Von Menschen und Konzepten

Dieser Beitrag wird ein wenig aus dem üblichen Rahmen fallen. Er wird etwas persönlicher sein und über die ein oder andere Schleife vielleicht auch wieder zu den bekannten Themen kommen. Ob es so kommt, wird sich für mich beim Schreiben und für euch beim Lesen zeigen.

Wer sich nicht mit dieser persönlichen Note beschäftigen mag, dem sei es empfohlen an dieser Stelle auszusteigen. Es wird aus dessen Sicht nicht besser werden …

Ich will es ganz direkt sagen: Die letzten Wochen des Jahres 2010 und die ersten in 2011 ging es mir emotional gesehen recht bescheiden, auch wenn ich das nicht auf dem Silbertablett vor mir hergetragen habe. Es gab sowohl in meinem familiären Umfeld, meinem Freundes- und Bekanntenkreis sowie im Privaten eine Vielzahl von kleinen und großen Dramen, die mir zugesetzt haben und sehr nahe gegangen sind. Ich muss dafür nicht ins Detail gehen, aber diese Phase hat mir sehr deutlich gezeigt, wo die eigentlichen Prioritäten liegen sollten.

Dass es im Moment einige Schieflagen in puncto Prioritäten gibt, ist für mich kein Problem, da ich mir darüber im Klaren bin, wie situationsbedingt das alles ist. Das Private steht hinten an, der Job mehr im Fokus und das Soziale ist tagsformabhängig. Das stört mich nicht, da ich es einzuordnen und zu händeln weiß. Man kommt allerdings ins Grübeln, wenn man innerhalb kürzester Zeit von mehreren ganz verschiedenen Seiten zu hören bekommt, man solle es doch bitte nicht übertreiben. Gerade im Beruf.

Ja, ich sitze gerne auch einmal länger an einem Projekt, um den Workflow auszunutzen, wenn er denn mal auftaucht. Das passiert bei mir zumeist allerdings erst so richtig in den Nachmittags- und Abendstunden. An diesem Punkt kommt meine studentische Prägung wohl noch recht stark durch. Nur bin ich eben kein Student mehr und so fällt mir das eigene berufliche Zeitmanagement zu weilen nicht immer leicht. Solange die Projekte aber im Zeitrahmen bleiben und erledigt werden, ist auch das für mich okay.

Versteht mich nicht miss. Ich liebe meinen Job und alles, was daran geknüpft ist. Selbst die Tiefs. Ich darf mich an Projekten austoben, die ich woanders wohl kaum so früh erhalten hätte. Nur merke ich auch, wie viel Einfluss das Ganze auf mein Leben (und Denken) hat. So viel Spaß eine Aufgabe auch machen kann, wenn sie zum alleinigen Lebensmittelpunkt mutiert, dann läuft etwas in die falsche Richtung. Denn so, wie ich erst gestern wieder über die nicht vorhandene Trennung von Social Media und realem Leben referiert habe, so gibt es gerade in einem Berufsfeld wie dem meinen/unseren keine wirkliche Trennung zwischen Arbeit und Freizeit. Aber auch das ist nicht das eigentliche Problem. Es wird erst dann zum Problem, wenn die Balance auf Dauer verloren geht.

Ich habe mich mit dem ein oder anderen mir nahestehenden Menschen austauschen können, wie es zu dieser und jener Situation kommen konnte, wo Gründe lagen und welche Folgen sie hatten. Und fast überall zeigte sich, dass der „Fehler“ im „Detail“ lag. Falsche Erwartungen und Voraussetzungen können bei Beginn eines jeden Unterfangens noch mit viel Euphorie aufgefangen werden, entwickeln mit der Zeit aber oftmals eine Last, die sich später nicht mehr korrigieren oder besser gesagt tragen lässt. Das gilt für Freundschaften, Beziehungen und Co. wie auch für berufliche Projekte und Überlegungen. Mal eben zu sagen „Das macht mir im Moment nichts aus“ kann eine Weile gut gehen, nur eben nicht auf lange Sicht. Das (wieder) zu erkennen, hat mich eine gewisse Zeit gekostet. Aber mit absoluter Sicherheit kommt irgendwann nun einmal der große Hammer, der alles aus den gewohnten Bahnen wirft.

