Haben wir zu loben verlernt?

Eigentlich wollte ich diesen Text schon vor Monaten schreiben. Im Zuge der re:publica, als ich mich auf dem Heimweg befand, schrieb ich bereits die ersten Zeilen. Ich hatte damals so viele Beiträge gelesen, die sich mal mehr, mal weniger kritisch mit der Veranstaltung auseinandergesetzt hatten. Konstruktive Tipps kamen dabei von den wenigsten, wenn überhaupt. Viel eher hatte man mit Vorliebe auf die Organisatoren, die Themenwahl, die Benennung der Speaker, die Qualität ihrer Vorträge und Inhalte, den technischen Support, die Location und was weiß ich noch alles geschimpft, da das ja so kein Zustand sei.

Das alles hat mich damals wie heute ins Grübeln gebracht. Nun ja, im Grunde grübele ich immer wieder darüber, warum wir mit so viel Genuss verbal und in Schriftform auf andere eindreschen, anstatt aufzustehen und es gefälligst selbst besser zu machen oder einfach mal zu sagen „gut gemacht“.

Ich nehme mich dabei nicht heraus. Auch ich habe mich Anfang April während der re:publica über das ein oder andere Problem im und um den Friedrichstadtpalast herum geärgert und meinen Unmut in den ein oder anderem Tweet kund getan. Das Ganze in Zynismus und Sarkasmus zu verpacken hatte es nicht wirklich besser gemacht, da es niemandem tatsächlich half und voranbrachte. Es war in dem Moment aber einfach das naheliegendste Ventil, um mir Luft zu verschaffen, weil ich in diesem Augenblick wusste, wie begrenzt meine Möglichkeiten waren.

Und auch sonst entfährt mir in letzter Zeit immer häufiger ein Kommentar, der eigentlich nicht sein müsste. Abwertend, hochnäsig, mich in diesem oder jenem Moment für besser haltend, obwohl ich doch eigentlich ganz anders bin (wer behauptet das nicht von sich?) – oder es zumindest glaube.

Doch gerade wenn ich an diese drei wundervollen Konferenztage zurückdenke, besinne ich mich wieder auf die Umstände, unter denen all das passierte. Ich hatte für gerade einmal EUR 55,- ein Ticket zu einer der größten Konferenzen Europas zum Thema erworben und exklusive der Fahrt- und Übernachtungskosten nur noch für meine Verpflegung zu sorgen gehabt. Alles andere, alles Grundlegende, wurde vor Ort gestellt. Es gab Strom, meistens WLAN, es gab Sanitärräume, es war trocken und warm. Das, was ich an Mehr haben wollte, oblag meiner ureigenen Verantwortung, mich darum zu kümmern.

Im Grunde war es Jammern auf ganz hohem Niveau, das mir aber auch zeigte, wie gering ein Lob in einem Meer an Genörgel ins Gewicht fällt.

Vor gut einem Monat gab es eine weitere Situation, die mich fast schon ein wenig aufschrecken ließ. Wie so oft habe ich in meinen Fundstücken einen lesenswerten Artikel empfohlen. In diesem Fall ein wirklich toll geführtes Interview von Julian Grandke mit André Voigt, dem Chefredakteur der FIVE, meinem bevorzugten Basketball-Magazin in deutschen Landen. Kurz darauf meldete sich Julian in den Kommentaren und bedankte sich überschwänglich für den Verweis auf seinen Beitrag. Gleiches erlebe ich regelmäßig bei Jonathan und etwas zurückhaltender, aber nicht minder lieb gemeint, wenn sich Marie-Christine Schindler wohlwollend für eine Erwähnung meldet.

Was mich in diesen Fällen bei aller Freude über die Rückmeldung immer wieder irritiert, das ist eben dieses Maß an Überschwung, mit dem man sich über ein paar nette Zeilen freut. Für mich ist es eigentlich recht natürlich jemanden für gutes Tun und rechte Arbeit zu loben. Wenn man dann aber derlei Reaktionen damit hervorruft, dann frage ich mich, ob im Allgemeinen zu wenig gelobt wird, wenn man diese Momente fast schon rot im Kalender anzustreichen gewillt ist.

Fällt es uns wirklich so schwer einander für geleistete Arbeit mal ein Kompliment auszusprechen? Und warum ist das so?

