Show some love: Operncamp

Achtung, überraschendes Geständnis: Ich bin ein riesengroßer Freund von Barcamps. Wahnsinnsinfo, nicht? Das Zusammenkommen und der Austausch zum geplanten Chaos Unkonferenz … das ist großartig und wird nur durch das für mich so unglaublich wichtige wie schöne Wiedersehen und Kennenlernen von Timelinern getoppt. Das sind allesamt Puzzleteile, die ihren eigenen Reiz haben und Barcamps so interessant und abwechslungsreich machen. Wenn die re:publica das große Klassentreffen ist, dann sind die Barcamps die vielen kleinen Geburtstagsparties dazwischen, um vorbeizusehen und zu schauen, was die anderen so machen.

Ganz besonders angetan haben es mir dabei aber die kleinen Camps, die sich abseits der großen Camps wie Hamburg, Stuttgart, Essen und Co. ihre thematische Nische suchen, um noch tiefer in die Materie einsteigen zu können. Buchcamp, Foodcamp, im Herbst hoffentlich das geplante Barcamp Sport, die dieses Jahr leider nicht stattfindende stARTconference für den großen und wichtigen Bereich Kultur … die Liste an großen wie kleinen Veranstaltungen allein für das erste Halbjahr ist lang. Und sie wird noch ein Stück länger. Denn am 09. Juni steigt in Heidenheim das erste Operncamp.

Wer schon länger hier mitliest, der weiß, dass ich ein großer Fan der Heidenheimer Opernwerkstatt bin, die sich mit der Verschmelzung von Oper und Social Media am saisonalen Projekt der Heidenheimer Festspiele austobte. Initiiert und betreut von meinem guten und über die Maßen geschätzten Freund Christian de Vries. Da er bei all seiner norddeutschen Ruhe aber nicht rasten kann, sobald er eine gute Idee hat, ist er nun dabei ein neues Projekt auf die Beine zu stellen: Das besagte Operncamp.

Ehe ich jedoch lange schnacke, um euch zu erklären, was das alles soll, gebe ich das Wort direkt an Christian, der in weiser Voraussicht schon ein paar Antworten auf wiederkehrende Fragen gegeben hat:

Wen erwartet ihr? Und warum braucht es jetzt eine eigene Camp-Verstaltung für Oper und Konzert?

Nun, eigentlich könnten wir uns alle auf der re:publica treffen, wo ohnehin schon sehr viele Menschen aus dem Netz zusammen kommen. Allerdings hat diese Veranstaltung ihr eigenes Programm. Schon sehr interessant, aber es entspricht vielleicht nicht den Erwartungen derer, die die Blogs und Social Web-Angebote für die Kultur-Einrichtungen betreiben. Wir erwarten genau diese Menschen, damit wir an diesem Tag gegenseitig Erfahrungen austauschen können. Ich hatte Johannes Lachermeier von der Bayerischen Staatsoper getroffen, um ihn zu fragen, was er von einem operncamp hält. Und er war gleich dabei, hat mich sehr gefreut.

Sind das denn so viele Menschen aus dem Kulturbereich?

O, ja, zumindest werden es immer mehr. Die digitale Kommunikation erreicht immer mehr Unternehmen, erreicht auch immer mehr Kultureinrichtungen wie Oper, Festspiele und Theater. Zuweilen sehr unterschiedlich, wie die Häuser und Einrichtungen selbst, aber es wird zunehmend selbstverständlich, neben der Präsenz der eigenen Homepage auch eine Präsenz auf anderen Social Media-Kanälen zu betreiben.

Gelten für die Präsenzen von Kultur-Einrichtungen andere Maßstäbe oder Regeln?

Genau das wollen wir im Gespräch diskutieren. Und es gibt viele unterschiedliche Ansätze dafür. Ich nehme einfach mal die opernwerkstatt für die Heidenheimer Opernfestspiele als Beispiel, weil ich sie als Initiator gut kenne: Eigentlich ist das Blog nur ein „Saison“-Betrieb, die Festspiele finden im Juni und Juli statt. Unser Bestreben ist aber, die opernwerkstatt aus guten Gründen das ganze Jahr über zu betreiben, um nicht immer wieder von Null anfangen zu müssen. Wie kann man das machen? Und was kann so ein Blog überhaupt? Was wollen wir mit unserer Präsenz auf unterschiedlichen Plattformen erreichen?

