Warum mir Social Media im Moment keinen Spaß machen

Die letzten Tage und Wochen habe ich es mir nicht sehr einfach gemacht. Ich habe viel darüber nachgedacht was Social Media für mich sind und sein sollten, wie sie von anderen wahrgenommen und verstanden werden und was wir alle am Ende daraus und damit machen. Die Erkenntnisse, die ich dabei so auf dem Weg von einem Gedanken zum anderen gesammelt habe, sind mal mehr, mal weniger erfreulich gewesen, da sie sich nicht an Social Media koppeln lassen. Vielmehr sind es die Personen dahinter, um die ich mir schlussendlich Sorgen und Hoffnungen machen müsste. Aber das steht auf einem anderen Blatt, das ich heute nicht anrühren mag. Da bleibe ich doch lieber erst einmal bei Social Media und dem lichten Moment, der mir gezeigt hat, woran es bei mir persönlich hapert. Mir ist der pure, reine und unverfälschte Spaß daran verloren gegangen. Was mich beruhigt: Dieses Gefühl wird wieder vergehen. Denn ich kenne das, ich hab‘ das schon zwei Mal bei mir erlebt. Und zwar ebenfalls bei den Dingen, die mir schon immer ein Lächeln aufs Gesicht zaubern konnten: Fußball und Basketball.

Wie Social Media habe ich beides mit großer Leidenschaft betrieben. Erst aus Spaß an der Sache, dann mit dem Wunsch es zu verstehen, meine Fähigkeiten darin durch stetes Wiederholen im Training und darüber hinaus zu verbessern und schlussendlich im „Wettkampf“ zu erfahren, wo ich wirklich stehe. Bis ich irgendwann die Seiten wechselte. Aus dem Spieler wurde der Trainer, der sein praktisch angesammeltes Wissen mit der Lektüre von fundiert theoretischem, strategischem und taktischem Material ergänzte und im Spiel eine neue Dimension entdeckte. Wie funktioniert welcher Spielzug? Welche Bewegungsabläufe ermöglichen einfach aussehende Korbleger oder Ballannahmen? Je tiefer man einsteigt, umso mehr Spaß findet man am Vermitteln der Materie an andere. Eine gewissee Begeisterung zu lehren und anzuleiten ist dabei wirklich hilfreich. Insbesondere dann, wenn man es als Jungspund von nicht einmal 20 Jahren mit teils doch recht anstrengenden Kids im – je nach Team – Alter von elf bis 16 Jahren zu tun hat. Es ist nervenaufreibend, bereitet aber Freude, wenn man im Punktspiel dann sieht, dass das Gelehrte auch unter regulären Bedingungen greift und umgesetzt wird.

Das Problem: Wenn man erst einmal Blut geleckt und mit seinem Team gewonnen hat will man mehr. Verlieren wird zwar als natürlicher Teil des Spiels verstanden, aber es wird immer weniger zur Option, wenn man weiß, dass mit guter Vorbereitung – zuweilen auch Akribie und Detailbesessenheit – mehr drin ist. Man fängt an sich Aufzeichnungen, Berichte und Wiederholungen von Spielen anzusehen, Statistiken zu wälzen und jedes noch so kleine Informationsfitzelchen aufzunehmen. Videoanalysen im Jugendbereich sind vielleicht übertrieben, aber sich bei Profispielen die taktischen Muster und Strategien der Großen abzuschauen schadet allerdings nicht. Auf der einen Seite ist das überaus hilfreich, da man einen analytischen Blick für das Spiel entwickelt. Kleinste Verschiebungen auf dem Feld oder in der Verteidigung werden erkannt und die entsprechenden Anordnungen an die Akteure weitergegeben. Schwächen werden erkannt und, solange es dem eigenen Vorteil und der Sache dienlich ist, auch ausgenutzt. Man muss jedoch aufpassen sich nicht zu sehr darauf zu fixieren, da man sonst sehr schnell etwas Raubtierhaftes annimmt. Man lauert auf den Zug des Gegners und schlägt dann zu.

Bei mir führte und führt es in manchen Situationen soweit, dass ich – egal ob auf der Tribüne oder aber auch am Bildschirm – nicht mehr auf das Spiel als solches, sondern nur noch auf die Kleinigkeiten achte. Das große Ganze bleibt zwar stets im Blick und die Großartigkeit so manches Akteurs wird im Inneren regelrecht zelebriert, aber die Freude am Spiel geht teils verloren. Man ist zu konzentriert und sieht nur noch die Arbeit und Prozesse, die dahinter stecken, statt sich über das Ergebnis, einem guten Spiel in Gesellschaft seiner Freunde, zu freuen. Am Ende sitzt man mit einer kaum mehr gesunden stoischen Ruhe in einer überfüllten Sportsbar voller euphorischer, nicht-basketballaffiner Menschen, die jeden einzelnen Korb wie ein WM-Tor bejubeln, und denkt sich „hätte man der Flügel die Baseline einen Schritt eher zugemacht wäre der Pass nicht angekommen“, „die Defense hat gepennt“ oder aber „individueller Fehler des Guards in der Rückwärtsbewegung“ und so weiter. Es fällt weniger ins Gewicht, wenn man jemanden neben sich weiß, der ähnlich tickt, da man dann auf einer anderen Ebene „Spaß am Spiel“ hat, doch es ist ein anderes, ernsteres Vergnügen, das man alleine nur schwerlich genießen kann.