Im Rahmen der Überlegungen, warum es immer weniger Blog-Debatten gibt und wieso bzw. ob Blogs in die Defensive gedrückt werden, hat Matthias Schwenk unter anderem aufgeführt, dass es Blogs und ihre Betreiber deswegen schwer haben sich durchzusetzen, da sie sich untereinander kaum mehr vernetzen und die (klassischen) großen Medien mit ihren Online-Ablegern nicht auf diese verlinken würden, da es ihnen schlicht und ergreifend an Akzeptanz mangle.

Es kann doch nicht wirklich der stete Drang im von Ellbogen geprägten Gerangel um irgendwelche Führungspositionen sein, der es verbietet nach links und rechts zu blicken, um anzuerkennen, dass es jemanden gibt, der auf diesem oder jenem Gebiet besser ist oder einen richtig guten Tag hat … oder etwa doch? Bricht man sich als großes Tier wie als kleiner Blogger wirklich einen Zacken aus der Krone, wenn man dem (digitalen) Gegenüber wohlwollend in Form eines Links oder Kommentars kurz zunickt und signalisiert „well done“? Ich kann und will es einfach nicht glauben.

Oder ist das einfach eine Entwicklung des über die Maßen schneller gewordenen Informationsflusses, der unaufhörlich vor sich hin brodelt und blubbert und jedem von uns kaum Zeit lässt, um sich einen ruhigen Moment des Innehaltens zu gönnen, der ein einfaches „Danke“ beinhaltet? Ich bin fast gewillt zu sagen, dass hier der Hund begraben liegt. Ich habe es mir zum Beispiel für Twitter abgewöhnt jedem ReTweet oder Follow Friday meinen Dank auszusprechen, da ich an wirklich guten Tagen mit zwei, drei echten Treffern in der Folge zu nichts anderem mehr käme. Aber macht man, mache ich es mir so nicht wieder zu leicht? Muss man vielleicht auch beim Loben zu differenzieren lernen, wann es angebracht ist und wann nicht?

Es gibt einen Sketch bei Comedian Michael Mittermeier, in dem er erklärt, warum er einem Piloten nach der Landung nicht wie alle anderen in der Maschine applaudiere: „Das ist sein verdammter Job uns heil runterzubringen!“

Ist es in einem solchen Moment, wenn jemand die von ihm erwartete und auch geforderte Leistung bringt, nur noch von relativer Bedeutung, was und wie ich etwas sage? Muss es immer erst außergewöhnlich sein, um sich ein Lob oder auch ein Danke für die Bemühungen zu verdienen? Reicht es heute nicht mehr etwas Normales zu tun, das im Kern der Sache trotzdem gut ist, da die Intention dahinter die richtige ist?

Ich mag mich nur sehr ungern mit diesem Gedanken anfreunden. Er widerstrebt mir regelrecht. Insbesondere in der Online-Kommunikation ist ein Danke so schnell getippt, ein paar liebe Zeilen des Lobes flugs verfasst, dass es keinem weh tut, sich die Zeit dafür zu nehmen. Und trotzdem tun wir es doch zu wenig, wie es scheint, wenn wir noch immer die Gelegenheit finden uns über so viele Dinge zu ärgern und uns über jedes nette Wort, das aus der Reihe tanzt, wie die Schneekönige freuen.

Bilde ich mir das nur ein? Gibt es diese Tendenz wirklich, die uns zeigt, dass wir zu loben verlernt haben? Oder habe ich da nur wieder einen ganz speziellen Blickwinkel eingenommen, der mir die wahre Sicht der Dinge versperrt?

19 Kommentare

  1. Verständliche, nachvollziehbare und leider auch berechtigte Gedanken, die du da hast Daniel. Ich habe vor kurzem selbst erfahren, wie es ist, wenn das Gegenteil eines Lobes über einen hereinbricht.😉

    Aber um dich zu beruhigen: Es gibt immer noch die Guten, die ohne Hintergedanken nette Worte äussern und mal ein Lob, Danke, oder Ähnliches schenken. Ich denke, wichtig ist, an sich selbst zu arbeiten und auf sein Verhalten zu achten, wenn jeder das macht, sollte theoretisch alles im Lot sein.

