MTV: Fans, wir müssen reden …

Der 31. Dezember 2010 war nicht nur der letzte Tag des Jahres, sondern auch das deutschlandweite Ende von MTV als Free-TV-Sender. Mit dem neuen Jahr steigt man ins weltweit bereits geführte Pay-TV-Geschäft ein, um dort neue/alte Märkte zu erschließen. Eine partielle Partnerschaft mit dem Pendant VIVA soll zwar ab und an die bekannten MTV-Formate ins freiempfangbare Programm hieven, aber für die Fans des „einzig wahren“ Musiksenders ist das eben nicht genug. Und je näher das Ende der Free-TV-Version rückte, umso mehr machten die (ehemaligen) Zuschauer ihrem Ärger Luft und hauten auch auf der Pinnwand der Facebook-Fanpage eifrig in die Tasten.

Das Schauspiel hat man sich ein paar Tage angesehen, ehe es dann doch zu arg wurde. Also tat man das, was in Social Media gemeinhin als Angebot zum Dialog bezeichnet wird und machte am Dienstag eine Ankündigung zum offenen „Gespräch“.


MTV stellt sich Euren Fragen. Heute 17:30 bis 18:30 – hier auf Facebook.

Ihr könnt kein MTV mehr empfangen, und versteht die Hintergründe nicht? Die Verantwortlichen können Euch heute Fragen beantworten, live, in Echtzeit. Also: spart Euch die Kommentare auf, und schreibt sie heute ab 17:30 hier auf Facebook. Wir werden versuchen alle Fragen zu beantworten. Offen & ehrlich.

Über das Wording „spart Euch die Kommentare auf“ kann man natürlich streiten, aber es sollte ein erster Schritt in Richtung Friedensangebot werden, das es eigentlich nicht geben kann und auch nicht angenommen werden konnte, wenn man sich die Stimmung ansieht, die da schon eine ganze Weile brodelte.

Um Punkt 17.30 Uhr war es dann soweit:


In den letzten Tagen haben wir viele Fragen und Kritik zum MTV Premium-TV Angebot auf Facebook erhalten. Daher stellen wir uns in der nächsten Stunde (17:30 bis 18:30) der Diskussion. Wir haben ein Team von fünf Kollegen aus der Geschäftsleitung, der Programmplanung und der Redaktion vor den Tastaturen. Fragt bitte JETZT.

Und in der Tat: das fünfköpfige Team versuchte in der angekündigten Stunde zwischen den im Minutentakt eintreffenden Unmuts- bis Hass-Kommentaren konstruktive und ehrliche Antworten zu geben, die bei der Flut an Meldungen allerdings hoffnungslos untergingen und irgendwann – und je nach Antwortendem, die leider nicht namentlich gekennzeichnet bzw. präsentiert wurden – nur noch in stakkatohafte Antwortfetzen umgemünzt wurden.

So sehr man den Mut zum Versuch des offenen Gespräch von Seiten des Senders loben kann, so sehr kann man auch darauf hinweisen, dass man wahrscheinlich schon viel früher den Dialog hätte suchen müssen können, um in Ruhe zu erklären, was der Schritt ins Pay-TV-Geschäft tatsächlich bedeutet und wer alles in welcher Form davon betroffen ist.

Auf der anderen Seite muss man aber auch die Fans hinterfragen, die Jahr für Jahr über das sich wandelnde Image und Programm des einstigen Musiksenders gemeckert haben, um sich nun darüber zu beschweren, dass ihnen ein nicht mehr geliebtes Spielzeug weggenommen wird. Ein Fakt, der von Seiten der Fans nämlich gerne vergessen wird – und von MTV Germany auch mehr als einmal genannt wurde -, ist der Umstand, dass MTV mit Ausnahme von Spanien, Italien und bis dato auch Deutschland ansonsten überall als Pay-TV geführt wird.

Denn mit Ausnahme von EuroSport, das europaweit (!) nur in Deutschland als Free-TV-Sender empfangbar ist, war MTV Germany von Haus aus schon ein Sonderfall, der sich nun dem Usus der hausinternen Politik angepasst hat.

Und weil es so interessant anzusehen ist, habe ich die Fanpage-Entwicklungen von MTV Germany und VIVA.tv gegenübergestellt. Obgleich der Tenor auf der MTV-Pinnwand deutlich gegen VIVA als akzeptierte Quasi-Alternative spricht, konnte der Sender seit den Feiertagen deutliche Zuwächse verzeichnen, während die Fan-Zahlen bei MTV ebenfalls steigen. Und das werden wohl kaum alles Nostalgiker sein, die sich das alte MTV zurückwünschen …

3 Kommentare

  1. Sauber erarbeitet, so lese ich gerne solche Geschichten.
    Dass sich viele Fans jahrelang beschwert haben über die Positionierung und nun erst recht erbost sind, wo MTV nur noch für die weiterbesteht, die dafür zahlen möchten, ja, das ist wirklich bemerkenswert. Und es zeigt für mich vor allem, wie emotional geladen die Marke MTV ist, und das hätte sich die Kommunikation bewusst sein müssen. Ansonsten wäre ich nämlich auch zur Überzeugung gelangt, dass Kommunikation allein nicht retten kann, was im Management verbrochen wird.

  2. Ja, die emotionale Komponente ist in diesem Fall wirklich außergewöhnlich. Viele sind mehr oder weniger mit MTV aufgewachsen und haben unter dem damaligen Programm noch ihre musikalische Prägung erfahren. Wenn das mit einem Mal nicht mehr da ist, dann fehlt etwas.

    Von daher bin ich auch voll und ganz deiner Meinung, dass man da vorher hätte reagieren können/müssen. Allerdings stellt sich wie am Case zu sehen ist auch die Frage, welchen Dreh man hätte einbringen müssen, um ein teils so irrational auftretendes Publikum argumentativ abholen zu können. Wer sich von vornherein jeder Form von konstruktiver Diskussion durch bockiges und eingeschnapptes Verhalten verschließt, ist nur bedingt zu erreichen …

  3. […] Kurzem schrieb ich über den Versuch des Dialogs von MTV, um mit den aufgebrachten Fans auf Augenhöhe diskutieren zu können, was nicht so recht gelingen […]

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: