Case: Flynt, die Very Interactive Puppet von KLM

Ich bin ein riesengroßer Fan von KLM, der Royal Dutch Airline. Denn das, was die Niederländer mittlerweile auf Social Media abbrennen, ist ein echtes Feuerwerk an Kreativität und Experimentierfreude, die Kai Thrun im Februar bereits ein erstes Mal unter die Lupe genommen hatte.

Erstmals ist KLM im Dezember 2010 mit dem Einsatz von Foursquare und Twitter aufgefallen, als man die Kombination der beiden Services nutzte, um mit der „KLM Surprise“ Reisende, die am Flughafen eincheckten, mit kleinen Geschenken zu überraschen. Geschenke, die man auf Basis der Informationen, die man über sie online in der Kürze der Zeit zwischen Check-In und Boarding zusammentrug, auf sie zuschneiden konnte.

Dann kamen die Delfter Kacheln im Sommer 2011. Die kleinen, blauen Kunstwerke aus Delft sind ein Inbegriff für niederländische Handwerkskunst, die man weltweit kennt. Mit „Tile & Inspire“ hatte man die Möglichkeit sein Foto via Facebook-Applikation in eine Delfter Kachel umwandeln zu lassen, die später auf ein Flugzeug aufgemalt wurde. Einfach, aber unverkennbar die Handschrift von KLM.

Es folgte „Social Seating“ im Februar 2012. Statt sich auf Langstreckenflügen neben irgendwelche Fremden zu setzen und die Stunden der Flugzeit gelangweilt über sich ergehen zu lassen, konnte man via Applikation „Meet & Seat“ per Check-In mittels Twitter, Facebook oder auch LinkedIn-Verknüpfung ein paar Informationen zu sich hinterlassen, respektive einen Blick in die Profile der anderen Reisenden werfen, sofern sie etwas über sich hinterlassen haben. Mit den hinterlegten Infos konnte man dann seinen Platznachbarn nicht mehr dem reinen Zufall überlassen. Was nach Schnüffelei 2.0 klingt sollte aber wieder einmal eine kleine Erfolgsstory sein, da der Service bei der Zielgruppe Anklang fand.

Was uns zur großen Kampagne des diesjährigen Herbstes bringt. Mit der fiktiven Figur Flynt hat KLM seinen ganz eigenen Social Media V.I.P. erschaffen. Das Kürzel steht dabei für „Very Interactice Puppet“ und soll der Airline Maskottchen und Gesicht in einem sein, um das Storytelling rund um die Airline noch sympathischer werden zu lassen. Flynt ist laut Story neu bei KLM, gemäß seinem Profil auf Facebook 61 Jahre alt und mag Fischen, Schneekugeln und große Flugzeuge. Wie gut, dass man so einige davon im „Fuhrpark“ hat.

Interessanter ist aber, wie man ihn als Figur auf- und in die Kommunikation von KLM einbaut. So gab es auf der offiziellen Page der Airline am Montag einen herzlichen Empfang für den kleinen Kerl, der mit dem Verweis auf seine eigene Page erweitert wurde (man achte auf die Interaktionsraten).

Seitdem kann man Flynt begleiten, wie er sich bei seinem neuen Arbeitgeber einfindet, was er am ersten Tag alles auf seiner ToDo-List stehen hat, dass er Tag zwei mit der Suche nach der Kaffeemaschine verbrachte und so weiter. Jüngst hat man nun noch eine App freigeschaltet (siehe Bild unten), die Flynt auf dem Weg zu seinem nächsten Termin zeigt. Fast alle Items, die um ihn herum auf Sitz und Boden verstreut sind, sind anklickbar und liefern weitere Informationen. Der Blick in den Terminkalender offenbart zum Beispiel, was Flynt in den nächsten Tagen alles anstellen wird, womit die Fans wieder wissen, was sie erwartet. Es gibt keine unangenehmen Überraschungen und – besser noch – man kann die Fans darauf vorbereiten, dass man ihre Hilfe gebrauchen könnte.

Der Clou dabei: Statt sich eines jungen Auszubildenden zu bedienen, der das Unternehmen durchläuft und zu einer Bezugsperson für die Fans wird (und irgendwann wieder weg ist, wenn er den Job wechselt), positioniert man einen eigenen Charakter, der auf ewig bei KLM bleibt, bis man ihn (auf Grund seines Alters?) in Rente schickt. Bis dahin ist Flynt aber ein liebenswerter Zeitgenosse, der sich mit den Neuerungen dieses Interwebdings und der immer schneller werdenden Welt zurechtfinden muss. Ein findiger Anachronismus zu den ganzen jungen, hippen Social Medians, die man sonst überall als Social Media Manager sieht (bzw. die sich selbst gerne in diesen wichtigen Positionen sehen würden – die „man muss 25 sein, um den Job hinzubekommen“-Diskussion hatten wir ja schon einmal im Sommer).

Ich bin mehr als gespannt, wie es mit Flynt weitergehen wird und werde euch bei Bedarf auf dem Laufenden halten.

3 Kommentare

  1. Aus Sicht des Social Branding ist KLM definitiv eine der spannendsten Airlines, die es so gibt. Bin gespannt was sich da noch weiterhin entwickelt. Flynt erinnert mich vom Ansatz her an Rico von Air New Zealand: http://juliangrandke.de/viralvideo/air-new-zealands-etwas-andere-youtube-show-case-study/

    1. Flynt liefert KLM vor allem eine weitere Stimme für die eigene Unternehmenskommunikation. Es gibt die offiziellen Kanäle und dann eben noch Flynt, der seinen eigenen Kopf haben darf und dementsprechend auch einmal eine Zote oder einen kleinen Joke loslassen darf, den sich die Airline offiziell nie erlauben dürfte. Darüber hinaus wird man menschlicher, was insofern abstrus ist, da die Figur fiktional bleibt. Aber gerade deswegen nahezu unantastbar ist. So einfach. So clever.

  2. […] So klug setzt KLM auf Social Media Daniel Rehn hat sich die Aktivitäten von KLM im Bereich Social Media angesehen – von KLM Surprise über Social Seating bis hin zur neuen KLM-Kunstfigur Flynt. Und er zeigt sich von den Ideen der Fluglinie begeistert. Ich übrigens auch. […]

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