    Da fällt mir auch sofort wieder ein sehr gutes Video von Simon Sinek ein: http://vimeo.com/26774102

  2. ein Beitrag der definitiv in die Kategorie „Bitte mehr davon“ gehört🙂
    Jetzt verstehe ich auch deinen reply auf http://twitter.com/#!/blog_bleistift/status/98761085213089793

    Ich finde, man sollte wirklich öfter mal loben. Und zwar immer dann, wenn man wirklich beeindruckt war oder sich über etwas gefreut hat oder wenn man inspiriert wurde.

    Was ich garnicht mag: Leute, die sich für jeden Massen-#ff und ausnahmslos jede Erwähnung bedanken, und zwar so, dass alle ihre Follower dies lesen (müssen). Da habe ich als Follower nichts davon. Und, wie gesagt: http://twitter.com/#!/blog_bleistift/status/98761344907620353
    Auch vom Retweeten sämtlicher positiver Erwähnungen halte ich nichts.

    Ja, wir sollten mehr loben. Und nicht nur unser eigenes Ding durchziehen.

    P.S. siehe erster Satz. (Das soll ein Lob sein, ich weiß nicht ob man es erkennt)😉

  3. Gut gemacht. *g*

    Ich denke, das was Du beschreibst ist insbesondere ein Problen der „Online-Kommunikation“. Es gibt die sogenannte „soziale Entgrenzung“, bedeutet im Kern, dass im Internet soziale Grenzen schneller und leichter überschritten werden als im echten Leben. Ausschlaggebende Faktoren sind Anonymität und geringere soziale Kontrolle (bspw. kein unmittelbares Feedback in Form einer Tracht Prügel *g*). Kritik ist in vielen Fällen (oder immer?) eine Form von, freundlich ausgedrückt, „Etablierung“. Man streichelt das eigene Ego gerne, insbesondere dann, wenn wenig Konsequenz oder Gegenwind droht. Das eigene Selbstwertgefühl zu steigern während man das des anderen senkt ist aus Darwins Perspektive gesehen wahrscheinlich der Jackpot. Zu loben, anzuerkennen und die Stärken anderer Menschen zu fördern bedarf einer viel höheren Souveränität (und wahrscheinlich auch Lebenserfahrung) als das ständige „sich selbst produzieren“ indem man auf anderen herumhackt.

    Bedeutet natürlich nicht, dass Kritik nicht auch sinnvoll sein kann.😉

  4. „net gschimpft ist globt gnua“😉

    Aber kann Stillschweigen wirklich als Zustimmung gewertet werden, oder eher als „egal“, bzw. „ist mir nicht so wichtig, dass ich jetzt was kommentieren wollte“.

    Dabei freut sich jeder doch selbst über die Anerkennung, dass auch die Anstrengung gesehen wird, wenns nicht mal zu 80% geklappt hat. Reinversetzen in den Empfänger der Botschaft vor dem Abschicken kostet zwar ein paar Gedanken mehr, verändert aber einiges. Und kann zur Folge haben, dass die Botschaft so ankommt, dass sie auch angenommen wird.

  5. Also es ist mir in meinem langen Leben immer ganz leicht gefallen und ist mir dann auch immer selbst gut bekommen, wenn mir etwas gefallen hat, das mir begegnet ist, weil es schön war oder weil es mich gedanklich weiter gebracht hat, dann auch sofort zu sagen und einzubekennen: Das hat mir gefallen, Danke! Das gilt nun auch für das oben Geschriebene.

  6. genau. alles loben. auch das selbstverständliche. immer. auch wenn jemand nen „kringel“ in die schüssel gesetzt hat!

    was für ein mumpitz!

    die standards sind für viele mittlerweile zu hoch, und können nicht mehr von jedem und allen eingehalten werden. pech. und bevor er/sie/es ein zweites mal vor sich hinstümpert soll er/sie/es doch lieber gleich lassen. denn offensichtlich konnte man sich im vorfeld nicht die nötigen kenntnisse/fähigkeiten verschaffen, um beispielsweise dauerhaften zuverlässigen internet zugang auf einer web 2.0(!) konferenz sicherzustellen. (was im übrigen durch ´hinzuziehen von echten experten kein thema gewesen wäre.stattdessen darf der praktikant oder der sohn der putzfrau ein bisschen basteln)

    das sehe ich nahezu überall. mittlerweile ist ja alles total simpel, dank google und wiki macht man sich in einer halben stunde zum experten für gentechnik oder was auch immer, und löst mal schnell in der nächsten halben stunde die probleme der welt.

    sowas kann man doch nicht ernsthaft loben – oder nur, wenn man selber keine ahnung hat.

