Change! Change? Change.

Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen und die Rückblicke im TV wie auch Web nehmen wieder Überhand. Ich habe kurz überlegt, ob ich in diesen Singsang einsteige oder nicht, um mich dann doch lieber für einen kleinen Ausblick zu entscheiden. Ein Ausblick, der ganz direkt mit meinem beruflichen Tun zusammenhängt.

Die letzten Wochen und Monate waren für mich sehr aufregend und spannend, da mir, obgleich ich nicht offenkundig suchte oder im Vorfeld den Gedanken verfolgte, diverse sehr gute Angebote gemacht wurden, ob ich mich nicht anderweitig in einer neuen Agentur einbringen möchte. Wären wir hier bei „Der Pate“, man hätte bei der einen oder anderen Offerte durchaus von einem Angebot sprechen können, das ich nicht ausschlagen könnte.

Die Frage nach dem Warum und das Bauchgefühl

Da ich Anfang dieser Woche aber meinen Vertrag verlängert habe und diesen in einen unbefristeten habe umwandeln lassen, habe ich eben das getan. Aber warum?

Ich will ehrlich sein: In diesen letzten sieben, acht Wochen habe ich mir den Gedanken, ob es woanders (noch) besser sein könnte, x-fach durch den Kopf gehen lassen und mich auch mit meinen engsten Vertrauten mehrfach darüber ausgetauscht. Ein paar haben versucht mir sachdienliche Ratschläge zu geben. Ein paar andere haben mich gefragt, was ich denn eigentlich wolle … Es waren allesamt Ansätze, die mich nachdenklich gestimmt haben, mich haben vergleichen lassen, was ich just habe und kriegen könnte. Wie gesagt, die Angebote, die mir gemacht wurden, waren allesamt verlockend und sind es nach wie vor.

Aber so sehr der Kopf auch versuchte den Takt vorzugeben, das Bauchgefühl hat nicht gestimmt, um meine Zelte hier abzubrechen. Stadt, Kollegen, Freunde, … es waren weitere Faktoren, die eine Rolle spielten, aber primär natürlich nichts mit den Jobangeboten an sich zu tun hatten. Denn nüchtern betrachtet geht es nur darum: Um den Job.

Klar, so viel Spaß, wie ich aktuell habe und mir auch selbst über meine Aufgaben mit meinem Team erschaffe, so viel Stirnrunzeln und auch Kopfschütteln verlangt mir mein Tun hier zuweilen ab. Jeder, der in einer Agentur arbeitet oder gearbeitet hat, kann das nachvollziehen und bestätigen. Nirgends ist alles eitel Sonnenschein und ebenso wenig Dauerregen, auch wenn jeder weiß, dass es fast immer anders laufen könnte.

Ursache für Veränderungen werden

Schon seit gefühlten Ewigkeiten sprechen alle von Veränderungen, die bei Agenturen einsetzen müssen, um nicht nur fachlich, sondern auch menschlich noch Schritt zu halten und den Angestellten/Mitarbeitern das Leben so angenehm wie möglich zu gestalten, damit diese sich voll und ganz entfalten können. Ich teile diese Ansichten, aber ich weiß auch, dass es sich nur um eine Seite der Medaille handelt.

In all den Gesprächen, die ich führte, wurde mir auch klar, dass Veränderung nicht immer nur von außen geschehen kann. Es liegt auch an mir selbst Dinge zu verändern, Prozesse in Gang zu setzen und Bewegung reinzubringen. Kurzum: Ursache zu werden und zu sein, statt nur Wirkung.

Um noch ehrlicher zu sein: Auch mit Blick auf meine Sinnkrise Mitte des Jahres habe ich mehr als einmal nicht täglich das Optimum herausgeholt. Sicher, nicht jeder dreht 24/7 auf 110 Prozent und Durchhänger gehören dazu, aber dennoch … Ich war mehr als einmal am Zweifeln, ob das alles seine Richtigkeit hat. Die Überlegungen, warum dem so war, habt ihr zum Teil hier im Blog nachverfolgen können. Das, was ich nicht geschrieben habe, bleibt aber auch vorerst in meinem Kopf.

Auf der anderen Seite meint so mancher sogar, ich hätte noch nicht einmal wirklich an meinem eigentlichen Potential gekratzt. Ob dem wirklich so ist, das sollen andere entscheiden. Ich selbst will mir darüber keine Gedanken machen. Ich bin demütig genug, um zu wissen, dass es noch wesentlich besser geht und ich noch extrem viel zu lernen habe, aber auch realistisch genug, um einzuordnen, wo ich stehe und was ich mittlerweile alles kann.

Die Antwort: Es versucht haben

Und so kam ich auch zu meiner Entscheidung bis auf Weiteres zu bleiben, um dem Gefühl hier „nicht fertig“ geworden zu sein entgegenzutreten. Ich traue mir zu, dass ich hier noch etwas erreichen und vor allem verändern kann. Nicht nur, um etwas von dem zurückzugeben, was ich bislang erhalten habe, sondern auch, um die Zukunft hier mitgestalten zu können.

Sollte ich mich täuschen, so wäre auch das eine Lehre, die ich daraus ziehen kann. Doch selbst, wenn es so kommen sollte, kann ich immer noch sagen: Ich habe es versucht.


Ich möchte an dieser Stelle bewusst keine Namen nennen. Aber da ich weiß, dass einige von ihnen hier mitlesen, möchte ich mich bei allen für ihr Interesse, ihre Großzügigkeit und ihren Einsatz, den sie gebracht haben, bedanken. Es ist ein ausgesprochen angenehmes und schmeichelndes Gefühl derart umworben zu werden und Wertschätzung von außen zu erfahren. Dabei auch noch bei der Entscheidungsfindung auf so viel Geduld und Verständnis zu stossen, hätte ich persönlich im vermeintlich tobenden „war for talents“ so nicht erwartet. Euch allen ein großes „Danke dafür“!

3 Kommentare

  1. Hallo, Daniel!
    Das erste Mal, dass ich jetzt doch mal hier was kommentieren muss.
    Ich finde Deinen Entschluss und die Gedanken, die dahinterstecken, großartig! Mir gefällt der Aspekt sehr, Ursache für Veränderung sein zu wollen, Seins dazu beitragen zu wollen, dass sich etwas bewegt. Kein Rädchen im Getriebe, kein „ach, was kann ich kleines Licht schon ausrichten“ Gejammere.
    Noch etwas anderes allerdings springt mich fast noch mehr an. Etwas, das ich sehr häufig im Coaching als Thema von Klienten erlebe:

    Es herrscht m.E. allzu oft ein hektischer, ruheloser und unbedachter Veränderungswahn. Diese Mähr, als junger Mensch dürfe man nicht länger als 2 Jahre in einem Job bleiben….ist in meinen Augen absoluter BULLSHIT!
    Gerade gestern habe ich mich online wieder mal heftig gezankt mit einem „Kollegen“ (Anführungszeichen deshalb, weil ich mit ihm außer der Berufsbezeichnung nix, aber auch gar nix gemeinsam habe…er gehört eher zur TSCHAKKAAAAA Fraktion!). Er verwendete wieder mal diesen Ausspruch „Stillstand ist Rückschritt“. Boaaah, da kriech isch Plack, echt!

    Nein, Stillstand ist nicht immer Rückschritt.
    Stillstand kann auch INNEHALTEN bedeuten. Anhalten, sich umschauen, bedenken, hinspüren, in Ruhe wirken lassen, in Ruhe die nächsten Entscheidungen treffen. Sich konsolidieren. Atem holen für Neues. Das Erreichte genießen. Nicht gleich wieder rennen wollen.

    Die Mischung machts. Nicht immer ist Bewegung Fortschritt, oft ist sie purer Aktionismus.

    Gut so, Daniel – ich find deine Entscheidung toll.

    Herzlichst, Bettina Stackelberg

    1. Lieben Dank für deine Worte🙂

      Du hast auf jeden Fall recht damit, dass es nicht falsch sein kann auch einmal etwas Tempo rauszunehmen, um sich eine Situation und die Komponenten, die zu eben dieser beitragen, einmal in Ruhe anzusehen. Wer nur rast kriegt eben nur einen Bruchteil des beständigen Drumherum mit.

      Was, so glaube ich, aber oftmals falsch verstanden wird ist die Intention zwischen Stillstand, Stehenbleiben und eben auch Innehalten. Zu wissen, dass man aus jedem dieser Zustände mit unterschiedlichem Aufwand wieder in Bewegung kommen und Fahrt aufnehmen kann, ist das Entscheidende.

      Wie gesagt, ich will versuchen neuen Drive reinzubringen. Ob mir das gelingt? Das werde ich in ein paar Monaten sehen, wenn ich mein (Zwischen-)Fazit ziehe …

  2. Hallo Daniel,

    „es kommt selten was Besseres nach“, besagt ein Sprichwort. Auch wenn ich dem nicht voll und ganz zustimme, gefällt mir die Begründung deiner Entscheidung sehr.

    „Sei selbst die Veränderung, die du in der Welt sehen willst“. Mahatma Ghandi scheint auch dir ein Vorbild zu sein.😉 Das Internet, die neuen Medien können viel. Aber „das Internet“ ist kein technischer Begriff. Das Netz sind wir. Es zielt auf Menschen. Wieder einmal muss ich deinen Chef zitieren.😉 Menschen können mit dem Netz viel anrichten, Gutes und Schlechtes. Mit unseren Möglichkeiten und unserem Einsatz gestalten wir es heute so, wie es diejenigen, die nach uns kommen, vorfinden werden. Ich finde es spannend mitzugestalten und mitzumischen, auch wenn es manchmal mühsam ist und der Wind, der einem ins Gesicht bläst, manchmal ziemlich rauh ist. Veränderungen gehen und gingen schon immer von Einzelnen oder einer kleinen Gruppe aus.

    Ich wünsche dir bei deinen weiteren Vorhaben, viel Glück, einen guten „Biss“ und weiterhin viel Erfolg!

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