Lasset das Barcamp-Jahr beginnen! Das Barcamp München gibt den Startschuss auf ein hoffentlich grandioses Barcamp-2012. In den Räumlichkeiten von Service Plan fanden sich über den Tag verteilt gut 200 Teilnehmer ein, um nicht nur unter der Woche, sondern auch noch am Wochenende über Social Media, Technik, Online, Digital und alles andere, was man mit und auf Screens anstellen kann, zu sprechen.
Begrüßung: Check. Vorstellungsrunde: Check. Sessionplan: Check. Here we go …
Session 1: Technologie ist weiblich
Oliver Gassner stört sich an der Mär, dass Technologie ein reines Männerthema wäre. Ausgangslage war die jährliche netzwertig-Nominierung der Tools/Männer des Jahres 2010 (Link folgt noch). Auf der Liste vertretene Frauen? So gut wie keine, wie @pickiHH kritisierte. Die Diskussionen, die daraus entstanden, waren die Basis für seine Session über Techbloggerinnen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Assistiert von Romy Mlinzk gab es eine lebhafte Gesprächsrunde über öffentliche Wahrnehmungen, Pläne und Projekte in spe.
Einer dieser Pläne ist die Idee dem Barcamp Bodensee einen Geekgirl-Touch zu verpassen oder auch Geekchicks.de wiederzubeleben. Geekchicks.de ist ein weiterer Projektansatz Olivers, um Tech-begeisterte Frauen eine Bühne zu bieten, um Diskussionen und Fragestellungen aufzuwerfen sowie Stimmen zu gewichten. Das Projekt selbst existiert schon eine Weile und wird von vielen tollen Bloggerinnen in Sachen Tech bedient, aber den wirklichen Durchbruch bzw. Flow hat es nicht gegeben.
„Als Frau würde ich die PR von Sascha Lobo nicht haben wollen.“
Doch woran „krankt“ das weibliche Techblogging in DACH denn nun? In der gemeinsamen Runde wurden nicht nur die bekannten Interessensverschiebungen Tech vs. Food/Convenience behandelt, sondern auch die Komponenten Zeitmanagement, Motivation, Relevanz und Wahrnehmung diskutiert. Klar ist: Es sind viele fähige Bloggerinnen da. Das Potential ebenso. Doch es hakt am täglichen oder gar wöchentlichen Schreiben und öffentlichen fachlichen Austausch, wie es scheint. Natürlich kamen die bekannten Ansätze, dass Frauen nicht die Rampensäue wie die Männer wären, um „laut“ zu sein, um sich zu produzieren, doch es gab auch die Stimmen, die sagen, dass sie diese Öffentlichkeit gar nicht wollten.
Und hier liegt wohl die Krux, auch wenn es zu einfach erscheint sich auf alte Weisheiten zu stützen. Aber wie führt man so eine Diskussion, wenn die Frauen, die auch an dieser Session teilnahmen, eben die Ausnahme und nicht die Regel sind? Outgoing, am direkten Austausch und Feedback interessiert, darauf erpicht eben diese Tech-Themen zu diskutieren.
Ziel: Reanimation von Geekgirls.de oder dem weiblichen Tech-Blogging in DACH überhaupt richtig Drive mitgeben
Ich persönlich kenne via Twitter, Facebook und Barcamps/Events etliche dieser Bloggerinnen und Kommunikatorinnen, die einen Heidenspaß daran haben und diesen auch ausleben, aber auf einer anderen Ebene. Sie tauschen sich via Twitter und Facebook aus, um sich kompetent und kundig über Tech und Co. zu unterhalten, doch – und zu diesem Schluss kam auch das Panel – die Sichtbarkeit leidet, da alles zu flüchtig ist.
Ein Blog, wie es Oliver Gassner angedacht hat, wäre eine potentielle Lösung das zu ändern, doch diese kompakte Form des Austausches ist scheinbar nur für wenige von ihnen interessant genug, um die Zeit und Mühen zu investieren, wie es Männer tun. Von daher wäre es wirklich, wirklich, wirklich wünschenswert, wenn sich die bisher rekrutierten und weiterhin interessierten Frauen für ein paar Beiträge zu begeistern würden. (Ja, versteht das ruhig als Aufruf und meldet euch bei Oliver oder Romy für weitere Fragen – ich vermittle liebend gern).
Session 2: Geeting Things Done – Dinge erledigen ohne Stress
Ein Klassiker der Barcamp-Historie, wie Oliver Gassner schon bei der Session-Vorstellung anmerkte. Okay, bei der achten Runde seiner GTD-Präsentation bin ich also endlich dabei und rein ins Vergnügen.
Nicht nur, dass der Zahnarzt der letzte handwerkliche Akademier ist, der in seinem Beruf ordentlich zupackt. Nein, es gibt immer für unsere Job-Generation (gefühlt) fast monatlich grundlegende Änderungen, die unsere Großeltern in ihrem gesamten Leben vielleicht zwei Mal erlebten und alles „über den Haufen“ geworfen haben (Krieg und Heirat). Folglich sind wir also permanent im Stress und fühlen uns am Schreibtisch wie Richard Kimble.