  7. Vielen Dank euch allen für eure Gedanken zu meinen Zeilen – auch und gerade für die kritischen!

    Was im ersten Ansatz wohl nicht deutlich genug rüberkommt: Loben ist (mir persönlich) wichtig, aber die Intention dafür sollte auf beiden Seiten ihre Ursachen haben. Beim Lobenden wie beim Gelobten. Anna-Lena und auch Bruno weisen beide richtigerweise daraufhin, dass man nicht „jeden Kringel in der Schüssel“ loben muss und wohl auch nicht sollte. Was mir jedoch aufstösst, ist dieses Unverhältnis zwischen ständiger Kritik (gern gesehen: fundiert und konstruktiv, gefühlter Standard: an den Haaren herbeigezogen, polemisch, plakativ, zusammengeschustert, aus persönlichem Groll/Interesse uvm.) an allem und jedem und tatsächlichem Lob.

    Anna-Lenas Beispiel mit jedem Dankeschön für eine Empfehlung via FF oder RT (inklusive RT der Empfehlung) ist für mich zum Beispiel eine Selbstbeweihräucherung, die anderen in der Timeline und darüber hinaus zeigen soll „seht her, ich wurde gelobt und empfohlen. Bin ich nicht toll?“. Lob ist in meinen Augen auch etwas sehr Persönliches, das man für sich genießen kann, da es auch einen ganz bewusst gewählten Adressaten hat. Muss das dann sein? Nicht zwingend. Aber gemäß der eigentlichen Bedeutung des Begriffs „Selbstbeweihräucherung“ ist es nun einmal ein Instant-Zusatz zur schnellen Steigerung des Wohlbefindens. Also gilt: Jedem das seine. Man muss es ja nicht mögen, wenn es einen nicht betrifft.

    Brunos Ausführungen gehen da schon einen Schritt weiter. Nicht ganz zu Unrecht, wie ich sagen muss. Nein, man muss und sollte klar erkennbares, in 30min zusammengeschustertes Herumstümpern nicht loben. Absolut nicht. Das verfehlt in der Tat den Sinn und Zweck eines Lobes. Da bringt (konstruktive) Kritik, wie Matthias schon einwarf, zweifellos mehr.

    Aber ehrliche, ernst gemeinte Anstrenung im Sinn der Sache und eigenen Möglichkeiten, das kann, darf und sollte man als Außenstehender jederzeit zu honorieren wissen, auch wenn es nicht den hohen (eigenen) Erwartungen und Standards entspricht. Werner hat das ganz gut zusammengefasst. Jemandes 80% sind vielleicht besser als jemandes 120% Einsatz, aber trotzdem sollte man beides einzuordnen wissen. Man muss diese Honoration nicht in Worte fassen, aber man sollte es im Stillen anerkennen. „Er war stets bemüht“ ist im Zeugnissprech für viele mittlerweile gleichgestellt mit „Versager“. Aber „Gutmensch“ hat ja für genauso viele in den letzten Jahren ebenfalls eher die Note „weltfremder Spinner“ erhalten, als den eigentlichen Kern dahinter zu erkennen.

    Ganz ehrlich: Wir starten nicht alle mit den gleichen Voraussetzungen in jedes neue Rennen. Da sollte man trotz allem eine ehrliche Leistung erkennen, auch wenn sie hinter dem, was man selbst geleistet hat, zurückbleibt.

    Und dann noch die stetig gestiegenen Standards. Klar, wir wollen alle nur das Beste und Tollste für uns und unsere Unternehmungen/Interessen. Aber eine 2+ ist keine 1- und eine 1- keine 1. Und warum gab es keine 1+ mit Sternchen? Hat sich da jemand etwa nicht genügend angestrengt? Oder sind unsere Erwartungen mittlerweile so hoch angesetzt, dass man sie gar nicht mehr erreichen kann? Falls aber doch jemand daher kommt, der die kaum mehr zu stemmenden Erwartungen zu erfüllen weiß, dann hacken alle sofort auf ihn ein, wie dies denn möglich sei, dass es nicht mit rechten Dingen zugehe und überhaupt und sowieso.

