Hirn, Herz, Anstand, Wertschätzung: Mein Beitrag zur Blogparade „Blogger Relations“

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Die Blogparade von Mike Schnoor zum Thema „Blogger Relations“ hat jetzt gute fünf Wochen ihre Kreise gezogen. Morgen ist sie vorbei. Und es hatte seine Gründe, dass ich mich zu einem meiner Herzthemen noch nicht geäußert habe. Zum einen, weil viele derer, die bislang ihre Zeilen dazu veröffentlicht haben, so ziemlich alle Perspektiven abgedeckt haben, die es gibt (siehe Links im Beitrag). Zum anderen, weil es eben eines meiner Herzthemen ist, zu dem ich schon selbst einige Beiträge veröffentlicht habe.

Da wir agenturseitig jüngst eine Beta-Version eines Blogger-Kodex veröffentlicht haben, gehe ich kurz auf diesen ein. So, wie es Djure beim Barcamp Hamburg bereits tat und ich beim Barcamp RheinMain letztes Wochenende.

Ein Kodex? Wirklich?

Ja. Wir haben zwar das Jahr 2013 und man sollte meinen, dass der Umgang mit Onlinern mittlerweile Gang und Gäbe sein sollte … Aber so ist es bei Weitem nicht. Beim Barcamp RheinMain fragte ich während meiner Session erst, ob es einen Kodex bräuchte. Ein paar Hände gingen hoch. Dann fragte ich, wer im Raum alles bloggt. Bei etwa zwei Dritteln der Anwesenden ging die Hand nach oben. Als ich fragte, wer in letzter Zeit eine dürftige Mail im Sinne von „Lieber Blogger, ich bin im Internet über dein Blog gestolpert“ bekommen hat, löste das allgemeine Lachen meine erste Frage zur Notwendigkeit auf. Ja, der Bedarf ist da. Die anschließende Diskussion war sehr entspannt und vieles, was wir im Kodex aufgreifen, findet sich da draußen auch im allgemeinen Verständnis wieder. Eine feine Sache.

Der Kodex ist bei uns aber vor allem aus zweierlei Gründen entstanden: Zum einen, weil wir bei all den Diskussionen zum Thema immer wieder die Sichtweise von Bloggern und ihren Wünschen lesen. Was sie gerne hätten. Wie man sie ansprechen soll. Was sie sich von Unternehmen wünschen. Vereinzelt gibt es Reaktionen von Unternehmen wie Audi.

Von Agenturen, die auch für ein Gros der Kontakte und Aktionen verantwortlich sind, hört man aber eher selten etwas. Wenn, dann sind es die bloggenden Agenturler, die auf ihren eigenen Anlaufstellen ihre Meinung kundtun. Wir wollten damit eine Diskussionsgrundlage schaffen, über die sich Nicole zum Beispiel sehr freut, während Christian schon ein, zwei kritische Schritte weiterdenkt.

Praktisch lernt es sich am besten, kostet aber Zeit und Nerven

Zum anderen haben wir an unseren Standorten in München und Hamburg über 100 Kollegen. Abzüglich derer, die sich um das Office und die Abläufe kümmern und durch ihre Ausrichtung keinen expliziten Kontakt mit Onlinern bezüglich eines Kunden haben, bleiben immer noch bis zu 70 Kollegen, die in ihren Disziplinen Beziehungsmanagement betreiben. Und das mit einer Vielzahl Kunden, Zulieferern, Medien, Journalisten – und eben Onlinern. Diese Kollegen brauchen Führung, die wir ihnen hiermit geben.

Klar, die Agentur-Digitalos, zu denen ich gehöre, sind immer ansprechbar und helfen, wo sie können. Wir kümmern uns im Idealfall auch um alle Beziehungen zu Onlinern, Bloggern, Influencern etc., die digitalen Output und Zufriedenheit für sie, uns und unsere Kunden bringen sollen. Aber wenn wir den Kollegen diese Aufgaben immer abnehmen, dann lernen sie es ja auch nicht, weshalb dann auch (teils) berechtigte Kritik wie etwa von Steffi auftaucht.

Führen und schrittweise dazulernen (lassen)

Lieber nehmen wir sie also so an die Hand und führen sie Schritt für Schritt unter unserer Aufsicht an das Thema ran. Das bedeutet zwar auch, dass manchmal Kollegen mit einer Mail zu mir kommen und fragen, ob sie die so an einen Onliner rausschicken können. Aber dann nehme ich mir als jemand, der all diese Erfahrungen schon gesammelt hat, verdammt nochmal die Zeit und beantworte genau diese Fragen. Auch wenn es bedeutet, dass ich ihre Mails Satz für Satz zerlege, weil sie eher Journalistenansprachen gewohnt sind. So sehen sie aber auch direkt, warum Beziehungsmanagement so eine komplexe Aufgabe voller Missverständnisse ist, obwohl alles doch so naheliegend erscheint.