Das Problem: Je gestresster wir sind, umso besser können wir uns vielleicht auf eine ganz bestimmte Sache konzentrieren, aber alles andere verschwindet aus unserer Wahrnehmung. Und wenn diese Dinge dann wieder auftauchen, dann unerwartet und mit voller Wucht, weil sie uns überrumpeln. Wir sind auf der Flucht, obwohl wir es nicht sein müssten, wenn wir uns in weniger stressigen Zeiten besser vorbereiten und organisieren würden. Klingt einfach, ist aber wohl so.
Gassner verweist in seinen Ausführungen auf David Allen, der gemeinhin als GTD-König gilt.
Interessant sind die vier Typen, die Gassner bzw. Allen in puncto Organisation skizziert (stark runtergebrochen): „Master & Commander“ kümmern sich nicht um die Details, sondern konzentrieren sich auf das wirklich Wichtige, wissen, was zu tun ist und tun es einfach. „Spinner und Visionäre“ haben die Ideen und Bilder im Kopf, die es zur Erledigung bräuchte, kriegen das Projekt dann aber nicht auf die Straße (Beispiel Leonardo da Vinci, der zwar U-Boote konzipieren, planen und zeichnen, aber nicht bauen konnte). „Operative Sachbearbeiter“ erledigen die Dinge, machen sich allerdings keine Gedanken um das wie und gelten nicht als Kreativköpfe, da diese Fähigkeit irgendwann bei aller Monotonie auf der Strecke bleibt. „Chaoten“, naja, das sagt der Name schon.
„Zeug ist alles in eurer psychischen und physischen Realität, das sich nicht in einem von euch erfassten Zustand befindet“
Weitere Schwerpunkte aus Olivers Vortrag:
Unser Gehirn ist bereits ein hervorragendes Projektmanagement-Tool, aber wir nutzen es viel zu selten in seiner angemessenen Art und Weise. Es zeigt uns klar auf wie wichtig eine Aufgabe ist, aber es erinnert uns nicht daran, wann es darauf ankommt sich (vorsorglich) darum zu kümmern. Dafür stehen wir physisch immer noch auf der evolutionären Stufe des Urmenschen 30.000 Jahre vor unserer Zeit. Some things never change. Aber man kann sowas ja kompensieren.
Fokus! Man kann sich kleine Inseln der Konzentration schaffen, indem man mittels Kontrolle in fünf Schritten in den Flow kommt (Erfassen/Capture, Klären/Clarify, Organisieren/Context, Durchsehen/Check, Tun/Engage). Dafür gilt es mit sich selbst eine Vereinbarung über das Handling einer Aufgabe zu treffen, der man auch wirklich nachkommt. Was selbstverständlich auch Disziplin erfordert.
…
Wer sich noch ein wenig mehr mit der Materie auseinandersetzen möchte, passend dazu gibt es noch einen Beitrag von Oliver im Rahmen einer Blogparade zum Thema Getting Things Done.
Mittagessen
Das hat man davon, wenn man zu langsam ist: Mittagessen aus. Ein guter Infikator dafür, dass es allen geschmeckt hat. Mal sehen, wie sehr ich die nächste Session nun mit Magenknurren stören werde …
Session 3: munichlovesyou – Gemeinsames Twittern für München
(Edit 23.01.12 um 20:05 Uhr: Danke an Michael Praetorius für den Mitschnitt und Upload der Session und seinen ergänzenden Beitrag dazu!)
@sweden ist ein bislang einzigartiges Projekt: Das Land Schweden gibt den offiziellen, repräsentativen Twitter-Account der Nation jede Woche in die Hände eines anderen Bürgers/Users, der per Blog kurz vorgestellt wird. Die Vorgaben an den „Admin“ für diese eine Woche: keine Nennenswerten.
Sabine Sikorski findet diese Idee so charmant und interessant, dass sie sich zusammen mit einer Schar begeisterter Sidekicks eine Adaption für die Stadt München vorstellen kann. Also bittet sie zur offenen Diskussion, wie man ein derartiges Projekt für die Landeshauptstadt stemmen könnte.
„Denkt nicht so deutsch. Probiert es doch einfach aus!“
Im Kern der Diskussionen stehen nicht nur Bedenken über mögliche Sicherheitslücken, sondern auch das Einhalten von Nettiquette, die Frage, in welcher Sprache getwittert werden soll, wie man Wachstum und Engagement stemmt, Aufgabenverteilungen, Verantwortlichkeiten (Rechtliches wie auch Inhaltliches) und und und …
Das Wunderbare: Kaum war die Idee in der Runde vorgestellt entwickelte sich eine enorme Dynamik, um weitere Schritte angehen zu können. Wer kennt welche interessanten Kontakte? Mit wem muss man sprechen, um weitere Informationen zu bekommen? Es saßen die richtigen Leute zur richtigen Session zusammen, die verschiedenste Blickwinkel einwerfen konnten.