    Vielleicht sollten wir alle mal einen ordentlichen Zug an der Flasche Realismus nehmen und uns eingestehen, dass es vermessen ist sich selbst als Maßstab für alles zu betrachten und dabei die eigenen Versäumnisse und Momente, in denen man unter seinen Möglichkeiten blieb, ins Gesamtbild einfliessen zu lassen.

    @Bruno: Aber nur aus reinem Interesse. Wie hättest du die Infrasturktur zur re:publica in Angriff genommen, damit das WLAN permanent steht? Ganz provokant gefragt: Hättest du eventuell bei einem der großen Telekommunikationskonzerne nachgefragt, ob sie sich als exklusiver Partner freiwillig auf das Schaffott legen, wenn selbst sie bei 3.000 Besuchern mit gefühlt 7.000 Devices im Dauereinsatz innerhalb einer Netzzelle einknicken, um sich einen hausgemachten Shitstorm anzutun?

  8. Das Dumme beim öffentlichen Loben und Kritisieren ist, dass Kritik immer unterhaltsamer ist. Man kann sich in ihr wälzen, mit spitzen, bösen Worten jedes Detail beschreiben. Tut man das bei einem Lob wird es schleimerisch, langweilig, anbiedernd. Deshalb ist Kritik quantitativ häufiger vertreten als Lob. Außerdem sind kritische Situationen emotionaler: Werde ich schlecht behandelt, gehe ich an die Decke. Werde ich gut behandelt mache ich nur selten einen Vettel-Finger und renne jubelnd durch die Straßen.

    Generell also hat es das Lob immer schwerer. Trotzdem aber gibt es in Digitalien und in Klein-Bloggersdorf eine abnehmende Tendenz zum Lob. Denn früher war solch ein Lob ein Link. Eine kurze Erwähnung. Die findet heute fast nur noch auf Twitter statt – was schade ist.

  9. Du schreibst üblicherweise pointiert und verständlich (das ist ein Lob) deinen Hinweis auf meinen Namen kann ich nicht ganz verstehen (jetzt kommt eine Verständnisfrage, keine Kritik): Magst du nun meine Art von Lob oder ist sie dir etwas unangenehm? Lob ist für mich ein Zeichen von Wertschätzung, sei dies für den Menschen, den ich für eine andauernde, solide Leistung bewundere und respektiere (du darfst dich hier angesprochen fühlen) oder für einen Beitrag, den ich dann auch gerne meinen Gesprächspartnern zur Lektüre weiter gebe. Das Salz in der Suppe der Kommunikation ist das, was sich abhebt, inhaltlich wie sprachlich. Zynismus ist selten richtig am Platz, hier bei dir schon, weil wir uns schon eine Weile kennen. Ansonsten pflichte ich Thomas Knüwer bei: gute Nachrichten sind keine Nachrichten. Und mit einer kritischen Betrachtungsweise hebt sich der Absender – bewusst oder unbewusst – auf ein höheres Podest. Auch eine Art von Lob, aber dummerweise in die falsche Richtung. Ich finde Lob wichtig, aber nicht nach dem Giesskannenprinzip und es wird manchmal noch wertvoller, wenn es persönlich und nicht für die breite Öffentlichkeit sichtbar ausgesprochen wird.

    1. Oh, da verstehst du mich, glaube ich, miss. Ich mag deine Art von Lob über die Maßen, da sie so wunderbar dein, wie ich es empfinde und kennenlernen durfte, wohltuend unaufgeregtes, aber interessiertes und aufmerksames Wesen treffend wiederspiegelt. Ich fühle mich jedes Mal gleich ein paar Zentimeter größer, wenn du mich mit lobenden Worten bedenkst (ja, das geht)🙂

      Mit Blick auf deine und Thomas‘ Zeilen wird aber auch deutlich, dass der Wunsch selbst Lob zu bekommen – und sei es auf Basis einer unterhaltenden Kritik und somit auch Kosten anderer – eine Triebfeder zu sein scheint, die es guten Nachrichten und Worten schwer macht ihren rechten Platz erkämpfen zu können. Und das finde ich mehr als schade, da es in meinen Augen ein falsches Signal darstellt. Wie du schon sagtest, es ist Lob in die falsche Richtung.