Dieser Hammerschlag hat mich nicht direkt ge- bzw. betroffen. Zum Glück. Dafür habe ich meine Freunde, die mich auf den Boden der Tatsachen zurückholen, mir zeigen, was wirklich wichtig ist, und die mir meine Phasen der Funkstille bei großer Eingespanntheit verzeihen, auch wenn einige von ihnen nicht immer verstehen, was genau ich eigentlich den ganzen Tag mache. Der ein oder andere von euch wird das kennen, nehme ich an. Aber ich weiß auch, dass es nicht immer gut gehen kann, wenn man nicht verstehen lernt, worauf man sich wirklich konzentrieren sollte und welche Nebenkriegsschauplätze es nicht wert sind, sich auf ihnen aufzureiben.

Eine sehr liebe und weise Freundin hat es auf den Punkt gebracht: Die schönsten und wichtigsten Momente sind die, die man mit anderen teilen und genießen kann. Die Momente, in denen man sich öffnet und ganz man selbst sein kann. Und diese Momente sind es auch, die sehr viel mehr zählen als ein Kommunikationskonzept. Ganz egal, wie viel Spaß man daran hat.

Und so will ich nun versuchen mich wieder mehr diesen Moment zuzuwenden und die alte Balance wiederherzustellen.

Der eine oder andere wird sich jetzt fragen, warum ich diese Zeilen überhaupt mit euch teile. Ob es denn nötig sei diese überhaupt zu publizieren oder wen zum Teufel das interessieren könnte … Ich tue das, weil ich das Social Web auch dafür als den richtigen Ort verstehe. Es gibt im Digitalen keine Perfektion, wie sie immer wieder proklamiert wird. Mich persönlich macht das in der Tat selbst immer etwas misstrauisch. Es gibt im Netz ganz einfach nur liebenswerte und tolle Menschen mit Fehlern, Kanten und Problemen, wie sie jeder andere auch haben könnte oder gar hat. Warum also einen vermeintlich perfekten Eindruck fördern, der schlussendlich erneut falsche Erwartungen weckt? Darum teile ich diese Überlegungen mit euch. Weil ich weiß, dass die, die dies hier lesen, verstehen werden. Weil ich weiß, dass es für mich das Richtige ist. Weil ich bin, wie ich bin.

7 Kommentare

  1. Ein richtig schöner Beitrag ist das Daniel. Und wenn ich das im Kurs richtig verstanden habe, auch ein bisschen Social Media – oder? Vergesst nicht, dass am anderen Ende ein Mensch sitzt. Ein Mensch mit echten Gefühlen. So ähnlich glaub‘ ich hieß das.

    Schade, wenn jetzt unser Firmentwitteraccount schon offiziel im Netz wäre, würe ich diesen Beitrag auf alle Fälle teilen.
    Gruß und schönes Wochenende wünscht dir aus Mannheim
    Christa Schwemlein

    1. Hallo Christa,

      ja, genau so ist und du hast es genau richtig verstanden. Mirko hat ja damals wie heute das Credo, dass sich das „social“ in Social Media auf den Aspekt des Gemeinsamen bezieht. Und da liegt er absolut richtig. Es ist aus meiner Sicht auch nicht richtig immer nur die Sonnentage mit allen zu teilen, wenn es auch Regen gibt, der ebenso gleichermaßen auf alle fällt. Auf die Glücklichen wie die Unglücklichen. Auf die Gerechten wie die Ungerechten … usw.

      Von daher freue ich mich, wenn ich, um im Bild zu bleiben, auch mit einem etwas regnerischen Beitrag für ein paar interessante Minuten des Lesens und Verweilens sorgen konnte.

      Dir noch ein schönes Restwochenende und liebe Grüße aus München,
      Daniel

  2. Moin Daniel!

    Da hast Du einen eindringlichen, von außen überlegt erscheinenden Text mit uns geteilt, der etwas beschreibt, dass sicher nicht wenige Menschen kennen, noch viel mehr aber wahrscheinlich nicht nachvollziehen können. Dafür schon einmal vielen Dank. Ich selbst finde, dass ein Blog auch durchaus ein Ort sein darf, auf dem man ungeniert seine ganz persönlichen Gedanken formulieren und teilen darf – unabhängig davon, ob man hier vorher maßgeblich über professionelle Dinge geschrieben hat. Schließlich ist es Deins!😉