Interessantester Aspekt der Diskussion: Wie werden die User ausgewählt bzw. bestimmt, die dem Account für eine Woche ihre Stimme leihen? Authentisch soll es sein, aber sicher für die Macher. Gibt es für die Auswahl Filter und wenn ja, wie sehen diese aus? Welche Inhalte werden gespielt und welche dürfen es nicht? Gedanken wurden zusammengeworfen, Überlegungen weiterentwickelt und erste Konzepte angedeutet.
Als Zwischenstand gab es die Abstimmung über das Modell, wie der Account aussehen könnte: Entweder als Adaption des @sweden-Accounts mit 52 verschiedenen Usern für ein Jahr Laufzeit oder aber ein Account im Sinne eines Kurators, der München-Tweets mit Kontext aggregiert und somit ein mosaikhafteres Bild zusammensetzt (das Ergebnis will ich nun aber nicht spoilern ;))
Wie es nun weitergehen wird? Auf jeden Fall wird sich das Team um Sabine mit dem neuen Input auf den Weg machen diesen zu sortieren und die nächsten Schritte zu planen. Fortsetzung folgt.
Session 4: Persönliche Mittagspause
Im Duell „endlich etwas essen“ vs. „Smalltalk“ hat mein Magen die Oberhand behalten. Trotz spannend klingender Sessions gönne ich mir eine Runde Leerlauf.
Session 5: Was ist flinc?
Aus Verbundenheit zum (Lieblings-)Kunden bin ich einmal mehr bei der Session von Philipp Hormel für flinc dabei. Ohne jetzt groß Werbung zu machen: alles, was ihr über flinc wissen müsst und wollt, das findet ihr auf ihrer Website, auf Facebook und bei Twitter.
Da Philipp die letzten Wochen und Monate auf diversen Barcamps unterwegs war und die Themen Social Mobility (Network), Mobilität 2.0 und den Shift in der Bedeutung des Automobils für den Einzelnen besprochen hat, wollte er einmal etwas Neues ausprobieren. Also weg mit den Slides und einfach alles on the fly anhand der Site und App gezeigt. Keep it simple.
Was für mich als Standard—Zuschauer immer wieder sehr schön zu sehen ist: Wie unterschiedlich die Betrachtungen der ganzen Materie bei den Zuhörern verankert sind, um am Ende zu erleben, wie es bei ihnen „Klick“ macht, wenn sie den neuen Ansatz hinter dem Produkt und der Vision realisieren.
Abschluss
Den sechsten Slot schenke ich mir. Geistig nicht mehr ganz so frisch, freue ich mich auf den morgigen zweiten Tag und danke allen Teilnehmern und lieben Freunden für die schönen Stunden. Das wird super 🙂
Nachtrag am 24.01.2012 um 22:12 Uhr: Alle weiteren Blogposts, Berichte, Fotos, Videos und sonstige medialen Begleiterscheinungen finden sich im Archiv des Barcamp Munich auf der mixxt-Site.
Da haste ja schon mal viel geschafft! 😉
Danke so kann auch der Langschläfer mitdabei sein. Toll und ausführlich erzählt, so wie ich die Session kenn;))
Läuft. 😉
Dabei sein ohne dabei zu sein – Daniel machts möglich. Danke;)
konnte heute leider nicht kommen, da hab ich ja glatt was verpasst.
hier mein (schon etwas älterer) beitrag zum thema frauen und bloggen:
http://caipi.limone.de/2009/07/14/wenn-frauen-bloggen/
Die Diskussion war wirklich sehr interessant, drehte sich an ein paar Punkten aber auch ein wenig im Kreis bzw. trat auf der Stelle, da tatsächlich Ansätze auftauchten, die schon in deinem und den verlinkten Postings auftauchen – und die sind zwei Jahre alt und älter!
Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, wie es mit Geekchicks nun weitergeht respektive wie sich die komplette Techbloggerinnen-Szene entwickelt.
Super Beitrag!
@sweden ist ja eine tolle Idee. Kannte ich noch gar nicht.
Danke Daniel, ich konnte leider nicht nach München kommen. Geniale Idee mit @schweden . Ich wollte für Städteprofilen eigentlich einen Bot laufen haben wie bei http://twitter.com/stuttgarttweets . http://paper.li ist zur Zeit meine vorläufige Lösung.
[…] Barcamp München – Tag 1 (Live-Blogging) […]
Danke für die schöne Zusammenfassung, jetzt tut es mir (etwas) weniger leid, dass ich soviel vom 1. Tag verpasst habe!
Zum Thema weibliche Tech-Blogger: Ich habe auch öfters den Eindruck, dass Bloggerinnen in ihren Artikeln weniger harte Urteile fällen („das Teil ist super/grottenschlecht“). Einerseits ist es schön, nuancierte Sachen zu lesen, andererseits kriegt man als Blogger wohl mehr Aufmerksamkeit, wenn man etwas dicker aufträgt.
[…] nachdem beim Barcamp München die Idee des Projekts @MunichLovesU Gestalt annahm wollten das Team und ich vier Wochen später erste […]
[…] Meine bisherige Liste: Barcamp Ems (2011 + 2012), Barcamp Hamburg (2011 + 2012), Barcamp München (2012), Barcamp Nürnberg (2012), Barcamp RheinMain (2011), Carpediemcamp (2013), […]