Anders baut man keine Erfahrungsschätze auf, von denen dann später alle profitieren können. Enabling ist ein enorm wichtiger Ansatz in einem Feld, das in vielerlei Hinsicht immer noch in den Kinderschuhen steckt, auch wenn Bloggen und Co. seit 2006 als Bestandteil der Online-Kommunikation gelten. Da sehe ich mich in der Pflicht. [Auch wenn man als jemand, der schon ewig im Thema steckt, mittlerweile keinen Bock mehr hat, darüber zu sprechen, was ich auch verstehen kann.]

Braucht das Kind denn einen Namen?

Während der Blogparade wurde auch diskutiert, ob man von Blogger Relations sprechen sollte. Oder sind Influencer Relations nicht doch der bessere Titel? Was ist mit Online Relations? Oder Social Relations? Braucht es überhaupt noch ein weiteres Buzzword, wie Falk fragt.

Intern sprechen wir von Mikrozielgruppenansprache. Das ist zwar etwas umständlich, aber da wir keine Massenkommunikation betreiben, kann ich gut damit leben. Damit lösen wir uns übrigens auch mehr oder weniger elegant von der Diskussion, ob Relations an einem Blog festgemacht werden. Das Medium ist für uns nicht das erste Kriterium, wenn es die Botschaften, Wünsche und Meinungen unserer Partner am besten im Sinne derer, die wir kontaktieren, vermittelt.

Blog, Twitter, Facebook, YouTube, Instagram, Vine, Pinterest, Snapchat, … alles ist möglich. Warum also dann so über die Maßen an Begrifflichkeiten festhalten? Es spricht ja auch (noch) niemand von Instagrammer Relations, nur weil die Bildebene die beste für meine Ideen ist, während der Begriff YouTuber Relations tatsächlich fiel.

Hirn, Herz, Anstand, Wertschätzung

Was es für den Umgang zwischen Menschen mit ihren jeweiligen Interessen braucht, sind Hirn, Herz, Anstand und Wertschätzung für das, was das Gegenüber (am anderen Ende des Bildschirms) tut. Die meisten Blogger sind Amateure im Wortsinn. Sie lieben, was sie tun. Sie haben sich im Lauf der Zeit ein enormes Wissen zu ihrem Herzthema angeeignet. Wer davon profitieren will, der sollte all die Zeit, das Herzblut und die Nerven, die in die Online-Aktivitäten geflossen sind, entsprechend wertschätzen und mit dem nötigen Anstand sagen, was man sich vorstellt. Annette bezeichnet das sehr richtig einfach als Kommunizieren – offen und ehrlich. Sich in den anderen hineinzuversetzen oder gar selbst zu bloggen bzw. als Teil der Community (ähnlich) im Netz, auf Barcamps, Konferenzen und Meet-Ups unterwegs zu sein, das hilft auch ungemein, um einander kennen und verstehen zu lernen.

Wir sprechen hier schließlich von Beziehungen, die wir in unserem eigenen Interesse und zur Zufriedenheit aller (Auftraggeber, Mittler, Kontakt, Publikum, …) dementsprechend mit Respekt und der nötigen Sorgfalt aufbauen, pflegen und intensivieren wollen.

Geht’s raus und lest’s die anderen

Ich könnte jetzt noch sehr viel mehr dazu schreiben, aber das muss jetzt nicht sein. Lest euch lieber die vielen guten Beiträge der weiteren Teilnehmer zur Blogparade durch. Da lernt ihr am meisten. Und für alles andere bleibt die Kommentarfunktion.

photo credit: PhOtOnQuAnTiQuE via photopin cc

3 Kommentare

  1. […] “Hirn, Herz, Anstand, Wertschätzung” von Daniel Rehn: “Die meisten Blogger sind Amateure im Wortsinn. Sie lieben, was sie tun. Sie haben sich im Lauf der Zeit ein enormes Wissen zu ihrem Herzthema angeeignet. Wer davon profitieren will, der sollte all die Zeit, das Herzblut und die Nerven, die in die Online-Aktivitäten geflossen sind, entsprechend wertschätzen und mit dem nötigen Anstand sagen, was man sich vorstellt.” […]

  2. Danke für Deine Linkliebe.😉

    1. Habe mal gehört, dass man das so macht😉

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