Heimat? Was ist das schon? – Mein Beitrag zur Blogparade von Katja Wenk

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Heimat. Ein großes Wort. Aufgeladen mit Erinnerungen. Gerüchen. Gefühlen. Dem Geschmack von Milchreis mit Zucker und Zimt oder auch nur dem Rattern der Züge, die in Hörweite über die Gleise fahren. Katja fragt in ihrer Blogparade danach, was die Heimat von uns ist. Wo sie liegt.

In meinem Fall ist es ganz einfach. In der Mitte Deutschlands. Im Herzen des Landes. Logistisch perfekt gelegen. Man kennt den Namen aus unzähligen Staumeldungen, wenn rund um das Autobahnkreuz A4 und A7 gerade mal wieder viel los ist. Gefühlt hat jeder schon einmal Post aus meiner Heimatstadt bekommen, da Amazon das erste Werk in Deutschland hier bauen ließ. Seit 1951 Austragungsort der bei Kulturliebhabern hoch angesehenen Festspiele. Gelegen an der Fulda. Bad Hersfeld heißt die Stadt in Nordosthessen, in der ich vor mehr als 27 Jahren das Licht der Welt erblickte und bis zu meinem 20 Lebensjahr blieb.

Heißt Heimat auch Nostalgie?

Doch zuletzt sehe ich meine Geburtsstadt immer seltener. Während des Studiums war ich noch regelmäßiger dort. Mit dem jobbedingten Umzug nach München wurde es schon weniger. Die Mitte Deutschlands ist trügerisch, da man sich immer denkt, dass es gar nicht so weit sei und lang dauere, um zurückzukehren. Eltern, Familie und alten Freunden einen Besuch abzustatten. Mein Umzug von München nach Hamburg letztes Jahr hat nichts daran geändert. Die Distanz ist mit jeweils vier Stunden Fahrtzeit beinahe identisch geblieben. Aber mein Weg führt mich kaum mehr dort hin, was mich das Bedauern meiner Eltern immer deutlich heraushören lässt, wenn sie am Ende unserer Telefonate immer fragen, wann ich denn mal wieder nach Hause kommen würde, und ich es nicht sagen kann, weil ich es nicht weiß.

Aber da liegt vielleicht auch der Grund. Sie sagen „nach Hause“ kommen. Aber ich bin nicht mehr in Bad Hersfeld zu Hause. Meine Eltern leben dort. Meine Freunde von früher, die der Stadt verbunden geblieben sind. Nur ist es nicht mehr meine Heimat. Ich bin so selten dort, weil ich die Erinnerungen an meine einstige Heimat in besserer Form erhalten wissen möchte, als es die Stadt gerade hergibt. Besuche in Bad Hersfeld heißen auch zu sehen, dass Geschäfte von früher nicht mehr da sind. Und mit ihnen die kleinen Anekdoten. Die „weiß du noch, …?“-Momente. Ich weiß, es ist naiv zu glauben, dass sich manche Dinge nie ändern würden, nur weil man sie als Kind so kennenlernte, aber man möchte dennoch gerne daran festhalten. Es ist Nostalgie. Eine Wunde, die bei jeder Rückkehr schmerzt.

Getrieben, auf der Suche nach einem Ziel, um anzukommen

Meine Heimat ist jetzt eine andere. Vielleicht dort, wo sich das Smartphone automatisch ins WiFi einloggt? Wo man mich mit Namen kennt und mir „wie immer“ mein Essen oder die Drinks hinstellt? Das wäre zu einfach. Seit ich Bad Hersfeld vor sieben Jahren verlassen habe, bin ich ein Getriebener. Dieburg. (Darmstadt. Frankfurt.) München. Hamburg. Ich suche noch nach diesem Punkt, den ich wieder Heimat nennen kann, ohne den Eindruck zu haben, dass es doch nicht passt. Dass das Wort zu groß für das ist, was ich hier habe.

Im Moment sind es für mich die Menschen, die all das ausmachen, was ich damit verbinde. Die Wärme. Die Geborgenheit. Das Gefühl angekommen zu sein. In sich gekehrt zu sein und doch wahrgenommen zu werden. Ich weiß, dass mich all das jederzeit erwartet, wenn ich zu meinen Eltern, meiner Familie zurückkehre, sobald ich sie besuche. Aber die Liebe, die mich dort empfängt, ist nicht die, die Heimat als Ort ausmacht.

Vielleicht greift das alte „Home is, where the heart is“ ja doch. Aber das würde bedeuten, dass es die Menschen sind, die mir viel bedeuten, die dieses Gefühl wecken. „Heimat“, das ist für mich kein Ort als solches. Zumindest keiner, den man auf einer Karte findet.


Photo by J DuClos via unsplash.com

6 Kommentare

  1. rabbitrunz · · Antworten

    Mit Tränchen in den Augen gelesen. Wunderschöner Beitrag. Mein Home is, where my Heart ist.
    Leider weiß ich letzeres auch nicht, also bleibt es bei geschriebenem…“Home“…

  2. Toller Post – ich habe jedes Wort aufgesogen! Ich will schon ganz lange so einen Artikel schreiben und hab nie den richtigen Rahmen gefunden. Vielleicht ist mit dieser Blogparade der richtige Zeitpunkt gekommen.

  3. […] Daniel Rehn: Heimat? Was ist das schon? – Mein Beitrag zur Blogparade von Katja Wenk […]

  4. […] an denen mein Herz hängt. Möbel, Fotos. Und natürlich und vor allem an Menschen, wie Daniel in seinem Beitrag zur Blogparade sehr schön beschreibt. Das alles begleitet mich bei jedem Umzug. Die Orte mögen wechseln, die […]

  5. Beste Grüße von der Ostsee – meiner Heimat. Ich bin nach etlichen Jahren beruflichem Wanderleben in interessanten Städten mit klasse Kollegen, Kunden und Arbeitsaufgabe wieder zuhause in meiner Heimat angekommen. Mit dieser Erfahrung stöbere ich bei den Teilnehmern der Blogparade. Ich wünsche Dir alles Gute. Wenn Du Lust hast schaue mal in meinen Beitrag http://frankkoebsch.wordpress.com/2013/09/04/bilder-meiner-heimat/

    Frank

  6. […] Daniel Rehn: Heimat? Was ist das schon? – Mein Beitrag zur Blogparade von Katja Wenk […]

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