Kein Good Bye

„Opa ist tot.“ – Mehr konnte ich der tränenerstickten Stimme meiner Mutter nicht entnehmen. Dann legte sie auf. Vermutlich hat sie nicht sehr viel mehr gesagt, damals, bei diesem Anruf vor vier Jahren. Es reichte dennoch, um alles mitzuteilen.

Die Nachricht kam nicht überraschend. Hatte er doch schon zu Weihnachten nicht mehr allzu kräftig gewirkt, obgleich sein Lebensmut und -wille ungebrochen waren. Und die Zeit im Krankenhaus tat sicher ihr Übriges bei ihm. Ihm, dem Draußen-Menschen, der jede freie Minute in seinem Garten verbrachte, der meiner Familie so viele schöne Erinnerungen bescherte. Ich war gefasst und doch aus der Bahn geworfen.

Keine zehn Minuten später rief meine Mutter nochmals an. Nun etwas gefasster, sich dafür entschuldigend, dass sie mir einfach so diese Nachricht vorgesetzt hatte, während ich bereits meine Sachen packte, um nach Hause zu eilen. Ich mache ihr bis heute keine Vorwürfe, war sie mit meinem Vater doch an seiner Seite, als er uns verließ.

Mir hingegen mache ich zuweilen Vorwürfe. Ich hatte die Nummer für sein Zimmer, hätte anrufen können, als ich noch die Gelegenheit dazu hatte. Aber ich tat es nicht. Aus Angst nicht zu wissen, was ich sagen könnte. Weil mir in dem Wissen, dass es unser letztes Gespräch sein würde, die Kraft dazu fehlte von ihm Abschied zu nehmen. Ich bereue es bis heute zutiefst, wie ich seitdem nur eine weitere Sache von ganzem Herzen bereue. Kein Good Bye. Kein „Pass auf dich auf“.

Was bleibt sind die Erinnerungen an eine schöne Zeit, die ich auf ewig in mir tragen werde. Und Bedauern. Bedauern, die Zeit nicht noch besser genutzt zu haben. Um zu sagen, dass und wie viel ich für diesen Herzensmenschen empfinde. Und dass ich mich bis heute nicht wirklich ändern konnte, was das betrifft.

Opa, du fehlst.

2 Kommentare

  1. Puhh – ich habe fett Tränen in den Augen und finde es super mutig und so ehrlich, was Du hier schreibst… und weiß genau, wovon Du sprichst. Zu diesem Thema gibt es von meiner Seite auch soooo viel zu sagen, aber das mal lieber in privater Runde bei einem ASTRA, oder auch gerne mal zwei, oder drei …

  2. […] jährt es sich zum fünften Mal. Die Gedanken sind woanders. Bei ihm. Bei meiner Familie. Bei mir. […]

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