„Trink ’ne Coke mit …“: Wenn die Community zu kreativ wird

Es gibt Ideen, die sind gar nicht so schlecht. Aber man kann sich noch so sehr um präventive Maßnahmen bemühen, es kann einfach keine 100%ige Absicherung geben.

Die gar nicht so schlechte Ausgangslage im heutigen Fall: Coca-Cola ermöglicht seinen Fans in seiner aktuellen Kampagne unter coke.de/deinname Cola-Flaschen individuell zu beschriften. In der Verknüpfung von On- und Offline kann man sich die Flasche mit personalisiertem Schriftzug zuschicken lassen und gleichermaßen ein Update auf Basis der eigenen Kreation zu Facebook pushen. Im Großen und Ganzen ist es ein netter Spaß.

Trink_ne_Coke_mit

Schabernack trotz Blacklist

Blöd nur, dass trotz der wirklich umfassenden Blacklist für gesperrte Begriffe (hauptsächlich deutsche und englische Schimpfwörter und andere bunte Ausdrücke, aber auch Alltagsbegriffe und Namen mit religiösem Hintergrund) noch viel Unsinn damit anstellt werden kann. Gestern machte die Blacklist, die als JSON-File im Quellcode Einblick in die eigentliche Absicherung gibt, bereits die Runde.

Heute griff allfacebook.de das Ganze auf, um darauf aufmerksam zu machen, dass es bereits erste Teilnehmer gibt, die den persönlichen, positiven Touch der Kampagne mit ein wenig Bosgläubigkeit verkehren. Denn so umfassend die Blacklist ist, Begriffe wie „Keime“, „Viren“ und „Salmonellen“ werden nicht geblockt. Der Slogan „Trink ’ne Coke mit …“ wird somit also durchaus unappetitlich und entfernt sich gehörig von der eigentlichen Markenbotschaft.

Auf allfacebook.de scherzt man bereits, ob ein Flashmob von Coca-Cola weniger zugeneigten Usern nicht bereits zu erwarten wäre, die möglichst viele Markenbotschaft-ferne Fotos pushen. Mir fielen noch Pepsi-Fans ein sowie alle, die Coca-Cola für diverse andere Produkte und Patzer eins auswischen wollen.

Kalkuliertes Risiko oder nichts gelernt?

Wirklich spannend ist aber die Tatsache, dass es neben der Blacklist, die online greift, für die Bestellung der Flasche offline eine Whitelist mit 30.000 Begriffen gibt, die den Druck ermöglichen würden.

Denn während die verantwortliche Agentur zusammen mit dem Kunden zwar eine äußerst beeindruckende Latte an “bösen” Begriffen in einer öffentlich zugänglichen Blacklist definiert hat, wurde kein weiterer Schutz eingebaut um die digitale Verbreitung weiterer nicht erwünschter Begriffe zu stoppen. Das ist in sofern höchst merkwürdig, als dieser Filter beim Bestellen einer “echten” Flasche implementiert wurde. Denn dort arbeitet man nicht mit einer Liste verbotener Wörter sondern genau andersrum mit 30.000 erlaubten Namen in einer Whitelist. Die nötige Datenbank scheint also vorhanden zu sein. Bleibt die Frage, warum sie nicht durchgehend genutzt wurde.

Derlei Take-Over kennt man ja zur Genüge. Pril mit Hähnchengeschmack ist eines der bekannteren Beispiele aus Deutschland, bei dem die Fans zeigten, das kruder Humor auch in Deutschland funktioniert – und Unternehmen nicht immer in die Karten spielt.

Dabei hat Coca-Cola bereits vor drei Jahren Erfahrungen mit zu kreativen Fans gemacht, als eine Kampagne für Dr. Pepper mit ähnlichem Ansatz und Nutzer-Freiraum dermaßen aus dem Ruder lief, dass diese komplett abgebrochen wurde. Der Kontext, in dem man sich damals bewegte, war zwar ein gänzlich anderer, und doch, man hätte daraus lernen können, dass Ideen, die dem User viel Raum für eigene Ideen lassen, bis ins letzte noch so abwegige Szenario durchdacht werden sollten.

Was ich mich nun Frage: Hat man das nicht kommen sehen oder nimmt man es einfach hin, dass die Community allein durch ihre Masse irgendwann aus Spaß am Schabernack damit beginnt auszutesten, wie weit man gehen kann, und hat sich deshalb nicht die Mühe gemacht die Whitelist auch online als Maßstab zu nutzen?

Was meint ihr?

2 Kommentare

  1. Pepsifan · · Antworten

    Alle bösen Wörter in schön und nacheinander: http://www.cokanizer.de

  2. […] der Personalisierung bei der “Share a Coke with …”-Kampagne wurde aber auch klar, dass man bei solchen Aktionen nicht nur mit Fans zu rechnen hat, sondern auch mit Usern, die nicht […]

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