  10. Vieles was im Social Web geschrieben wird, geschieht auf freiwilliger Basis und der Lohn dafür ist die Anerkennung. Wenn wir also mehr wirklich gute Inhalte lesen wollen, für die sich die Schreiber wirklich Zeit genommen haben, dann sollten wir das auch entsprechend verdanken, da bin ich mit dir einig. Dir sage ich aber lieber als konstante wertvolle Quelle sporadisch danke, statt dies unter jeden einzelnen Beitrag zu schreiben. Oft lese ich Beiträge bei denen ich anerkennend nicke, aber mal zwischendurch meinen Senf weg lasse😉. Für den Schreiber ist es dann zuweilen schwierig zu erkennen, wie er bei der schweigenden Mehrheit ankommt. Letztlich ist es also ein Gesamtmix an Austausch auf allen Kanälen, die zum Gefühl der Befriedigung und zum Wissen, ein gern gehörter Teil des Ganzen zu sein, beitragen (ufff, was für eins Satz). Also, Daniel, mach weiter so, achte aber auch auf deine Work-Life-Balance.

  11. Ein paar Gedanken zu einigen Begriffen, die hier fielen. Zum medientypischen Verständnis schreibe ich nichts mehr, da schließe ich mich Thomas und Marie-Christine an.

    Sicherlich ist Lob als Geste ganz nett. Dieser Zuspruch dient mehr einer Beziehung zwischen zwei Menschen als einer Sache. Er mag ehrlich sein oder einer strategischen Absicht unterliegen. Kritik hingegen sollte sachlich begründet sein. Sie kann positiv oder negativ sein. Mitunter kann ein Verriss angebrachter sein als bloße Lobhudelei. Beide können sogar eigene Kunstformen werden. Weder Lob um des Lobes willen noch ein Verriss um des Verrisses wegen sind ihre Sache wert.

    Dank kann sowohl eine Geste sein (Beziehung!) als auch eine metaphysische Ebene haben. Als metaphysische Ebene ist Dank eine Antwort auf die Frage, warum du dein Leben annimmst. Ja zu deinem Leben sagst. Der mag bei dem einen bewusster sein, bei anderen irgendwie gewohnheitsmäßig ablaufen.

    Wenn ich deine letzten Blogposts lese drängt sich ein gemeinsamer Nenner auf: Es dreht sich immer um Motivation von außen. Auch die braucht jeder von uns einmal von Zeit zu Zeit. Ist menschlich. Ich will daraus keine Kritik ableiten.

  12. „Eigentlich bin ich ja ganz anders, ich komm nur so selten dazu.“😉

    In der Tat stelle auch ich persönlich im Allgemeinen eine gewisse Tendenz fest, dass sehr offensiv, zum Teil sogar aggressiv kritisiert wird. Die Neigung zur Besserwisserei paart sich mit einem Grundton, als ob nur noch die gehört werden, die sich nicht nur möglichst schnell, sondern auch noch möglichst lautstark äussern.

    Dabei wird oft vergessen, dass die halbe Miete niemanden wirklich weiterbringt. Und um die andere Hälfte der Konstruktivität zu bedienen, müsste man sich ja intensiv mit den Dingen auseinandersetzen und reflektieren. Viel zu anstrengend!

    Ebenso die positiven Dinge zu sehen, die förderungswürdig sind und Ansätze bieten, um darauf aufzubauen. Jemandem gewissermaßen die Hand zu reichen, ob er sie denn (an)nimmt oder nicht, um sich vielleicht auch in der Auseinandersetzung GEMEINSAM weiterzuentwickeln verlangt
    a) die Einsicht, dass man selbst möglicherweise mit der Kritik auch nicht 100 %ig richtig liegt und/oder dass man nicht alle Fakten bedacht hat und
    b) dass man sich über die Frage „Was hab ich denn davon?“
    hinwegsetzt.

    Vielleicht gibt es auch deshalb in der Blogwelt nicht mehr die Vernetzung und den starken Zusammenhalt, der diese Szene eine zeitlang gekennzeichnet hat. In der zunehmenden Bevölkerung dieser Welt kämpfen viele vermehrt für sich alleine, um Anerkennung, um Aufmerksamkeit, um aus dem Meer vieler herauszustechen und sich von der Masse abzusetzen. Möglicherweise führt auch die „falsche“ Nutzung einer Vielzahl von Kommunikationskanälen wie Twitter, Facebook, google+, etc. zu einer Diversifizierung, anstatt die Kraft dieser Kanäle für die eigene bzw gemeinsame Kommunikation zu bündeln.

