Was mache ich eigentlich beruflich? – Auf der Suche nach einer Antwort mittels Blogparade

notsureif

Eigentlich ist es eine ganz harmlose Frage: „Und … was machst du beruflich so?“. Auf jeder Party, bei jeder Tour durch die Bars, im Grunde überall taucht sie auf. Selbst im Beruf, wo doch eigentlich klar sein sollte, was ich mache. Und doch fällt es immer wieder schwer. Die technologische wie auch die daran gekoppelte gesellschaftliche Entwicklung hat Berufe geschaffen, die es vor fünf Jahren noch gar nicht gab.

Wenn man dann also im Umkehrschluss auf Menschen trifft, die etwas „Handfestes“ gelernt haben, dann kommt man schon ins Stottern, wenn man etwas von Internet, Kommunikationsberatung und Social Media erzählt und merkt, wie die Fragezeichen über dem Kopf des Gegenübers immer größer werden. So ging es auch Wibke, als sie dem irakischen Besitzer ihres Lieblingsbüdchens erklären wollte, was sie beruflich macht, nachdem er freundlich fragte. Aus der Verlegenheit heraus entstand eine Idee und daraus eine Blogparade, zu der sie jüngst aufrief: Ihr Netzmenschen da draußen, erklärt doch einmal genau, was ihr macht.

Ich mag ja Herausforderungen. Meistens. Also los …

Bereits Ende Dezember versuchte ich ja bereits meinen Eltern eine Antwort auf die Frage zu liefern, was ich den ganzen Tag so mache. Das Ergebnis war semi-erfolgreich, aber es hat trotzdem ein wenig weitergeholfen, da sie wissen, dass ich dabei im Warmen bin und genug zu Essen und Trinken habe. Das ist immerhin ein Anfang. Nun also ein neuer Versuch.

Auf meiner Visitenkarte und im Arbeitsvertrag steht der fesche Titel „Junior Account Manager„, was zwei Dinge impliziert. Ich bin noch verhältnismäßig frisch im Geschäft unterwegs und ich manage Accounts. Ja, super. Das hilft wirklich weiter. Dürfte ich mir den Titel aber tatsächlich selber aussuchen, dann wäre es wohl etwas wohlklingendes wie „Executive Social Media Enabling Officer & Consultant„. Macht es das besser? Nein, auch nicht. Aber es sollte ja auch nur toll klingen. Im Deutschen wäre ich gemäß meines Tuns ein Jung-Kommunikationsberater mit Kunden- und Projektverantwortung im Schwerpunkt Digital. Sexy klingt anders, aber das ist wieder die alte Leier mit dem Einband und dem Inhalt sowie dem Schleifchen auf der Verpackung und trifft mein Tätigkeitsfeld ganz gut.

Nehmen wir das Konstrukt auseinander: Jung-Kommunikationsberater mit Kunden- und Projektverantwortung im Schwerpunkt Digital.

    „Jung“: Okay, No-Brainer. Offiziell bin ich im dritten Jahr des Sammelns von Agenturerfahrung. Die unzähligen Projekte und Job, die ich davor und auch nebenbei laufen habe, tangieren meinen von der Agentur verliehenen Titel ja nicht.

    „Kommunikationsberater mit Kunden- und Projektverantwortung“: Ich berate rund um Kommunikationsdisziplinen, die für die meisten Kunden als Endverbraucher mittlerweile keine Rolle mehr spielen. Ob PR, Marketing oder Werbung ist der Zielgruppe, die die Produkte später konsumieren soll, schnurzegal. Die Kunden und Projekte, die dabei gemeinsam entwickelt und umgesetzt werden, unterliegen zum Teil oder komplett meiner Verantwortung. Und so entstehen Konzepte und werden Strategien entwickelt, Aktionen ausgewertet und Analysen erstellt, Kontakte mit den relevanten Meinungsmachern und Sprachrohren der Zielgruppe geknüpft und gepflegt (neudeutsch dann Blogger & Online Relations sowie Community Management) und versucht eine freundschaftliche Beziehung zu diesen im Sinne meiner Auftraggeber aufzubauen. Das Ziel: Meine Ansprechpartner als Mittler beiderseits glücklich zu machen. Der Clou dabei ist, dass ich sowohl extern als auch intern agiere. Es gibt die Kunden, die der Agentur verbunden sind, aber auch die lieben Kollegen, die sich auch um klassische Medien kümmern und mich bei Digital-Projekten um Support bitten. Ihnen helfe ich dabei das Social Web und die Menschen, die es bevölkern, ebenso zu verstehen wie die Mechanismen, die es am laufen halten.

    „im Schwerpunkt Digital“: Wenn ich nicht schlafe, dann bin ich online. Ich kann ja gar nicht anders, denn in der Digital-Unit zu arbeiten und mich dort auszutoben. Drum sauge ich all die neuen Tools, Trends und Studien wie ein Schwamm auf, merke mir das nütze wie unnütze Wissen daraus und spule es im sinnigen Kontext und mit den angestrebten Zielen verknüpft wieder ab, wenn es gebraucht wird. Weckt mich nachts um 3, um mich nach den aktuellen Nutzerzahlen zu Facebook in Deutschland zu fragen, und ich rattere die Litanei der +25,06 Mio. Nutzer runter, die als einmal monatlich aktiv aber kaum einen richtigen Bezugswert liefern, da es nur bedingt etwas über ihre Aktivität im Austausch mit Pages etc. aussagt usw. usf. und überhaupt. Kampagnen, Fallbeispiele und andere lustige Dinge finde ich dabei ebenso und lege es in meinem Oberstübchen ab. Wird es gebraucht, dann ziehe ich es wieder hervor wie ein Kaninchen aus dem Zylinder und alle staunen, wieso ich das wieder weiß. Wenn sie wüssten, welche Trivia mir dafür immer wieder entfallen, weil sie nicht relevant für mich sind … nun, das ist eine andere Geschichte.

Aber hilft das alles weiter, um zu verstehen, was ich tue? Die Probe aufs Exempel wird wohl sein, wenn ich meine Eltern frage, ob ihnen dieser Beitrag weitergeholfen hat, um besser zu verstehen.

Bis dahin empfehle ich euch die Fülle an Beiträgen, die sich mittlerweile unter Wibkes Aufruf eingefunden haben, der ich hiermit noch einmal danken möchte, diese Frage ihres Büdchenbesitzers ins Netz getragen zu haben.

Wer ebenfalls mitmachen mag, Teilnahmeschluss zum Niederschreiben der Gedanken ist erst am 31. März. Also noch massig Zeit, um sich zu fragen, womit genau man sein Geld verdient.

4 Kommentare

  1. Das Foto ist ja einfach nur #toll! #ilike

    1. Danke. Mit genügend Filtern wirke sogar ich überzeugend😀

  2. […] Was mache ich eigentlich beruflich? – Auf der Suche nach einer Antwort mittels Blogparade (Daniel Rehn) […]

  3. […] dann schaue ich auf meinen jetzigen Job und denke mir: Der Mann hat(te) gar nicht so Unrecht. Meinen Job im Digital-Team gab es vor 2006 […]

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