Afterglow: MobileTechCon ft. Social Media Club München

Montagabend in München. Tagsüber wurde auf der Mobile Tech Conference zu allem, was das Mobile Web hergibt, präsentiert, referiert, diskutiert und geredet, abends ging es damit weiter. Beim Social Media Club München hatte man Robindro Ullah, Leiter DB Services, und Benjamin Thym von barcoo für Vorträge über die Mobile-Recruiting-Aktivitäten der Bahn bzw. über Mobile Crowdsourcing gewinnen können.

Nach einer netten Einleitung übernahm Ullah auch schon das Mikrofon und parlierte ganz ungeniert über die vielen großen und kleinen Misserfolge und Rückschläge, die er beim Öffnen des Mobile-Recruiting-Experimentierkastens so hinnehmen musste. Ein Saal, in dem 85 Prozent der Anwesenden Foursquare, QR-Codes oder Bluetooth-Marketing kennen, kann gut nachempfinden, wie es ist einem Offliner Location Based Services und ähnliche Dinge erklären zu müssen, um sie aktiv anwenden zu dürfen. Aber gerade deshalb war Ullahs Vortrag auch so unterhaltsam. Man kannte die Probleme, mit denen er sich herumschlagen musste, allesamt aus eigener Erfahrung.

QR-Codes etwa sind immer noch ein Rätsel für neun von zehn Leuten auf der Straße (okay, evtl. auch für 19 von 20), aber sie auf Tickets, Fahrplänen und Co. einzusetzen geht auf Ullah zurück, dessen Begeisterung für Mobile Recruiting der Grundstein für eine nach wie vor anhaltende Phase des Ausprobierens bei der Deutschen Bahn ist. Und selbst wenn die Leute immer noch nicht wissen, was die kleinen schwarz-weißen Punkte sollen, so fragen vor allem die Jugendlichen und Mittzwanziger auf den Berufsmessen, worum es dabei geht … BINGO! … Genau die Jugendlichen und Mittzwanziger, die man auf den Messen erreichen will. Ullah selbst sieht die QR-Codes trotz oder auch wegen ihrer Unbekanntheit als netten „Eisbrecher“, um ins Gespräch zu kommen. Dass die Codes dabei nicht mehr als Deko-Charakter haben nimmt man hin. Obwohl ich immer noch geflasht bin, dass bunte QR-Codes quasi „vierdimensional“ sind und es ermöglichen kurze Videosequenzen u.ä. über einen Barcode-/QR-Scanner abzuspielen, was uns wieder richtig Augmented Reality bringt.

Gleiches gilt für den Einsatz von Location Based Services. Noch sind sie in der breiten Masse unbekannt und werden kaum genutzt, aber bereits jetzt auf dem Spielfeld aktiv zu sein und sich einen Vorsprung erarbeiten zu können, reicht dem Team um Ullah aus. So stört es auch nicht, dass sich nach der Einrichtung des Foursquare-Specials am Berliner Hauptbahnhof (nette Anekdote: Ullah musste eine Weile mit Foursquare verhandeln, dass er tatsächlich für die Bahn „Besitzansprüche“ auf den Hauptbahnhof erheben dürfe) nur zwei Blogger (einer davon war Markus) bei ihm gemeldet haben, um darüber zu berichten. Die User, die aber vor Ort darauf aufmerksam werden – nach heute Abend wohl einige Dutzend mehr – sind immer wieder begeistert.

Nicht weniger Begeisterung löst Benjamin Thym mit seinem StartUp barcoo aus. Unter dem Siegel des Mobile Crowdsourcing haben Thym und sein Team eine Applikation entwickelt, die es jedem Otto-Normal-Einkäufer ermöglicht bereits im Laden durch Abscannen des Barcodes zu erfahren, welche Nährwerte in einem Produkt stecken.

Unter der Prämisse, dass man zu Anfang so gut wie keine relevanten Datensätze vorweisen konnte, bat man einfach die Community beim Sammeln der Daten zu helfen. Mit durchschlagendem Erfolg. Täglich werden hunderte von Datensätzen hochgeladen, Bilder geschossen, Produktprofile ergänzt … Barcoo funktioniert, weil es den Nutzern einen enormen Mehrwert liefert und diese sich aktiv einbringen können (60 Prozent der User scannen Lebensmittel ein und sind ein aktiver Teil der Community / ohne aktives Marketing hat man es auf mittlerweile 2,4 Millionen Downloads der App gebracht!).

Sehr anschaulich wurde das Ganze beim Dioxin-Skandal um belastete Eier im Januar diesen Jahres. Hatte man vorher knapp 200.000 Downloads der App im Schnitt verzeichnen können, waren es im Zeitraum nach dem Skandal und der entsprechenden Berichterstattung 450.000 Downloads im Januar. Ein Plus von einer Viertelmillion, möglich unter anderem auch dadurch, dass man innerhalb von 20 Stunden auf die Bedürfnisse der User einging und die Datensätze für Hühnerfarmen und Landeier-Bauern aggregieren konnte, um diese wiederum in die App einzubinden. So erfuhr man noch im Geschäft, ob die Eier, die man kaufen wollte, von einem Hof mit Dioxin-Belastung stammten oder nicht.

Zur Finanzierung des Projekts arbeitet man schon jetzt mit Produktbefragungen innerhalb der Applikation, um Instant-Informationen der User beziehen zu können. Ein cleverer Ansatz, der vor allem für die produzierenden Lebensmittelunternehmen von Interesse sein dürften.

Insgesamt war der SMCMUC in Kombination mit der Mobile Tech Con eine sehr angenehme Veranstaltung. Vielen Dank nochmals an die Ausrichter …

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