Ok, das betrifft die Festspiele. Gibt es noch andere Beispiele für Diskussions-Themen?

Ja, es gibt viele gute Beispiele. Ein weiteres ist das der Finanzierung. Die Kultur-Einrichtungen sind sehr häufig nur sehr knapp finanziert. Das Marketing konzentriert sich dabei auf die klassischen Elemente: Plakate und Presse, um es jetzt mal sehr zu vereinfachen. Nun kommt die digitale Kommunikation dazu. Findet die Umschichtung dafür in den Etats statt? Eine Frage, der wir nachgehen wollen. Ich kenne Musikerinnen, die die facebook-Seite für Orchester betreiben. Eigentliche eine professionelle Tätigkeit, aber wird sie neben ihrer Tätigkeit als Musikerin für diese zusätzliche Tätigkeit professionell bezahlt?

Das setzt jetzt darauf, Social Media nur als Marketing-Kanal zu zu betrachten. Ist es das?

Nein, ist es nicht. Klar, es ist auch ein Kanal, der gegebenenfalls dazu in der Lage ist, weitere Eintrittskarten zu verkaufen. Vielleicht ist es aber viel mehr ein Kanal, ganz andere Besuchergruppen für die jeweiligen Veranstaltungen zu erschließen. Junge Menschen etwa, denen nicht so schnell einfallen würde, eine Opern-Darbietung zu besuchen, oder ein klassisches Konzert.

Gelingt das denn mit dem sogenannten Social Web?

Nun, uns ist es bisher kaum gelungen, zugegeben, bis auf ein oder zwei Ausnahmen. Aber wir wollen gegenseitig berichten, welche Erfahrungen andere mit ihrer Präsenz gemacht haben, wollen voneinander lernen, um es in der Zukunft vielleicht noch besser machen zu können.

Wie sieht der Rahmen für das erste operncamp aus?

Es ist eine Mischung aus Konferenz und und barcamp. Ich war mir nicht sicher, ob allen der Begriff des barcamps geläufig ist. Und darum haben wir eine Mischform gewählt. Wir haben einige feste Punkte im Programm, etwa eine Keynote von Axel Kopp, und wir haben am Nachmittag dann Tracks und Sessions sowie eine Abschlussrunde. Axel, den ich bisher auch nur virtuell kenne, hat schon einige Kultur-Projekte initiiert. Gleichzeitig war er auch einer derjenigen, die sich mit sehr konstruktiver Kritik zur opernwerkstatt geäußert hat. Und mir war klar: Der muss dabei sein.

Was ist dein größter Wunsch für dieses operncamp?

Dass es ein zweites im Jahr 2013 gibt, gern an einem anderen Ort; dass die Teilnehmer sagen: ‚Jup, das war gut, das wollen wir noch einmal.‘ Und dann vielleicht jedes Jahr wieder.

Ich persönlich bin nicht nur aus Verbundenheit zu Christian von der Idee sowie dem Konzept des Operncamps überzeugt. Veranstaltungen wie das stARTcamp München letztes Wochenende, dem Christian beiwohnte, zeigen, dass es enorm viel Potential im Kulturbereich gibt, das noch nicht vollends ausgeschöpft wird. Die Möglichkeit zu bieten zusammenzukommen und sich auszutauschen bietet so gesehen eine Basis, die es einfach braucht. Und das Operncamp kann in dieser Nische diese Basis sein. Ich freue mich schon jetzt sehr darauf.

Selbstverständlich ist das Operncamp mit allen Seiten und Plattformen ausgestattet, die eines Barcamps würdig sind:

Blog/Site: operncamp.de
Facebook: facebook.com/operncamp
Twitter: twitter.com/operncamp
mixxt: operncamp

Also: Wer Lust auf digitale Kommunikation für Oper und Konzert hat, der merkt sich schon jetzt bitte Samstag, den 09. Juni 2012, in Heidenheim vor. Ihr werdet es sicher nicht bereuen.

One comment

  1. […] aufschlussreicher Ausblick auf die Verbindung von Social Media und Kultur. Auch für das Operncamp. 15:00 Uhr – Foodblogs – Verfalls oder Rettung der Esskultur?: Allerspätestens seit […]

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: