Mein Tag

Als ich noch Online-Journalismus studierte, da fragten mich meine Eltern hin und wieder, was ich später damit machen wolle. Ich wusste es anno 2006 bis 2008 noch nicht so hundertprozentig. Ich liebäugelte mit einem Job bei „meinen“ Frankfurt Skyliners. Im Presse- und Marketingbereich des Vereins arbeiten. Vor- und Spielberichte verfassen. Dem Klub in der Kommunikation unter die Arme greifen. Hauptsache was mit Basketball und Medien. Sowas halt. Das konnten sie noch nachvollziehen. Das war noch greifbar. Je mehr ich aber in Richtung Social Media „abdriftete“, umso weniger konnten sie es (be-)greifen. Facebook, Twitter und Co. waren und sind kein fixer Bestandteil ihrer Welt, was aber auch keinen Beinbruch darstellt. Sie kriegen auch so mit, was in der Welt passiert und ich anstelle. Für sie überwinde ich eben dafür mehr oder minder regelmäßig meine Aversion gegenüber dem Telefonieren und wir halten uns „an der Strippe“ auf dem Laufenden.

Nur was ich beruflich nun genau mache, das lässt sich ihnen nicht mehr ganz so leicht erklären, auch wenn sie hier mitlesen. In etwa so, wie ich meinen Großeltern, die ganz ohne Internet auskommen und so gut wie keine Berührungspunkte damit haben, schon kaum mehr erklären konnte, dass mein Studium nicht bei einer Zeitung enden würde. „Ich helfe Unternehmen das Internet besser zu verstehen“ war damals meine Exit-Strategie, wenn es darum ging zu vermitteln, was ich tue. Sie haben nie weiter als nötig nachgefragt. Hauptsache, ich war glücklich mit dem, was ich tue. Eben so halten es auch meine Eltern. Doch je mehr ich darüber nachdenke, umso eher habe ich den Wunsch entwickelt, wenigstens einmal aufzuzeigen, was ich den Tag über so anstelle. Wie man sich das Agenturleben vorstellen muss. Zumindest den Part, den ich zeigen kann, ohne allzu sehr zu irritieren😀

Also widme ich diesen Beitrag meinen Eltern, um ihnen zu zeigen, was Junior eigentlich die ganze Zeit damals in München und nun in Hamburg macht … und allen anderen, die sich fragen, ob ich wirklich wie jeder andere normale Mensch schlafe. Aber was ist schon normal?

6:00 Uhr
Good moooorniiiiiiiiing, Viiiiiiieeeeeeetn…! Nein, halt, falscher Film. In Hamburg sagt man „Moin“. An den wenigen Tagen, an denen ich nicht vor meinem Wecker wach bin, beginnt das Spiel recht früh. Der erste Griff geht unweigerlich zum Smartphone, da zeitgleich auch Wecker. Mails? Check. Kurzer Blick in die Twitter-Timeline. Neue Nachrichten für mich? Check. Was schrieben die Kontakte in Übersee derweil? Oh, ein toller Essay über die „Devolution of Friendship“ durch Social Media, aber wieder so lang. Okay, Zeit aufzustehen und das Menschenkostüm überzuwerfen. Der Artikel wird zur späteren Lektüre zurückgelegt.

7:00 Uhr
pitt
Ist die Frage zum Outfit des Tages geklärt, gibt es … naja, nennen wir es Frühstück. An guten Tagen wird es mehr als Toast und Tee. In der Regel ist es eher nichts. Keine Sorge, ich esse über den Tag hinweg genug. Nein, ihr müsst kein Care-Paket schicken. Wirklich. Es folgt die regelmäßige Morgenlektüre von P.I.T.T.: Pinterest, Instagram, Tumblr, Twitter. Instant-Inspiration und kreative Impulse durch alles, was da draußen im Netz so rumflattert. Zuweilen lese ich aber auch ein Buch. Ja. Tatsächlich. Irre, nicht? Okay, oftmals schaue ich dann doch noch die neuesten Episode einer US-Serie, die endlich verfügbar ist.

8:00 Uhr
ubahn_lektuere
Auf zur U-Bahn. Je nach Laune gibt es unterwegs noch mehr Online-Updates, das nächste Buch oder aber ich frickele einen weiteren Blogpost zusammen. Ganz wichtig: Immer die Kopfhörer dabei haben. Immer. Egal wie kurz die Fahrt ist. Hamburger sind in Sachen öffentlicher Nahverkehr vielleicht entspannter als Münchner, aber nicht jedes morgendliche Gespräch muss man sich antun.

9:00 Uhr
ankunft
Ankunft im Büro. Check der beruflichen Mails, falls das nicht sowieso schon in der U-Bahn geschehen ist. Danach eine kurze Runde durchs Büro, „guten Morgen“ sagen und ran an die Tagesplanung.

10:00 Uhr
team_meeting
Team-Meeting. Was steht an?

11:00 Uhr
kundentermin
Kundentermin. Mal bei uns. Mal bei ihnen. Lustig wird’s trotzdem immer wieder. Ideen besprechen. Pläne ausbaldovern. Projekte fixieren. Business-Zeugs halt (das macht es jetzt sooooo viel verständlicher -.-)

13:00 Uhr
power
Mittagspause. Nein, ich mache nur Scherze. Ich esse auch richtig. Wir sind hier mit einer großen Bandbreite an Restaurants und Lokalen gesegnet.

14:30 Uhr
hochprofessionell
Zurück an die Arbeit. Irgendwo zwischen der Entwicklung von Strategien, Community Management und der Analyse von aktuellen Entwicklungen und Hypes im Netz bleibt die Zeit für den Austausch mit den Kollegen. Was ist da gerade wieder bei Instagram los? Moment, ich erkläre es dir schnell. Hat mal jemand Stift und Papier zur Hand?

16:30 Uhr
leseprobe
Was kam da vorhin eigentlich mit der Post? Oh, ein weiteres Rezensionsexemplar. Das kommt auf den „noch lesen“-Stapel.

17:00 Uhr
ideen
Besprechung mit den Kollegen für ein neues Kundenprojekt. Was mir in der U-Bahn die Kopfhörer sind, ist mir im restlichen Tag mein Notizbuch. Nie ohne aus dem Haus gehen. Ideen gehören festgehalten!

18:00 Uhr
plausch
Noch ein letzter Plausch, ehe sich die ersten in den Feierabend verabschieden.

18:30 Uhr
matrix
Was passiert im Netz? In die Diskussion wollte ich mich noch einklinken, da ergibt es keinen Sinn. Und die Info hatte ich noch erwartet. Was täte ich nur ohne Twitter und Tweetdeck?

19:00 Uhr
meetup
Gerade noch rechtzeitig zum MeetUp geschafft. So heißen Infoabende heute, bei denen man sich noch auf einen Snack und einen Drink trifft. Klingt nicht ganz so schlimm nach Afterwork, ist vor allem aber lustiger. Und irgendwas ist immer gerade in Hamburg los.

21:30 Uhr
absacker
Ein Absacker mit Freunden geht noch. Cheers!

23:00 Uhr
ubahn
Danke, HVV, dass du so gut getaktet bist. In München hätte ich für den gleichen Weg doppelt so lange gebraucht.

23:30 Uhr
ausklang
Runterkommen. Den Tag ausklingen und Revue passieren lassen.

Ja, so in etwa sehen meine Tage aus. Nicht immer so voll, manchmal aber auch straffer getaktet. Dazwischen finden noch viele kleine Gespräche, Lacher, Aufreger und sonstige Begebenheiten statt. Es ist nicht immer leicht. Aber ich würde es – zumindest jetzt – nicht anders haben wollen. Warum auch?

6 Kommentare

  1. Schicke ich gleich mal meinen Eltern…da gibt es das gleiche Problem..😉

  2. Hallo Daniel,

    danke für diesen sehr interessanten Beitrag. In der Tat, ist es heute nicht immer leicht anderen älteren Generationen zu erklären was man den ganzen lieben Tag so macht. Wenn man erzählt das man was mit Computer bzw. Internet macht, wird man manchmal doch schon recht komisch angeschaut.

    Beim lesen versuchte ich mich in die Lage der Eltern und Großeltern zu versetzen. Unweigerlich kam mir dabei ein Gedanke in den Sinn, den ich hier mit Dir und deinen Lesern teilen will.

    Als ein Elternteil bzw. Großelternteil wird man sich jetzt sicherlich fragen ob man damit tatsächlich Geld verdienen kann😉 . Die meisten sind es doch gewohnt das Gehalt mit einer anderen Art der Arbeit zu verknüpfen. Als Beispiel Akkordarbeit am Fließband. 100 Stück pro Stunde = Grundgehalt + Provision bei mehr Stücken pro Stunde…. Also ich hoffe man versteht was ich damit sagen will😉 .

    Kriegst du die Frage auch gestellt?

    1. Oh ja, diese Frage kenne ich zu gut. Meine Großeltern und auch Eltern arbeiten allesamt in Berufen, die als „handfest“ gelten (u.a. als Bäcker- und Konditormeister). Selbst mein Bruder ist noch in einem tatkräftigen Beruf unterwegs.

      Ich falle mit meinem Tun hingegen aus der Reihe. Anders gesagt: Ich bin der Erste aus der Reihe, der in den neuen, primär nur kopflastigen Berufen tätig ist. Es ist etwas komplett anderes, das durch das Netz auf einer ganz anderen Basis aufbaut, als es früher der Fall war. Allein die Tatsache, dass es meinen Job wie viele andere unserer Branche und Zeit vor zehn Jahren noch nicht gab, sagt viel darüber aus, wie viel Erklärungsbedarf eigentlich bestünde.

      Aber ja, man kann davon leben und das Geld kann sich sehen lassen. Es ist einfach nur anders verdient als früher😉

  3. […] Ende Dezember versuchte ich ja bereits meinen Eltern eine Antwort auf die Frage zu liefern, was ich den ganzen Tag so mache. Das Ergebnis war semi-erfolgreich, aber es hat trotzdem ein wenig weitergeholfen, da sie wissen, […]

  4. […] : Als ich noch Online-Journalismus studierte, da fragten mich meine Eltern hin und wieder, was ich später damit machen wolle. Ich wusste es anno 2006 bis 2008 noch nicht so hundertprozentig. Ich liebäugelte mit einem Job bei ?meinen? Frankfurt Skyliners. Im Presse- und Marketingbereich des Vereins arbeiten. Vor- und Spielberichte verfassen. Dem Klub in der Kommunikation& – https://danielrehn.wordpress.com/2012/12/25/mein-tag/#more-3529 […]

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