In eigener Sache: Ich im Interview mit RevierSport.de zum PR-Eigentor des FC Bayern

Was war das für ein grandios gescheiterter PR-Stunt des FC Bayern. Ende Januar wollte man mit viel Bohei einen vermeintlichen Neuzugang präsentieren, der die Fans elektrisieren würde. Am Ende war die mediale Blase für eine Facebook-Applikation geplatzt, die meine werten Mitstreiter und ich bei „der sportmanager“ analysierten.

In der Folge war Elmar Redemann von RevierSport.de auf mich zugekommen, ob ich zum Thema der elften Ausgabe des Jahres (erschienen am 06. Februar 2012) „facebook, twitter & Co. – Fußball im Web 2.0“ nicht ein paar Worte zum Case verlieren wollte. Gesagt, getan. Und schon habe ich mein erstes Print-Interview im Kerbholz. Wuhu😉

Falls ihr euch nicht die Augen am Scan ruinieren mögt, hier ist der Text in Schriftform:

Daniel Rehn widmet sich im Blog „der sportmanager“ dem Wechselspiel zwischen Sport und Social Media
„Holtby geht spielerisch, aber verantwortungsvoll mit den Möglichkeiten um“

München (RS). Daniel Rehn ist Dipl. Online-Journalist (FH) der Hochschule Darmstadt mit Schwerpunkt Öffentlichkeitsarbeit und Online-PR „mit ausgeprägtem Faible für Kommunikation im Analogen wie Digitalen“ und betreibt mit fünf Gleichgesinnten den Blog „der sportmanager“ (Themen und Fragestellungen rund um Social Media im Sport). Dort hat er sich auch ausführlich mit der verunglückten facebook-Aktion des FC Bayern beschäftigt.

Daniel Rehn, warum ist die Facebook-Aktion des FC Bayern am 26. Januar so eklatant gescheitert?

Dafür gibt es diverse Faktoren, die an diesem Tag zusammenkamen. Zum einen das unpassende Spiel mit der Erwartungshaltung der Fans, die nach den letzten Niederlagen auf dem Platz sowie dem verlorenen Tauziehen um Reus nach einem Bonbon gierten, das sie zufrieden stellt und das „Mia san mia“-Gefühl mit einem Spitzentransfer füttert. Zum anderen weil man aus einer Nichtigkeit an Service eine ganz große Blase hat werden lassen, indem man ein Geheimnis daraus machte und selbst die Medien nicht wussten woran man war. Dann zu sehen, dass alles nur ein großer PR-Stunt war, hat nicht gerade dazu beigetragen die Enttäuschung aller betroffenen Vertreter und Anhänger zu lindern. Selbst in Großbritannien hatte man einen echten Coup erwartet und via Twitter heiß diskutiert, wer zu den Bayern gehen würde, um dann mit einer sehr genauen Kritik einzusetzen. Die über 27.000 neuen Fans, die man vom 25. auf den 27.01. gewonnen hat, um ihren Ärger Luft zu machen, sind dann auch kein Trostpflaster. Im Gegenteil.

Was können Fußballvereine aus diesem Fall lernen?

In erster Linie, dass man die eigenen Social-Media-Aktivitäten als Service am Fan verstehen sollte und nicht als Geschenk von Gottes bzw. Vereins Gnaden. Ohne die Fans wären die Vereine nicht das, was sie sind. Ihnen dann mit Dialogmöglichkeiten entgegenzukommen sollte als selbstverständlich erkannt werden, auch wenn man von diesem Punkt noch ein gutes Stück entfernt ist. Schlussendlich bedarf es dreier Komponenten, die berücksichtigt werden müssen. Erstens: die Strategie hinter dem Angebot, die sowohl kurz- als auch langfristig greifen muss, im Sinne von „Was will ich eigentlich mit diesem Angebot erreichen?“. Zweitens: das Verständnis für das Social Web und die Dynamiken, die damit einhergehen. Hier haben die Bayern einfach komplett daneben gelegen, wie man ihren Service aufnehmen würde. Drittens: das Timing. Man sollte sich sehr genau überlegen, ob und wann ich einen neuen Service anbiete. Hätte der FCB die jüngsten Spiele gewonnen oder Reus holen können, die Fans hätten nicht so stinksauer reagiert.

