Blogparade: Der Arbeitsplatz der Zukunft

Nachdem ich vor ein paar Wochen bereits den Teaser zur Blogparade von Bianca Gade setzte, komme ich heute noch auf den letzten Drücker mit meinem Beitrag um die Ecke. Denn die Frage, wie der Arbeitsplatz der Zukunft, mein Arbeitsplatz, aussehen könnte, treibt mich nicht erst seit der wiederholten Lektüre von Markus Albers „Meconomy“ um.

Da es mir unter den zeitlichen Umständen jedoch etwas an Kreativität mangelt, um einen elegant formulierten Text aus dem Hut zu zaubern, werde ich mich an den Fragen orientieren, die Bianca – aus jetziger Sicht mehr als dankenswerter Weise – zur Verfügung gestellt hat. So, here we go:

Als was und wie arbeite ich derzeit?

Aktuell bin ich strategischer Berater für Social Media in einer Agentur in München. So steht es zumindest auf meinem Arbeitsvertrag. Inoffiziell bin ich Troubleshooter, Querdenker, Community Manager, Produktentwickler und nebenbei 24/7-Kommunikator für alles, was das Social Web und partiell auch Old School-Kommunikation betrifft. Und ja, klassische PR ist auch dabei. Das klärt zumindest das „was“. Das „wie“ ist im Gegensatz dazu sehr konventionell gehalten. Zu festen Kernzeiten von 9.30 bis 17.30 Uhr erwarten mich meine Kollegen (elf an der Zahl am hiesigen Standort) und am Platz im Büro Rechner, Flatscreen und Firmennetzwerk auf mich, dazu viel Platz für Unterlagen, den ich mal mehr, mal weniger effektiv nutze, aber zumindest geordnet zu halten versuche.

Die größten Gimmicks: die großen Fenster mit Blick auf den Polizeischulsportplatz und der Pool auf dem Geländekomplex, der zwar nicht zwingend zum Arbeitsplatz gehört, mir aber das Leben erleichtert, wenn ich morgens keine Zeit fand Laufen zu gehen. Andere essen in der Mittagspause, ich ziehe meine Bahnen. Jedem das seine also … Für mich sind es kleine „Fluchtmöglichkeiten“, wenn ich zwischenzeitlich abschalten möchte.

Mit welchen Werkzeugen kommuniziere ich mit meinen Kollegen/Kolleginnen – oder möchte ich künftig kommunizieren?

Zu den Kommunikationstools gehört ganz klassisch der Austausch per E-Mail, das Firmennetzwerk und – noch klassischer – der Gang zum Kollegen am anderen Ende des Raums. Face to Face, wie man auf Neudeutsch wohl sagen würde. Wahlweise auch das Telefon und an ganz tollen Tagen ein Rufen quer durch die Räumlichkeiten, was impliziert, dass ich tatsächlich in einem Großraumbüro arbeite, wenn man die Loft-artigen Agenturverhältnisse so bezeichnen mag. Alternativ gesellen sich noch Skype, Twitter und eine eigens eingerichtete Facebook-Gruppe dazu, die jedoch mehr schlecht als recht ihren Sinn und Zweck erfüllt. Die Adaption dieses Tools hat noch nicht ganz geklappt und wird wohl noch eine Weile bedürfen.

Nichts desto trotz trifft die Auswahl der Tools bereits meinen Geschmack, auch wenn ich wie angedeutet noch enormes Potential sehe, um die Nutzung wirklich für alle Seiten effizient nutzen zu können. Der Werkzeugkasten ist bereits gut zusammengestellt, doch das Handling ist noch nicht bei allen mit den gleichen Versiertheiten vorhanden. Aber das kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht verlangen. So, wie meine Zauberkünste für das Web und Photoshop funktionieren, lassen mich andere immer noch mit meinem Erzfeind Excel alt aussehen … Der große Traum bleibt trotzdem eine Kommunikation, die unabhängig vom Medium ist, dafür aber die Nachricht angemessen transportiert. Denn ebenso, wie man die Massenrundmails mit der Frage nach dem Mittagessen oder dem neuesten lustigen Sketch aus dem Web in die Spam-Hölle verbannen mag, gehört nicht jede Frage, die „unter vier Augen“ bleiben sollte in die Facebook-Gruppe. Das setzt eine Lernphase aller voraus, die ihrer Zeit bedarf. Jeder hat einen anderen Wissensstand und nicht jeder sog die neuen Tools so begierig auf wie ich Jungspund. Dass es aber auch anders geht, sehe ich in meinen weiteren Projekten außerhalb der Arbeit (#digisport organisiert sich hervorragend über eine Gruppe auf Facebook, im Studium waren Wegwerf-Wikis bei Google pures Gold, …). Ich bin also guter Hoffnung, dass die Zusammenarbeit irgendwann auch über diese Dienste greift.

