Location Based Services für KMUs – Ergänzungen

Wie gestern angedroht, folgt heute mein kleiner und vor allem ergänzender Rückblick auf meine Präsentation „Der Einsatz von Location Based Services für KMUs“, die ich im Rahmen des ersten Barcamp Ems halten durfte.

Im Nachhinein betrachtet kommt der Faktor KMU eventuell doch etwas zu kurz rüber, aber den Anwesenden aufzeigen zu können, dass man kein multinationaler Konzern sein muss, um ebenfalls mitspielen zu können, war aus meiner Sicht schon ein Erfolg.

Slide #01:
Titel

Slide #02:
Die Zukunft ist mobil. Eine These, die keiner weiteren Beweisführung bedarf, wenn man sich einmal in der Öffentlichkeit umschaut, wie viele Smartphones und Mobile Devices mittlerweile im Umlauf sind. Und so verwunderte es auch nicht, als auf meine Frage an das Publikum, wer denn alles ein Smartphone sein Eigen nennen würde, etwa 80 Prozent der Hände nach oben gingen.

Slide #03 und #04:
Unterstützt werden diese These und Entwicklung durch die Absatzzahlen und Statistiken, die die BITKOM in schöner Regelmäßigkeit ausgeben. Zu behaupten, dass das Mobile Web jetzt noch keine Relevanz hätte, wäre demzufolge mit dem Zweifel am Gewinn der deutschen Fußball-Meisterschaft durch Borussia Dortmund gleichzusetzen. Man hat eine gute Entwicklung erwartet (sowohl für das Mobile Web als auch den BVB), aber dass es so schnell so steil nach oben gehen würde, das konnte vor einem Jahr keiner ahnen. Einziger Unterschied: Während die Borussen in der nächsten Saison beweisen müssen, dass sie keine Eintagsfliege waren, wird das Mobile Internet die nächsten Jahre und darüber hinaus bestimmen.

Schon jetzt beeinflusst der Einsatz von Mobile Devices und Handeln, Denken und Verständnis von Information und Kommunikation – und dabei stehen wir erst am Anfang einer weitreichenden Veränderung.

Slide #05:
Aber worum geht es bei Location Based Services eigentlich? Eine Frage, die man dem Publikum mit seinem unterschiedlichen Wissensstand erst einmal stark herunter gebrochen vermitteln muss.

Slide #06:
Und das gelingt am einfachsten, indem man die DNS des Social Networks genauer betrachtet. Denn während Twitter auf das „Was passiert?“ abzielt, widmet sich Facebook der Gefühlslage, die man mit seinem Netzwerk teilt. Location Based Services arbeiten allerdings mit dem „Wo?“ und konzentrieren sich somit ganz natürlich auf die aktuelle Position des Users, um ihm auf dieser Basis alle nötigen Informationen, die für ihn an diesem lokalen Punkt interessant sein könnten, zu bieten.

Slide #07:
Okay, wie funktioniert das Ganze nun? Im Grunde ist es auf der technischen Ebene – stark vereinfacht – durch ein Zusammenspiel von drei relevanten Elementen. Zum einen wäre da das (statische) Internet, wie wir es kennen, dann noch der Einbezug von Geolokalisierung durch GPS (Global Positioning System) bzw. GIS (Global Information System) mittels Kommunikationssatelliten sowie dem mobilen Endgerät als Empfänger des Datenmixes. Die jeweiligen Schnittmengen ergeben die ersten Berührungspunkte, die etwa Mobile Web oder Navigation ermöglichen. Interessant wird es allerdings im Kern dieser Schnittmengen, die Location Based Services (auf mobiler Ebene) ermöglichen.

Slide #08:
Inspiriert durch die Gespräche mit Andreas Steinbeißer habe ich die Veränderung unseres Verhaltens und unserer Bedürfnisse, die mit Location Based Services kombiniert werden, in die drei Bereiche eingeteilt, die unser tägliches Leben einrahmen. Die Komfort-Zone steht stellvertretend für uns Zuhause. Den Ort, an dem wir für gewöhnlich alles haben, was wir zum Glücklich sein brauchen. Hier fehlt es uns an nichts.