Es klingt etwas paradox, aber wenn man zu nah dran ist und zu viel über etwas weiß, dann geht der Zauber verloren. Und genau das passiert mir gerade mit Social Media. Doch wie gesagt: Es wird sich wieder ändern. Erst einmal zu erkennen, dass es der eigene Blickwinkel ist, den man ändern muss, ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

7 Kommentare

  1. „Es klingt etwas paradox, aber wenn man zu nah dran ist und zu viel über etwas weiß, dann geht der Zauber verloren. “

    Ich kenne das. Genau so. Aus der Musik zum Beispiel. Und auch in Bezug auf Social Media gingen mir kürzlich ähnliche Gedanken durch den Kopf. Danke, dass du die Worte dafür gefunden hast – und einen Ausweg aufzeigst.

  2. Ich sehe solche Phase inzwischen immer als nächsten Step auf dem Träppchen der Evolutionsstufe ^^

  3. Social Media Daniel ist, ich werde die Worte von Boris nie vergessen: „Social Media is what you make it“. Ich gestehe, bis zum „Basis Lehrgang“ der SM-Akademie im Sommer letzten Jahres wusste ich überhaupt nicht was Social Media ist.

    Um was geht es bei „Social Media? Um Beziehungen? Wer’s glaubt wird selig? Sein wir doch mal ehrlich und nennen das Kind beim Namen, Es geht um Platz „EINS“ in den Suchmaschinen. Immer mehr Menschen strömen ins Netz, kam heute Abend in den Nachrichten und da muss man, weil viele eben Erster sein wollen, verdammt viel tun für. Es gibt halt nur eine gewisse Kapazität in den vorderen Reihen.

    Als ich damals während des Lehrganges im Chat die Frage stellte ob Facebook und Twitter nicht auch eine kreative Art des Linkaufbaus sein könnte, meinte eine Kommilitonin: „Ich würde sagen ja“. Die Dozenten hüllten sich in Schweigen. Aus dem Chat ging ich so schlau wie ich reingegangen bin.

    Wer sein Kerngeschäft nicht versteht, da muss ich deinem Chef Mirco Lange mal wieder zitieren, wird auch durch Social Media nicht besser, geschweige denn reicher. Nach wie vor generieren wir mit unserer kleinen Firma, der „PC-Betreuung Walter Schwemlein“, die meisten Aufträge über persönliche Kontakte. Wir sind in Sandhofen, einem Vorort von Mannheim, ansässig. Mein Mann ist im hiesigen Gewerbeverein aktiv und wir lassen uns auf diversen Veranstaltungen blicken. Ja und so unglaubwürdig wie das für manche deiner LeserInnen auch klingen mag, viele Aufträge bekommen wir auch vor der Kirche, während eines Plauschs nach einem Sonntagsgottesdienst. „Social Media is what you make it!“😉

    Für meinen Arbeitgeber sieht es etwas anders aus. Für ihn eröffnet das Netz viele neue Möglichkeiten. 2006 hatte ich mit Hilfe meines Mannes mit einer eigenen Internetpräsenz den Grundstein gelegt. Wir haben nicht viel gemacht. Wir waren einfach nur da. Hin und wieder habe ich auf meiner privaten Homepage ein bisschen von unserem Haus erzählt oder mal an einer entsprechenden Blogparade teilgenommen. Die ersten Früchte ernteten wir 2010. Aber die Saat oder wie man heute so schön sagt, die Strategie war die des guten alten „Sender und Empfänger“ Prinzips. Im Grunde hat sich nicht viel geändert. Alle reden, aber keiner hört zu.😉

    So ganz nebenbei und eigentlich gehörts gar nicht hier zu diesem Beitrag, ich lese gerne dein „Digitales und Reales“.

    Herzliche Grüße aus Mannheim – Christa Schwemlein

  4. Ich sag nur: Musikerpolizei.

  5. Sehr schöner Beitrag, Daniel! Den Vergleich mit dem Sport kenne ich. War auch 10 Jahre Trainer im Nachwuchsbereich. Recht erfolgreich. 8 mal Training die Woche.
    Das Wichtigste ist tatsächlich nie den Spaß am Spiel, am Ganzen zu verlieren. Und dafür ist eine solche Selbstreflexion enorm wichtig.

    Und ich habe aus dieser Trainertätigkeit enorm viel mitnehmen können für alles spätere. Teambuilding. Auf Ziele hin arbeiten. Kontinuität. Und vieles mehr.
    Also: viel Erfolg im Sport! Und beim Job.🙂

  6. […] Durchhänger gehören dazu, aber dennoch … Ich war mehr als einmal am Zweifeln, ob das alles seine Richtigkeit hat. Die Überlegungen, warum dem so war, habt ihr zum Teil hier im Blog nachverfolgen können. Das, […]

  7. […] hier ihren Platz in Gedankengängen fanden. Die Freude am Destruktivismus statt Lob, Sinnsuchen, die Einordnung des Jobs für den Erhalt des Spaßes im beruflichen Leben, … Einige Dinge haben sich seitdem verändert, andere nicht, und bei einigen habe ich […]

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