    Um also im o.g. Sinne konstruktiv zu sein, sollte man vielleicht wieder stärker aufeinander zu gehen, miteinander arbeiten, Interessen und Ziele bündeln. Und vielleicht sollte ich damit anfangen und mal einen eigenen Blog bauen, um dort auf einen interessanten Artikel wie diesen zu antworten, anstatt das „nur“ hier zu kommentieren. Spread the Word😉

    Kontakt gerne über Facebook. Konstruktiv und so.

  13. […] sind gravierender. Wenn ich die fb-Likes und die Herzen bei Instagram zähle, dann haben wir nicht zu loben verlernt. Wir loben im Übermaß und solange es bequem mit Mausklick geht. Hier trauere ich dem Zauber der […]

  14. Lieber Daniel,
    dieses Phänomen des „Jammerns auf hohem Niveau“ kenne ich zu gut. Da wird zu Beginn von Veranstaltungen erstmal gewitzelt, Befindlichkeiten ausgetauscht. Jeder muss sofort technische oder organisatorische Mängel aussprechen, die sowieso offensichtlich sind.
    Selten kommt aber mal einer auf die Idee, hilfreich mit anzupacken und bei der Beseitung solch (meist kleiner) Probleme zu helfen.

    Viele Menschen haben eine hohe Anspruchshaltung, selbst wenn sie nichts bezahlen für das, was sie bekommen. Sie benehmen sich wie Konsumenten in Reinkultur, sehen sich kaum verantwortlich zum Gelingen von Veranstaltungen beizutragen. „Ist ja von den Anderen organisiert, ich „kaufe“ das, bin Kunde, die können froh sein, dass ich dabei bin.“

    Vielleicht zeigt sich hier ein generelles Problem, das aus der zurzeit praktizierten Marktwirtschaft resultiert: einerseits lässt das Servicedenken immer mehr nach bzw. haben viele Firmen Probleme, vom reinen Produzieren und Verkaufen zu einer kundenorientierten Haltung zu kommen. Andererseits sehen Kunden sich zunehmend schlecht behandelt, manipuliert, übergangen und sollen immer höhere Preise bezahlen ohne als Individuum mit eigenen Wünschen wahrgenommen zu werden.

    Natürlich sollte sich diese Diskrepanz nicht dort manifestieren, wo Menschen sich wirklich Mühe geben, Innovatives und Interessantes anzubieten. Aber wie ändert man solche Grundhaltungen?

    Andrea

  15. […] Laut einer Studie wird der Mensch durch Google und Wikipedia dümmer. Das externe Gedächtnis. Andere treiben die Entgrenzungs-Sau durch’s Dorf. Es gibt die sogenannte „soziale Entgrenzung“, bedeutet im Kern, dass im Internet soziale Grenzen schneller und leichter überschritten werden als im echten Leben. (Daniel Rehn) […]

  16. […] Eigentlich wollte ich diesen Text schon vor Monaten schreiben. Im Zuge der re:publica, als ich mich auf dem Heimweg befand, schrieb ich bereits die ersten Zeilen. Ich hatte damals so viele Beiträge gelesen, die sich mal mehr, mal weniger kritisch mit der Veranstaltung auseinandergesetzt hatten. Konstruktive Tipps kamen dabei von den wenigsten, wenn überhaupt. Viel eher hatte man mit Vorliebe auf die Organisatoren, die Themenwahl, die Benennung de … Read More […]

  17. […] Tuns und Verhaltens, die mich umtrieben und auch hier ihren Platz in Gedankengängen fanden. Die Freude am Destruktivismus statt Lob, Sinnsuchen, die Einordnung des Jobs für den Erhalt des Spaßes im beruflichen Leben, … […]

  18. […] Tuns und Verhaltens, die mich umtrieben und auch hier ihren Platz in Gedankengängen fanden. Die Freude am Destruktivismus statt Lob, Sinnsuchen, die Einordnung des Jobs für den Erhalt des Spaßes im beruflichen Leben, … […]

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