Dem gegenüber steht die Pflicht-Zone, die beispielsweise unseren Arbeitsplatz, das Studium oder einen ähnlichen Ort repräsentieren, der uns nicht zur Entspannung, sondern zum direkten Erwerb und Co. dient. Der dritte Bereich stellt hingegen das dar, was wir von unserem Leben erwarten: Abenteuer. Die menschliche Natur ist – meiner Überzeugung nach – nicht dafür gemacht immer nur das selbe zu tun und zu erleben. Wir wollen raus, die Welt erkunden, Neues entdecken und uns daran erfreuen (Entertainment) – und das mit so wenig Aufwand wie nötig (Effizienz) und so viel Ertrag wie möglich (Benefit). User-seitig können Location Based Servies auch diesen Anspruch erfüllen, indem sie unsere Bedürfnisse abdecken und uns mit Tipps, Empfehlungen und kleinen Incentives das bieten, wonach wir gerade verlangen.

Silde #09:
Aber warum funktionieren Location Based Services wie Foursquare (an deren Beispiel ich mich während der Präsentation immer wieder langgehangelt habe) und Co. eigentlich? Weil sie unsere ureigenen Instinkte und Intuitionen ansprechen. Wie eben schon erwähnt, sind Menschen von Natur aus neugierig (Jagen und Sammeln in Form von ganz bestimmten Badges oder Specials, die durch Treue und Ausdauer erreicht werden können) und auf Unterhaltung aus (Spaß durch Empfehlungen), suchen aber auch regelmäßig den Vergleich mit anderen (Wettkampf über das ewige Duell um den Mayor-Status in einer angesagten Location).

Ganz egal ob bewusst oder unbewusst, wir sind permanent daran interessiert unsere Grundbedürfnisse zu befriedigen. Location Based Services bieten mit ihren Belohnungs- und Anreizsystemen den schon seit Ewigkeiten bekannten Spielraum, um das zu schaffen. Natürlich ist ein Badge bei Foursquare oder ein Pin bei Gowalla nichts, womit man offline jemanden beeindrucken könnte. In Kenner-Kreisen hingegen weiß man, welche Anstrengungen zum Teil mit deren Erwerb verbunden sind und kann damit durchaus einen gewissen Respekt ernten (und ganz nebenbei sagen diese Auszeichnungen auch etwas über den User aus und liefern Daten und Informationen, die man unternehmensseitig durchaus für die eigenen Zwecke verwenden kann, wenn man sie zu lesen weiß). Eine Kundenkarte mit Executive Status bei einer Fluglinie oder selbst eine Bahncard 100 mit all ihren Vorzügen ist schließlich auch etwas, das uns Aufschluss über unser Gegenüber geben kann.

Location Based Services haben das Rad nicht neu erfunden, sie lassen es nur individueller drehen, als andere Angebote.

Slide #10 und #11:
Okay, das wäre so weit geklärt. Aber was habe ich davon? Als Nutzer ist die Sache relativ klar. Was als kleines Spiel für zwischendurch und oftmals aus reiner Neugier beginnt, entwickelt sehr schnell eine eigene Faszination. Das innere Kind wird durch den natürlichen Spieltrieb auf der Jagd nach Badges, Mayorships und Co. befriedigt, doch das ist nicht alles. Wir fühlen uns gut dabei zu wissen, wo unsere Freunde gerade sind oder ihnen sagen zu können, wo wir uns just in diesem Augenblick herumtreiben. Eine via Push-Notification an Twitter und/oder Facebook weitergeleitete Statusmeldung unseres Aufenthaltsortes ist eine Form des Networkings, die wie alle anderen sozialen Netzwerke auch eine Interaktion ermöglicht. Zu sagen, dass man in Café XY sitzt und einen guten Espresso genießt mag für die Masse nicht von Relevanz sein, für den Freund, der gerade in der Nähe ist und Zeit für ein Treffen hat, ist es aber vielleicht ein guter Anlass, um sich einmal wieder in aller Ruhe zu unterhalten. Er muss schließlich nur noch vorbeikommen.

Unternehmen, die auf Location Based Services setzen, können hingegen einen weiteren Ansprachepunkt und –kanal aufbauen, der ihnen eine gewisse Aufmerksamkeit aller potentiellen Kunden im Umfeld zusichert. Beim Blick auf die Applikation mit den Geschäften in der Umgebung tauchen sie mit auf und im Falle eines speziellen Angebotes werden sie mit einem entsprechenden Vermerk auch noch hervorgehoben. Die ideale Möglichkeit also, um auf sich aufmerksam zu machen und Werbung in eigener Sache zu betreiben.

Und das schöne daran (Achtung, steile These!): Es kostet im Vergleich zu anderen Social Networks, die auf den direkten Kundendialog ausgelegt sind, fast keine Ressourcen wie etwa permanente Rufbereitschaft oder Generierung von Content.

