den von Dir gennannten Aspekten – auch interessante Anknüpfungspunkte um Kontakte aus dem digitalen Netzwerken auch ins reale Leben zu übertragen. Man erinnere sich nur an @ Cafetiero in Kölle🙂

  2. Ich denke einer der Hauptfaktoren, warum sich location based services in Deutschland noch nicht wirklich durchgesetzt haben, ist die erst langsam in der breiten Masse ankommende Verbreitung von webfähigen, mobilen Endgeräten, die die Nutzung erst einmal als solche möglich machen. Kombiniert mit dem sehr überschaubaren „Sinn“ solcher Services ist die geringe Bekanntheit nicht sehr überraschend.

    Wie eben angedeutet, fehlt es an einer Initialzündung, die eventuell mit Facebook Places eintreten könnte (die Mitgliederzahlen für Foursquare schossen ja bereits am Tag nach dem Places-Launch in die Höhe) – einfach, weil es die wie von dir angesprochene sicherere LBS-Option ist.

    Aber ich sehe Foursquare und Co. mit „Abstrichen“ auch in einem ähnlichen Entwicklungsprozess wie Twitter, das erst mit der Teilnahme weiterer Freunde/Bekannter für die eigene Nutzung interessant wird, um Anknüpfpunkte heranziehen zu können, die den Einstieg erleichtern. Es gilt wie immer erst einmal die Anfangshürden zu meistern und durch Probieren die Möglichkeiten hinter dem Dienst entdecken zu können.

  3. Julian Grandke · · Antworten

    Ich habe vor einigen Tagen den Artikel auf Basic Thinking gelesen und fand den schon sehr gelungen. Dies ist aber noch mal eine schöne Ergänzung zu dem Thema.

    Auch wenn ich selbst in dieses Thema noch nicht sonderlich tief eingetaucht bin, muss ich dir Recht geben, wenn du die Bedenken der geringen Anzahl an Smartphones in Deutschland ansprichst. Allerdings denke ich, dass sich das mit der Zeit und mit der sich mehrenden Popularität von bestimmten Apps, sowie der üblichen technischen Entwicklung mit der Zeit verbessern wird.

    Du hast auch Recht, dass eine Rabatt-Aktion von einer Marke wie H&M einen ersten Durchbruch bedeuten könnte. Bloß ist es hier nicht an H&M, sondern allein an Foursquare solche Dinge zu initiieren, wenn sie tatsächlich das Interesse haben z.B. den deutschen Markt zu erreichen. Mit strategischen Partnerschaften hätte Foursquare möglicherweise eine Chance sich dem Facebook Places Hype ein wenig zu widersetzen. Das gilt natürlich in erster Linie für den US-Markt, aber solange sich Facebook Places auf anderen Märkten noch nicht breit gemacht hat, sollte Foursquare zumindest darüber nachdenken, hier die Bemühungen zu verstärken.

    1. Ja, die Initiative für eine zündende Kooperation muss auf jeden Fall von Foursquare ausgehen. Mit GAP und den anderen Partnern hat man netterweise ja auch Unternehmen gefunden, die groß genug sind, um auch eine Marke wie H&M o.ä. davon zu überzeugen, dass ein Deal sinnvoll sein dürfte.

      Der deutsche Markt ist mit 20.000 Nutzern zwar wie schon erwähnt noch recht übersichtlich, aber die Verbreitung von Smartphones bietet da enormes Potential bzw. Luft nach oben, so dass sich wie du schon sagtest ein jetzt platziertes Engagement mit etwas Weitblick einen enormen Vorteil für die eigene Positionierung gegenüber Facebook Places einbringen könnte. So heißt es aber erst einmal abwarten, ob und wie Places für den deutschen Markt überhaupt adaptiert wird (Stichwort Datenschutz“hysterie“) …

  4. […] Frage nach dem Grund für diese Zurückhaltung geht Daniel Rehn in seinem Blogpost „Foursquare: Es ist das Potenzial was reizt“ nach: Mangelt es an den grundlegenden technischen Voraussetzungen oder einer entscheidenden […]

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