Was motiviert mich an meiner Arbeit – was würde mich mehr motivieren?

Was mich motiviert? Die Abwechslung. Die Herausforderung, jeden Tag Neues auf dem Tisch liegen zu haben. Die Chancen, die mir immer wieder aufs Neue geboten werden, um mich zu beweisen. Was mich mehr motivieren würde? Die Zeit zu finden, um über das, was man tut, nicht erst Tage und Wochen später reflektieren zu können. Es ist vielleicht etwas paradox sich über die Schnelllebigkeit des Geschäfts zu beschweren, wenn man sich gerade das so ausgesucht hat, aber zuweilen wäre es tatsächlich nett einfach mal ohne Schweißperlen auf der Stirn „läuft“ sagen zu können.

Das klingt jetzt natürlich dramatischer, als es ist, aber ich bin ein großer Freund von Feedbackrunden, die sich nicht nur mit dem Problem und seiner Lösung, sondern auch später mit dem beschrittenen Lösungsweg auseinandersetzen – und zwar gemeinsam. Jeden sein eigenes Erkenntnissüppchen kochen zu lassen ist individuell betrachtet vielleicht ganz hilfreich, aber für die Gruppe, die vom Wissen und der Erfahrung aller profitieren könnte, ist das kontraproduktiv.

Was erleichtert mir mein Arbeitsleben bei Projekten – oder würde mir erleichtern?

An erster Stelle: ich. Dicht gefolgt von meinen Kollegen. Und die ausreichende Zeit zu haben. In beiden Fällen. Kritisch betrachtet stehe ich mir zuweilen selbst im Weg, um den direkten Weg gehen zu können. Das Deligieren von Aufgaben ist eine Kunst, die ich immer noch zu erlernen versuche. Das kann von meinem fehlgeleiteten Perfektionismus kommen, da ich selten mit meiner Arbeit komplett zufrieden bin, meine Maßstäbe aber auch sinnigerweise nicht 1:1 auf andere übertragen kann und will. Gerade bei Projekten, die eine gewisse Komplexität mitbringen.

Wenn die Kollegen dann parallel zu einem Projekt noch in weiteren Kundenaufträgen stecken, die ebenfalls ihre ganz eigene Prioritäten mitbringen, wird die Projektorganisation und das -management eine Jonglage, die oftmals komplizierter wird, als nötig. Die richtigen Prozesse aufeinander abzustimmen wäre eine enorme Erleichterung …

Was läuft an meinem Arbeitsplatz an Prozessen gut aber was könnte sich trotzdem verbessern? Und wie und warum?

… womit wir auch bei dieser Frage wären. Es gibt bei meinen Kollegen und mir eine Vielzahl an Prozessen, die zwar allesamt bekannt sind, auf Grund der zeitlichen Komponente jedoch allzu oft abgekürzt und neu interpretiert werden müssen, um zum gewünschten Erfolg zu kommen. Das ist zugleich unser größtes As wie auch Last, da sich Teams innerhalb der Konstrukte ideal aufeinander einstellen können, bei „Ausreißern“ aber ins Stocken geraten. Prozesse zu finden, die es jedem sofort ermöglichen einsteigen zu können.

Wahrscheinlich ist es einfach der schwierigen Zwischengröße der Agentur geschuldet, dass sich keine einheitlichen Prozesse für alle auf einen Nenner bringen lassen. Zu groß, um die Eigenverantwortlichkeiten unkoordiniert laufen zu lassen, aber auch zu klein, um einen eigenen Prozessoptimierer an Bord zu haben, der sich jeden Tag genau damit auseinandersetzt … Es entbehrt nicht gerade einer gewissen Ironie, dass die Freiheiten, die man genießt, zuweilen eher Problem als Hilfe sein können, wenn es um Strukturelles geht.

Möchte ich künftig Beruf und Freizeit weiterhin trennen oder kann ich es heutzutage schon gar nicht mehr?

Ich habe vor einiger Zeit in einem Interview mit dem geschätzten Kai Fischer gesagt, dass ich nicht an eine Work-Life-Balance glaube. Entweder, man hat Spaß an dem, was man tut, oder nicht. Dazwischen gibt es für mich nicht viel. Solange man mit einer gewissen Freude an die Dinge geht und auch den Sinn dahinter erkennen kann, lassen sich auch weniger geliebte Aufgaben erledigen, egal ob im Job oder im Privaten. Man hat nur ein Leben, warum also nur das tun, was man absolut nicht will? Wenn es passt, dann läuft alles einfach. Man gerät in einen Flow, der dich trägt, so dass selbst Überstunden nicht schmerzen. Jedoch, und das möchte ich betonen, sollte man auch darauf achten, dass der Flow/Spaß nicht einzig im Büro stattfindet. Manchmal muss man auch einfach mal Stifte und Projektunterlagen zur Seite legen und sagen „das war’s für heute“. Diese Lektion habe ich mittlerweile gelernt.

Was ich mir wirklich wünsche …

… ist eine stärkere Förderung und Anerkennung der Flexibilität. Gewiss, im Moment genieße ich enorm viele Freiheiten, was Arbeitszeiten und Ressourcen für weitere Projekte angeht. Aber die Tatsache, dass man trotz aller Möglichkeiten des Arbeitens von überall noch so oft an einen fixen Arbeitsplatz gebunden wird, entspricht nicht unbedingt meiner Mentalität. Gute Ideen kommen sicher nicht allein dadurch, dass man permanent am Schreibtisch sitzt. Ebenso wenig, wie die Inspiration am Strand oder im Café wartet. Aber die Optionen, die sich mit den technischen Gegebenheiten auftun, sehe ich an meinem jetzigen Arbeitsplatz noch nicht voll ausgeschöpft. Smartphone, Tablet, Laptop, Co-Workingspace, Home Office … es ist doch alles da, was man braucht, aber doch nie vollständig nutzen kann.

Denn so selbstverständlich, wie es für alle ist, dass man auf dem Weg zum oder vom Kunden seine E-Mails checkt, Korrespondenz betreibt und erreichbar ist, so schräg wird man doch angeschaut, wenn man an einem normalen Werktag nicht am Platz sitzt. Viele Arbeiten lassen sich unabhängig vom Aufenthaltsort erledigen, aber dennoch beharrt man auf die Anwesenheit am Platz. Doch wofür? Um sich mit dem Kollegen auszutauschen, der genauso gut Fragen per Mail, Telefon oder Direct Message schicken könnte? Es ist eine Frage des Vertrauens durch Kollegen und Chef, ob man seine Arbeit gut ausführt oder nicht. Darauf zu bestehen, dass dies an einem fixen Ort – und unter Beobachtung der anderen, die ja auch da sein müssen und ein Auge auf den jeweils anderen haben – geschehen muss, spricht meiner Meinung nach nur selten dafür. Für mich ist das ein Paradoxon, das sich mir noch nicht erschlossen hat und so bald wohl auch nicht mehr wird.

Aber, und hier komme ich wieder auf Markus Albers zurück, einfach und ungezwungen „morgen komm‘ ich später rein“ sagen zu können, ohne einem Druck der Konventionen unterlegen zu sein, ist ein Ziel, dem ich mich mehr und mehr anzunähern versuche. Zuweilen gelingt dies schon ganz gut, aber von meinem Arbeitsplatz der Zukunft bin ich noch ein gutes Stück entfernt.


Auf die Zeilen zurückblickend merke ich, dass ich sehr viel mehr über die Gegenwart, denn die Zukunft des Arbeitsplatzes geschrieben habe. Das war vielleicht nicht zwingend das Ziel der Blogparade, aber die Gelegenheit zum Reflektieren genutzt zu haben, war es schon wert teilzunehmen. Danke dafür, Bianca!

3 Kommentare

  1. […] explizit auffordert, die Geräte in der Freizeit auszuschalten.Das war’s für heuteDaniel Rehn ist Online-Journalist und arbeitet im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Online-PR. «Morgen komm […]

  2. […] ist mein neuer Liebling. Trifft er doch einen wunden Punkt, den ich schon in meinen Ausführungen zum Arbeitsplatz der Zukunft […]

  3. […] Teilnahme. Ergebnis. Das E-Book zu Bianca Gades Blogparade über den Arbeitsplatz der Zukunft ist letzte […]

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