    Auf die Gefahr hin, dass meine Gedanken im Folgenden irgendwann einfach ins Leere führen, nun zum Kern der Sache:

    Mir geht es nicht selten ähnlich, wenn nicht sogar genauso. Man verbringt lange Arbeitstage im Büro, teils bis in die Nacht hinein. Dafür können dann Familie oder Freunde wenig bis gar kein Verständnis aufbringen, auch wenn die meisten sich zurückhalten und ihr Unverständnis zumindest nicht äußern. Hier muss man einen modus operandi finden, mit dem man selbst am zufriedensten ist. Wie Du selbst schreibst, darf man die wichtigen Dinge nicht aus den Augen verlieren – auf die Balance kommt es an.

    Ich persönlich vertrete da seit einigen Jahren einen recht konsequenten weg, der nicht immer auf Gegenliebe stößt, der mir aber als ein für mich lohnenswerter Weg erscheint. Ich arbeite viel, lang und sehr oft an mehreren (nahezu gleichrangigen) Projekten gleichzeitig. Ich tue dies weil es mir
    1) Spaß macht,
    2) es gemacht werden muss,
    3) ich etwas eigenes Berufliches aufbauen möchte und nicht nur als Angestellter 9-to-8 (um mal fair zu bleiben) in irgendeinem Unternehmen irgendeinen Job machen möchte. Beruf kommt von Berufung und nur einer von vielen Zwecken meines Berufes ist für mich der Lohnerwerb (wenn auch kein unwichtiger).
    Ich habe mir in den letzten 8 Jahren meines beruflichen Lebens angewöhnt meinen Workflow dann zu nutzen, wenn er auch wirklich fließt – ganz so wie auch Du es beschreibst. Ich arbeite möglichst dann, wann ich am kreativsten und am leistungsfähigsten bin. Ich tue dies zum Wohle meiner Arbeit bzw. des Ergebnisses meines Schaffens, aber auch weil ich glaube, dass es die Zukunft des Arbeitens sein wird. Wann immer wir über Enterprise 2.0, Work-Life-Balances, Arbeiten 2030, oder irgendetwas anderes in dieser Richtung sprechen, hört man in der Regel, dass die Zeiten von festen Arbeitszeitgerüsten und festen Arbeitsplätzen gezählt sind. Vielleicht nicht in den nächsten 2 Jahren, aber vielleicht in den nächsten 10. Für mich hat es sich bereits in den letzten Jahren bewahrheitet.

    Lange Rede, gar kein Sinn. Schlussendlich bleibt mir eine Erkenntnis:

    Ja, Balance ist wichtig. Sie ist vor allem dann wichtig, wenn man selber das Gefühl hat, dass man sie verloren hat.

    Ja, Freunde und Familie dürfen und sollen einen wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Aber, ich verbitte mir Vorwürfe. Ich kann mittlerweile auch ein wenig Verständnis verlangen.

    Nein, viel und langes Arbeiten ist nichts Schlimmes. Denn ich möchte mit meiner Arbeit etwas schaffen, was im Idealfall auch anderen Menschen nützt, ihnen ihr Einkommen und damit ein lebenswertes Leben ermöglicht. Ich möchte mit meiner Arbeit Spuren hinterlassen, auf die ich bestenfalls eine Weile auch mit Stolz zurückblicken kann. Und ich möchte mich mit meiner Arbeit auch einen kleinen Teil abseits der bereits etablierten Pfade und Ideen bewegen und neue Wege beschreiten. All dies kostet nun einmal Zeit! Bei aller Maloche ist es aber wichtig seine direkt umgebenen Mitmenschen (Partner, Familie, enge Freunde) mit in die Überlegungen und Abwägungen einzubeziehen. Vor allem beim Partner/in dürfte dies bereits im Vorfeld durch eine offene Kommunikation (Verhandeln ^^) ein wichtiger Schritt sein. Denn nur mit ihnen kann man die schönen Dinge des Lebens teilen, so wie Du es schreibst. Auch Lebenszeit kostet Zeit!

    Das Gleichgewicht zwischen beidem ist wohl etwas, was wir täglich ganz bewusst abwägen sollten.

    1. Mein lieber Matthias,

      vielen Dank für deine offenen und ehrlichen Worte und Gedanken auf meine Zeilen. Die Zeit, die du dir dafür genommen hast, weiß ich wirklich sehr zu schätzen. Gerade weil ich weiß, wie knapp selbige oftmals auch bei dir bemessen ist.

