„ReWork“: Klare Gedanken, entwaffnende Logik

ReWork

BWL hat mich noch nie interessiert. Das war und ist für mich trockene Theorie. Wie ich meine tatsächliche Arbeit besser machen kann, das zu wissen reizt mich hingegen sehr. Also las ich vor ein paar Tagen „ReWork“. Das Buch selbst ist unscheinbar, liest sich aber so unfassbar schnell und gut weg, dass ich nach knapp drei Stunden mit der englischen Ausgabe fertig war. Ich weiß nicht mehr, wem ich den Tipp dazu verdanke, aber es hat sich durchaus gelohnt.

„ReWork“ ist klar, einfach und entwaffnend logisch. Auf das Wesentliche reduziert, bleiben im Grunde nur praktische Tipps und Erfahrungswerte der Autoren Jason Fried und David Heinemeier übrig, die pro Kapitel keine drei Seiten beanspruchen und mit nett gescribbelten Aufmachergrafiken garniert sind. Lässt man sich auf genau diesen lockeren Stil ein, den augenscheinlich nur Start-Upper und Tykoone pflegen, kommt man so schnell zum Kern des Ganzen.

Ein paar Auszüge …

Planning is guessing – „[…] Unless you’re a fortune-teller, long-term-business- planning is a fantasy. There are just too many factors that are out of your hands: market conditions, competitors, customers, the economy, etc. Writing a plan makes you feel in control of things you can’t actually control. Why don’t we just call plans what they really are: guesses. Start referring to your […] strategic plans as strategic guesses. Now you can stop worrying about them as much. They just aren’t worth the stress.[…] Give up on the guesswork. Decide what you’re going to do this week, not this year. Figure out the next most important thing and do that. […]“

Workaholism – „[…] Not only is workaholism unneccessary, it’s stupid. Working more doesn’t mean you care more or get more done. It just means you work more. […] Workaholics […] try to fix problems by throwing sheer hours at them. They try to make up for intellectual laziness with brute force. This results in inelegant solutions. They even create crises. They don’t look for ways to be more efficient because they actually like working overtime. They enjoy feeling like heroes. […]“

Mission statement impossible – „[…] Standing for something isn’t just about writing it down. It’s about believing it and living it. […]“

Illusions of agreement – „[…] The business world is littered with dead documents that do nothing but waste people’s time. Reports no one reads, diagrams no one looks at, and specs that never resemble the finished product. These things take forever to make but only seconds to forget. […]“

„Aber wir können doch nicht einfach …“ – „Doch!“

Als ich das Buch las, nickte ich mehrmals, lächelte, fand mich darin wieder. Gleichermaßen hörte ich aber auch meinen inneren Vorgesetzten, den ich bei der Lektüre solcher Bücher gerne aus seiner Kiste lasse, der mich ermahnen wollte. „Kann man einfach so von Heute auf Morgen alles verändern? Ich denke nicht“, sagt er immer dann, wenn ich Ideen so toll fand, dass ich sie mir notierte. „Warum denn nicht?“ ist dann immer die an mich gerichtete Gegenfrage. Wenn ein „Weil das so sein muss“, „Das hat man immer so gemacht“ oder ähnliches folgen müsste, überspringe ich den Part. Ich mag auf sowas nur ungern hören. Denn es geht immer anders.

Und genauso reagieren sich jetzt einige, die hier mitlesen, als ich die Auszüge wiedergab. Schließlich braucht es beispielsweise doch unbedingt Business-Pläne und Strategiepapiere, die alles in sichere Bahnen lenken. Schaue ich mir dann aber für meinen Job an, was Facebook in den letzten zwölf Monaten für Kapriolen geschlagen hat, die vielen Unternehmen nun aufs Gemüt schlagen, weil Jahrespläne für Wachstum, Reichweite und Konsorten nur noch mit weiteren Ressourcen möglich sind, dann denke ich mir: fuck it! Es geht auch anders. Dieser andere Weg muss nur gefunden werden. Und wenn es einfach nur Pläne sind, die monats- oder quartalsweise aufgezogen sind, um den Kurs leichter ändern zu können. Schließlich hat keiner von uns eine Kristallkugel zur Hand.

Glauben und machen ist besser als meinen und planen

Genau diese Denke vermittelt „ReWork“. Ich gestehe, dass ich für diese Art von augenscheinlich sprunghafter Tätigkeit und Führung empfänglich bin, aber wenn ich nicht selber an Ideen und Pläne glaube, die meinem Kopf entspringen oder zumindest dort Platz finden, wie soll ich sie dann bestmöglich umsetzen? Wer clever genug ist Fehler einzukalkulieren, der kann sie auch machen und aus ihnen lernen. Und so überdenke ich seit der Lektüre meine Arbeit immer wieder.

Die Zeit zwischen den Feiertagen war eine gute Spielwiese, um erste Aspekte auszuprobieren. Warum zum Beispiel 30 Minuten Meeting ansetzen, wenn es auch 10 Minuten im Kalender täten? Noch besser: Warum nicht auf dem gemeinsamen Weg zur Teeküche klären, was anfällt? Zwei x zwei Minuten zur Lösung eines Problems sind bei einer Tasse Tee sinnvoller investiert als zwei x 30 in einem extra geblockten Raum, die noch dazu immer jemanden gerade aus seinem Workflow reißen.

Fazit

„ReWork“ ist nicht für jeden geeignet, aber alle, die mit den „neuen Medien“ zu tun haben, sollten es zumindest einmal gelesen haben. Die Logik und Haltung, die sich in diesem Buch verbirgt, dürfte so manchem die Augen für Neues öffnen.

4 Kommentare

  1. Die Einstellung zu modernem Arbeiten gefällt mir. Möglicherweise gefällt dir das Mini-Buch „Everything I Know“ von Paul Jarvis.

    1. Das kommt gleich auf den Wunschzettel. Danke für den Tipp!

  2. Jo habe das auch schon gelesen und kann es jedem weiter Empfehlen. Genial wie einfach man einige Dinge machen kann und dann sieht man auch wie man sich selber das Leben schwer macht und Unternehmen besonders die eine bestimmte Größe überschritten haben .

  3. Salut Daniel, wie schon auf Twitter geschrieben: Vielen Dank für die Empfehlung. Ich fühle mich nach dem Lesen mit meinen Gedanken zum modernen Arbeiten jetzt weniger allein – und sehe leider noch deutlicher, dass Einiges falsch läuft.

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