Vom Zynismus zerfressen

[Aus der Reihe „Was man so alles beim Entrümpeln der Entwürfe wiederfindet und immer noch für richtig befindet“]

Wir sind eine von Zynismus und Sarkasmus geprägte, ja wenn nicht gar zerfressene Gesellschaft von Spezialisten geworden, die es als ihre größte Errungenschaft sieht um sich selbst zu kreisen. Wir haben das Köcheln und Schwimmen im eigenen Sud perfektioniert, während man alle naselang fordert über den Tellerrand zu blicken, damit man sich endlich vom üblichen Einheitsgeseiere abhebe. Und das wird noch eine ganze Weile so bleiben, denn es gehört nicht zu unseren Stärken Veränderungen und Andersartigkeiten als Chance zu verstehen, solange wir nicht bereit dafür sind oder anderen diese Entwicklung nicht gönnen.

Denn jede Form des Fortschritts bedroht unseren überschaubaren Freiraum des Expertentums, wenn vormals exklusiv erworbenes Wissen zum Allgemeingut wird, das jedem zur Verfügung steht. Aus diesem Grund fällt es auch so schwer neue Prozesse durch Einzelne anstossen zu lassen, die mit ihrer eigenen Exotik aus Ehrlich- und Wahrhaftigkeit aus der Reihe tanzen und den Wandel befeuern möchten. Es heißt, es seien die Träumer, die die Welt verändern würden, da wir zu wach sind, um den Verstand zu ignorieren und Neues erfahren und wagen zu wollen – und ich denke das stimmt.

Es ist uns zueigen Dinge solange analysieren und bewerten zu wollen, bis auch der letzte Funken Zauber und Euphorie verflogen ist, nur um später sagen zu können „Ich habe es gleich gewusst“, so dass man einmal mehr als Spezialist vor den ewig gleichen Gesichtern auftreten kann, um gemeinsam über die zu spotten, die sich nicht um sich selbst drehen.

Warum das so ist? Weil wir viel leichter damit umgehen können einander auf dem gleichen Level zu halten, anstatt uns gegenseitig zu beflügeln, da die Angst abzustürzen und selber zur Zielscheibe des Spottes, der Blicke und der bösen Worte zu werden weitaus mächtiger über uns ist als die Sehnsucht nach Risiko und dem Streben nach Glück in dem was wir tun, das einem in der Folge sowieso wieder genommen werden könnte. Warum also etwas erlangen wollen, was wieder verschwinden könnte?

Das Traurige daran ist nur, dass wir selbst es sind, die uns dazu bringen so zu sein wie andere es von uns erwarten, anstatt durch unser Tun das Bild selbst zu bestimmen. Wir sind das Ergebnis dessen, was man in uns sehen wollte, und nicht das, was wir sein möchten. Und so entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass wir mit unserem Sarkasmus und Zynismus jene analysieren und beim Verglimmen betrachten, die wir unter anderen Umständen bewundern würden.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: