Social lernt es sich besser, oder nicht? – Blogparade zu Social Learning

Julian wollte es mal wieder genau wissen. Was hat es eigentlich mit Social Learning auf sich? Und wie funktioniert das? Und überhaupt und sowieso. Also fragte er bei Cornelie Picht nach, was sie als Expertin dazu zu sagen hätte. Es war schon viel, aber wirklich zufrieden waren beide mit den aufgeworfenen Fragen und bisherigen Antworten noch nicht. Viel eher waren nun beide angestachelt richtig nachhaken zu wollen. Also startete man flugs eine Blogparade zum Thema Social Learning.

Da Julian mich ebenfalls ganz direkt um eine Meinung bat, möchte ich dem nun nicht nachstehen, stehe aber auch unter Zugzwang. Zum einen, weil er und Cornelie extra für David und mich die Deadline auf den 31.10. verschoben haben und uns dann nochmals einen Tag Aufschub gewährten. Zum anderen, weil ich aus dem weiten Feld „Lernen“ im Sinne des Lernens an Bildungseinrichtungen und Co. schon wieder relativ draußen bin, obwohl ich doch „erst“ im Sommer 2010 mein Diplom einkassiert habe.

So, und da stehe ich nun bzw. sitze vor dem Rechner und versuche krampfhaft zusammenzuführen, was Social Learning bedeutet. Ich bin kein Fachmann und bei meiner Abneigung gegenüber der Tatsache auch nur für irgendwas als Experte bezeichnet zu werden (ich habe viel Expertise durch ständiges Ausprobieren, Gucken, Fragen und Dazulernen, ja, aber Experte …? Nee, bleib mir weg mit Titeln), gepaart mit einer ersten Ideenlosigkeit tue ich das, was auch in der Schule wie auch im restlichen Leben immer funktioniert und von David erst jüngst thematisiert wurde: Ich schaue mir mal an, was die anderen so geschrieben haben und wie die das machen. Wer die Liste der gesammelten Beiträge später sieht, der wird erkennen, dass das eine ganze Menge ist.

Was verstehe ich unter Social Learning?

Aber bereits hier merke ich bereits, dass eben das auch eine Definition von Social Learning ist – zumindest für mich. Anderen in „die Karten gucken zu können“, ohne dass sie sich ausgenutzt fühlen. Eben weil sie ganz bewusst Wissen, Erfahrungen und Einschätzungen mit anderen teilen wollen. Dabei muss es noch nicht einmal eine Rolle spielen, ob man denjenigen, den man mit ausgearbeiteten Lerninhalten und Lehrstoff versorgt persönlich kennt oder nicht. Schließlich bedeutet „social“ viel mehr „gemeinsam“, denn „sozial“ oder sonstwas. Beim Social Learning geht es für mich um das gemeinsame Lernen, das Teilen von Wissen und die Unabhängigkeit von Raum, Zeit und Stoffumfang, solange die geteilten Inhalte der Erweiterung des Wissensschatzes des „Lernpartners“ dienen.

Welche Tools und Methoden haben mich begeistert? (beim Lernen, in der Lehre, im Training)

Diese Ansichten habe ich mir bereits/schon/noch im Studium angeeignet. Die Tools und Methoden, die ich dafür brauchte und nutzte, waren hingegen immer wieder wechselnd. Abgeschlossene Lernsysteme und Foren, wie sie uns von Seiten der Hochschule zur Verfügung gestellt wurden, Google Pages als „Wegwerf-Wiki“ zur Organisation von Wissen sowie Google Docs zum kollaborativen Wirken in der Gruppe oder aber Social Media wie Twitter für den unmittelbaren Austausch, sie alle haben ihren Zweck erfüllt und wurden entsprechend genutzt. Meine Güte, wir haben damals sogar noch auf StudiVZ Lerngruppen genutzt, die eher Aufbauseminaren zum Stärken der Psyche der Kommilitonen diente. Aber hey, auch das kann ein Lernerfolg sein.
Was mir damals (sprich schon zu Schulzeiten – zu Hülf, ich fühle mich alt!) wie heute aber am besten hilft, ist Lernen durch Lehren. Anderen zu erklären, wie dieses oder jenes funktioniert, hilft mir nach wie vor am ehesten Dinge für mich zu erschließen. Und da ich mir seit dem zweiten Semester regelmäßig anhören durfte, dass ich einen ausgezeichneten Referenten/Lehrer abgeben würde und eine akademische Laufbahn anstreben sollte, kann ich davon ausgehen, dass meine „Schützlinge“ auch das nötige Wissen mitnahmen. Kleine, bittere Anekdote: im Fachabi den Mitschülern Kurvendiskussionen beibringen und dann in der Arbeit schlechter als sie abschneiden😀

Wie sieht meine ideale persönliche Lernumgebung aus? (bezogen auf Tools, Community, Art der Zusammenarbeit)

Die perfekte Lernumgebung habe ich bislang noch nicht gefunden, da ich immer noch zu gerne ausprobiere. Wichtig ist mir jedoch ein Miteinander, was das Social Learning betrifft, was auch wieder auf meinem Verständnis dessen basiert. Wissen zu horten und nur von anderen abzuziehen, sollte für niemanden in einer Lerngruppe, aber auch als Alleinlerner, eine Option sein. Das ist ein veraltetes Modell, dem ich nichts mehr abgewinnen kann. Dinge, die es wert sind geteilt und anderen zur Verfügung gestellt zu werden, damit alle davon profitieren können, sollten auch diesen Weg gehen.

Wie weit ist ein Mentalitätswandel hin zu kooperativem Lernen im Netz schon verwirklicht? (Im persönlichen Bereich, im Unternehmen, im Hochschulbereich)

Wie weit dieser Mentalitätswandel bereits vorangeschritten ist, das kann ich im Allgemeinen nicht beantworten, da ich trotz meiner Umtriebigkeit nur einen Bruchteil dessen gesehen habe, was im (deutschsprachigen) Netz so als Lernlandschaft verstanden werden könnte. Ich stelle jedoch immer öfter fest, dass der Gedanke des gemeinsamen Erreichens von Zielen stärker ausgeprägt ist, als noch vor ein, zwei Jahren. Ganz unabhängig davon, ob das jetzt im akademischen, beruflichen oder persönlichen Bereich stattfindet. Gewiss, das hat sowohl damit zu tun, dass ich mich mit Gleichgesinnten umgebe, die ein ähnliches Wertesystem teilen, aber auch in der Breite ist eine Abkehr von ehemaligen Denkmustern zu erkennen, die das Miteinander stärker in den Mittelpunkt rücken, damit alle profitieren können.

Wie könnte/sollte sich Social Learning in den nächsten Jahren entwickeln?

Meine Erfahrungswerte, die ich im Studium wie auch im Job sammeln konnte, bestätigen die Beobachtungen, zeigen aber auch, dass es noch ein weiter Weg ist, bis man den „Social“-Ansatz durchgängig findet. Aber ich sehe keine wirklichen Hindernisse, die ein Fortschreiten dieser „Gemeinsam kriegen wir vieles leichter und besser hin, wenn jeder seine Stärken einbringt“-Haltung, wie sie das Social Learning für den Wissensaustausch beschreibt, aufhalten könnte. Das kollaborative Denken ist bei den Digital Natives/Immigrants durch die „Sharing is caring“-Devise, die sie als Netzkultur auch für ihr „Offline“-Leben adaptiert haben, zu einer Selbstverständlichkeit geworden.

Es bleibt schlussendlich einzig eine Frage der persönlichen Haltung und Einstellung eines jeden Einzelnen gegenüber diesen Mustern, ob man sich als Teamspieler sieht bzw. überhaupt dazu taugt oder lieber als Loner sein eigenes Ding durchzieht und ebenfalls zu guten Ergebnissen kommt.

2 Kommentare

  1. […] Julians Ideen oft sehr spannend finde und mich Daniel wieder einmal mit reingezogen hat (und jetzt seinen eigenen Beitrag auch online hat), stehe ich wohl unter Zugzwang. Wobei mich das Thema auch interessiert, selbst […]

  2. […] das generell auf das Lernen im Internet bzw. mit Social Media Tools beziehen muss. Daniel Rehn hat in seinem Artikel hierzu einen interessanten Ansatz, der mich sehr zum Nachdenken anregte: Schließlich bedeutet […]

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