Nach der ganzen Aufregung war aus München zu vernehmen, dass der Verein nun auf die Spieler einwirken will, damit diese ihre Aktivitäten auf facebook und twitter einschränken. Können Sie das nachvollziehen?

Ja, ich kann es nachvollziehen, sehe es aber nicht als den richtigen Schritt. Nach den Querelen mit Breno, der sich ehrlich gesagt einfach dämlich verhalten hat – sich krank abmelden und dann noch aus dem Tattoostudio ein Bild twittern ist einfach nur noch mit einem Kopfschütteln zu bedenken und könnte in so manchen Fällen mit Kündigung quittiert werden – und dem Bild von Tymo aus der Kabine vor einem Spiel, das man dann nicht gewinnt, ist man verunsichert und will nicht noch mehr Schaden geschehen lassen. Als Sportler sind alle Akteure einer jeden Mannschaft Personen des öffentlichen Lebens und somit für die Medien und Fans über die Maßen interessant, so dass jeder Satz, jede Äußerung mit einer gehörigen Akribie seziert wird. Da sind vermeintlich gedankenlos abgesettzte Tweets und Updates auf anderen Netzwerken natürlich ein gefundenes Fressen. Ein Verbot bzw. die Beschränkung auf Zeitfenster ist dabei jedoch keine wirkliche Lösung. Viel eher bedürfte es eines professionellen Trainings für den Umgang mit Social Media. Fast jeder junge Bundesligaprofi erhält von seinem Klub ein Medientraining, um den Umgang mit der Presse zu erlernen und nicht jeden Gedanken, der ihm vor oder nach einem Spiel durch den Kopf geht, ungefiltert rauszuposaunen. Warum sollte es dann nicht auch ein Kompetenztraining für Facebook, Twitter und Co. geben? In den USA funktioniert das in den großen Ligen wunderbar. Es gibt Trainings und Guidelines, die Orientierung bieten, aber nicht über die Maßen die Meinungsfreiheit beschneiden.

Gibt es Beispiele von Sportlern, die Ihrer Meinung nach vorbildlich mit den Möglichkeiten von Social Media umgehen?

Da gibt es eine ganze Menge. Lance Armstrong war einer der ersten Athleten, die Social Media ganz gezielt eingesetzt haben. Armstrong twitterte zum Beispiel seine regelmäßigen Gänge zu den Dopingtests, um die Vorwürfe, er würde sich drücken, zu entkräften. Aus der Bundesliga ist Lewis Holtby ein Musterbeispiel für den Einsatz von Twitter. Er ist mit den neuen Möglichkeiten des Social Web aufgewachsen und geht sehr spielerisch wie auch natürlich damit um, ohne verantwortungslos zu handeln. Er bringt so gesehen eine ganz native Medien- und Nutzerkompetenz mit, da er weiß, was er twittern kann und was nicht. Ebenfalls ein wunderbares Beispiel für den Einsatz von Social Media ist Andrea Petkovic, die auf der Damen-Tour so ziemlich alle Dienste nutzt, die ihr zur Verfügung stehen. Ihre Videos und Interviews von der Tour auf YouTube sind eine wahre Freude. Gleiches gilt für ihre Twitter-Aktivitäten. Das Non-Plusultra ist aber immer noch Rio Ferdinand. Sein Verständnis für die digitale wie analoge Medienlandschaft ist beeindruckend und im Einsatz teils auch visionär zugleich.

An dieser Stelle noch einmal lieben Dank an RevierSport.de für die Möglichkeit mich zum Thema äußern zu dürfen. Hat Spaß gemacht🙂

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: