Mein re:publica 2011-Fazit – Umarmungen, Küsse und Gespräche

Ein großes Klassentreffen. Mit genau diesen Vorzeichen sind so viele in diesem Jahr einmal mehr nach Berlin gereist, um sich in Diskussionen über Blogs, Kommunikation und die digitale Gesellschaft zu stürzen, einander zuzuhören oder einfach nur endlich/mal wieder „Hallo“ zu den vielen lieben Gesichtern der eigenen Timeline sagen zu können.

Ähnlich ging es mir. Und obwohl ich noch kein Klassentreffen hatte (ich Jungspund, ich), wurden meine Vorstellungen und Erwartungen an ein solches vollends erfüllt. Es wurde gelacht, man hat sich freudig begrüßt und noch herziger voneinander verabschiedet. Der große Unterschied zu einem regulären Klassentreffen: Man kennt sich nicht immer vom jahrelangen Schulbankdrücken, sondern „nur“ online, so dass alles dafür angerichtet ist, um aus weak ties strong ties zu machen, wenn man denn magt. Doch dazu an anderer Stelle mehr.

Nach Berlin zu kommen ist ja ohnehin jedes Mal eine Freude, da mir die Stadt trotz ihrer schroffen Art immer wieder zuzuflüstern scheint, dass sie sich doch irgendwie über mein Erscheinen freut. Dieses Jahr hatte ich wie angedeutet darüber hinaus aber auch eine Timeline, die darauf wartete mich endlich einmal in natura kennenzulernen und umgekehrt, was die Vorfreude nur noch erhöhte.

Dass ich bereits am Sonntag in Berlin angekommen bin und die Zeit hatte den einen oder anderen Timelinerocker zu treffen und um die Häuser zu ziehen, kam mir da schon sehr gelegen, obgleich es noch lange nicht alles war, was ich mir von den folgenden Tagen erwartet hatte.

Dementsprechend lag mein diesjähriger Fokus für die drei Tage Konferenz rund um „dieses Internet“ viel weniger auf den Vorträgen und Workshops, denn auf dem Austausch mit meinen vielen Freunden und Bekannten. An diesem Punkt will ich auch ganz ehrlich sein: Dieses Jahr gab es drei, maximal vier Sessions, die ich nach Lektüre des Plans unbedingt hätte sehen wollen – und zwei davon waren Workshops, die ich wegen der Vortragenden aufgesucht habe (einzig die Session „Vom Supporter zum Reporter“ verpasst zu haben, hat mich geärgert – aber mein Alternativprogramm war dafür auch sehr fein). Der Rest, der den vielen Stimmen meiner Timeline nach durchaus gemischter Qualität war, konnte mich einfach nicht vom Hocker reißen. Hier baue ich auch auf die nachträgliche Sichtung der Videomitschnitte, um mir die Rosinen doch noch rauspicken zu können …

Denn so wichtig Netzpolitik, Verbünde und Co. für den Fortbestand des Netzes, wie wir es kennen, nein, vielleicht sogar, wie wir es gestalten können und müssen, auch sind, so sehe ich in der re:publica nur den Ort, an dem man diesen Stein anstossen kann. Das Formen und in Bahnen lenken folgt an den restlichen 362 Tagen im Jahr, die auch viel mehr Spielraum dafür lassen, als ein dicht gesteckter Terminplan. Nein, ich bin tatsächlich wegen der Menschen, die Social Media leben und für mich auch ausmachen, nach Berlin gekommen, um mich mit ihnen (fachlich) auszutauschen und den steten Dialog zu suchen, nicht wegen der Konferenz mit den Vorträgen an sich.

Ich hatte nach dem ersten Tag auf der abendlichen Fahrt durch Berlin versucht Revue passieren zu lassen, mit wem ich mich alles getroffen habe. Nach den ersten 60 Namen habe ich aufgehört … So viele liebe Menschen, die mich mit offenen Armen, leuchtenden Augen und einem Lächeln auf den Lippen begrüßt, geherzt, umarmt, gedrückt, gebusserlt oder einfach nur mit High Fives und Shakehands empfangen haben, hätte ich nie und nimmer erwartet, obwohl man doch die ganze Zeit genau darauf „hingefiebert“ hat. Am Ende der Veranstaltung habe ich gefühlt meine halbe, faktisch wohl aber mehr als ein Viertel meiner Timeline gesprochen oder wenigstens im Vorbeilaufen gesehen. So betrachtet hätten wohl auch fünf Tage re:publica nicht ausgereicht, um mit all denen zu reden, mit denen man reden wollte.

Aus diesem Grund werde ich mich auch nicht über die Veranstaltung selbst auslassen oder beschweren, wie es in den letzten Tagen so viele schon getan haben und wohl auch noch tun werden. Solange sich keiner dazu bekennt zu sagen, dass er es besser hinbekommt und dann auch tatsächlich macht, zolle ich den Organisatoren, den Speakern und den Helfern meinen höchsten Respekt, da sie es waren, die die Veranstaltung erst gewuppt haben. Wir als Besucher waren (nur) das Topping auf einem großen Eisbecher guter Laune – zumindest für mich –, der als Kirsche die unzähligen schönen Momente des munteren Beisammenseins sein Eigen nennen konnte. Ihr alle habt gezeigt, dass das Social Web mehr sein kann als ein gedankenschwerer Raum, der im Dunst der eigenen Ausführungen immer nur über sich selbst referiert, aber nie so recht aus der Hüfte kommt.

Abschließend danke ich allen, die mir die Tage in Berlin so versüßt haben, obwohl ich bei Weitem nicht jedem die Zeit widmen konnte, die ich gerne aufgebracht hätte. Dafür hätte es eines Fluxkompensators bedurft, um in der Zeit hin und her zu springen. Wir sehen uns bei Gelegenheit und holen alles nach. Da bin ich mir sicher!

[Namen zu nennen spare ich mir an dieser Stelle. Das würde einen eigenen Beitrag ergeben, so viele, wie ich aufzählen müsste. Ihr, meine Helden des Social Web, wisst schon, dass ihr gemeint seid]

3 Kommentare

  1. […] Daniel Rehn/ digitales und reales: Mein re:publica 2011-Fazit: Umarmungen, Küsse und Gespräche […]

  2. […] Daniel Rehn/ digitales und reales: Mein re:publica 2011-Fazit: Umarmungen, Küsse und Gespräche […]

  3. […] dann immer in meinen euphorischen und überschwänglichen Zeilen, wenn ich wie etwa bei der re:publica diesen Jahres oder jüngst beim Barcamp Hamburg und Mainz meine „und dann haben wir uns gesehen und sind […]

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