Das Anlegen eines Venues geht ebenso schnell von der Hand wie das Anbieten eines Specials (sobald die Besitzansprüche des Spots geklärt sind). In der Folge werden die Nutzer, die sich einchecken und auf das Special aus sind, auf das Unternehmen bzw. den Betreiber zukommen, um beim Erreichen des Angebots ihre „Besitzansprüche“ darauf zu erheben. Und hier sehe ich den einzigen wahren Stolperstein: Alle Mitarbeiter sollten dahingehend gebrieft sein, dass sie wissen, was das Angebot bedeutet und wie die nächsten Schritte beispielsweise bei einer „Konfrontation“ mit einem Mayor und seinem Recht auf ein Getränk auf Kosten des Hauses auszusehen haben. Wenn diese Prozesse sitzen, kann nicht mehr viel schiefgehen.

Slide #12:
Heißt das nun aber automatisch, dass ich mit meinem Geschäft/Laden/Unternehmen mit aller Gewalt bei einem der vielen Dienste dabei sein muss? Klare Antwort: Nein. Wenn ich nicht einordnen kann, ob und was ich in puncto Strategie und Ziele überhaupt erreichen möchte, dann sollte man nicht damit anfangen sich auf einem Markt zu präsentieren, auf dem man gar keinen Stand haben möchte. Sieht man hingegen einen möglichen Benefit für sich und sein Geschäft, dann sollte man nutzen, was man zu bieten hat.

Slide #13:
Doch wo soll man anfangen? Es gibt – wie so oft – auch bei den Location Based Services eine Vielzahl an Möglichkeiten, auf denen man sich präsentieren und eine Anlaufstelle einrichten kann. Auf welcher dieser und anderer Plattformen man sich wirklich wohlfühlt und seine Zielgruppen erreichen kann, erfährt man nur auf einem Wege …

Slide #14:
Selber ausprobieren! Es hilft nicht wirklich weiter sich von einem Berater, dem eigenen Nachwuchs oder dem Bekannten eines Freundes ein Social-Media-Konzept „aufschwatzen“ zu lassen, wenn man später keine Ahnung hat, was das eigentlich alles für das Unternehmen und die eigenen Kunden bedeutet. Nach einer Phase des Kennenlernens – und dem Entschluss, dass Location Based Services etwas bringen – richtet man sich seinen Account ein und legt das Geschäft als Venue an (oder erhebt die geltenden Besitzansprüche auf diesen, falls er von einem fleißigen User bereits erstellt wurde). In der Folge wird das in der Strategie entwickelte Angebot eingestellt und et voila, es kann losgehen.

Slide #15 und #16:
Was beim Generieren weiterer Aufmerksamkeit immer nützlich ist, ist die Werbung in eigener Sache auf mehreren Ebenen. Sich bei einem noch so exotischen Feld wie Location Based Services also nur auf den digitalen Weg zu verlassen, kann zwar ausreichen, aber mit ein wenig Offline-Werbung am Ort des Geschehens kann man so falsch nicht liegen, wie die Fotos zeigen.

Slides #18 bis 21:
Wie eine entsprechende Präsenz auf einem Service wie Qype oder Foursquare aussehen kann, zeigen die Beispiele der Münchner Kneipe Niederlassung oder aber der Restaurantkette Vapiano, die ihre Kunden mit ihren eingerichteten Spots auf einer ganz eigenen Ebene ansprechen. Dabei erhalten sie bei überschaubarem Aufwand eine eigene zusätzliche Präsenz im Web, die eine direkte Einbindung ihrer Kunden ermöglicht (Kommentare, Empfehlungen, Tipps, Personalisierung durch Aufzeigen von Titelträgern usw.).

Slide #22:
Klingt viel zu einfach, um wahr zu sein, oder? Hier ist die Antwort nicht so klar und lautet eher „teils teil“. Wie schon erwähnt, sollte man sich Gedanken darüber machen, was und wen man mit seiner Präsenz erreichen möchte. Erst wenn die strategischen Eckpfeiler gesetzt sind, sollte man sich auch an die Umsetzung machen und den Kunden ganz bewusst etwas frei in die Hand geben, das sie auch wirklich haben wollen.

Über Feedback, Anmerkungen eurerseits und Vorschläge, was besser sein könnte, würde ich mich wie immer freuen😉

One comment

  1. […] (@kehrseite) zum Thema Location Based Services. Das Themenfeld interessiert mich ja nicht erst seit meinem Vortrag auf dem Barcamp Ems oder dem Schreiben für about location über die Maßen, so dass ich mir vieles von ihm als alten […]

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