      Zu deinen Überlegungen: Keine Sorge, sie ergeben allesamt Sinn und sind für mich ohne Weiteres nachvollziehbar. Wir ticken in der ein oder anderen Beziehung wohl wirklich so ähnlich, wie wir es damals bei unserem kurzen Treff in Berlin feststellen konnten. Schön, dass sich das nicht geändert hat🙂

      Spaß, die Notwendigkeit etwas zu tun und das Bestreben Spuren zu hinterlassen sind dabei in der Tat Triebfedern, die wie beschrieben auch bei mir keine unwichtige Rolle spielen. Nur bin ich eben in der letzten Zeit immer wieder in dieses Ungleichgewicht verfallen, das sich aller Voraussicht (und Hoffnung) nach alsbald wieder in seine Ursprungsform entwickeln wird.

      Besonders gut und richtig finde ich dabei deinen Aspekt, dass man selbst auch Verständnis erwarten kann, darf und sollte, auch wenn die Äußerungen der einem Nahestehenden oftmals keinen bösen Gedanken als Hintergrund haben, sondern die Sorge, dass man sich verheben könnte und am Ende alles noch schlimmer wird. Dumm nur, wenn man sich selbst dabei trotz allem in einer mit Verantwortung beladenen Position sieht, die man nicht zwingend inne haben muss.

      Ein kurzes Beispiel: Vor etwa sieben, acht Wochen lief es auch für mich recht kritisch, da ich zum Teil länger an einer Aufgabe saß, als es tatsächlich gut war. Um genau zu sein eigentlich so lange, bis mein Kopf komplett leer war und mir trotz intensiver Beschäftigung mit dem Thema kein klarer Gedanke mehr dazu einfiel. Dabei hätte ich noch nicht einmal an dieser Aufgabe sitzen müssen. Ich war in dieser Phase nur der Back-Up oder auch Zuarbeiter, der im Notfall eingesprungen wäre, wenn der Vordermann ausgefallen wäre. Doch in meinem Kopf lief immer wieder die gleiche Frage: „Wenn der Zuarbeiter und Back-Up nicht bereit ist, was passiert dann in der ersten Reihe, wenn etwas schief läuft?“.

      Ich sah mich in einer Pflicht und Verantwortung, die mir mehr abverlangt hat, als nötig war. Unter anderem auch, weil meine Triebfedern zu diesem Zeitpunkt noch falsch justiert waren (ich denke, dass dies mittlerweile wieder etwas besser ist). Das zu verstehen ist ein permanenter Lernprozess. Und manchmal braucht man eben eine Weile, bis man diese Lektion endlich kapiert und das eigentliche Gleichgewicht wieder hergestellt hat …

  3. Großartiger Beitrag, in dem ich viel an Erfahrungen herauslesen kann, die ich selbst gemacht habe. Was noch viel wichtiger ist, als Freunde & Familie nicht außer Acht zu lassen (bei allem Workflow und sonstigem) ist, auf Auch wenn dich lange Arbeitstage erfüllen und dir Projekte Spaß machen, reserviere dir Leerstunden in denen du deinen Geist freimachst😉 Das ist zumindest meine Erfahrung, damit es längere Zeit klappt.. Aber da hat sicher jeder seine eigene Methode. Vielleicht hast du deine ja jetzt gefunden.

    1. Hab‘ Dank für die lobenden Worte, mein Lieber!

      Du hast auf jeden Fall recht, wenn du sagst, dass die Leerstunden wichtig sind. Allerdings ist es zuweilen doch schwer den Geist freizumachen, wenn das Ideenkarussell auf Fast Forward läuft😉 Von daher suche ich manchmal noch nach der Stoptaste oder zumindest nach dem Geschwindigkeitsregler, damit ich wenigstens etwas zur Ruhe kommen kann. Mit Blick auf die letzten Tage kann ich allerdings so langsam behaupten, dass ich einen adäquaten Weg (wieder-)entdeckt habe.

      Es wird.

  4. […] This post was mentioned on Twitter by Kai Fischer and Daniel Rehn, Alexander Klarmann. Alexander Klarmann said: Habe nach dem Lesen dieses Artikels gelächelt. Danke, @danielrehn . http://j.mp/fko32B […]

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: