Hejsan! – Wie ich auszog, um Schwedisch zu lernen

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Weihnachten letzten Jahres gönnte ich mir etwas ganz eigenes: einen Sprachkurs für Schwedisch*. Warum? Weil ich diesen Herbst nach Stockholm möchte. Und Göteborg. Und Malmö. Und überhaupt … Schweden. Ich möchte da hin. Aber ich möchte nicht einfach nur dort hin, sondern auch ein wenig vor Ort verstehen. Etwas Smalltalk mit den Leuten betreiben. Einfach, weil ich es für angemessen halte, dass man als Gast versucht sich ein wenig anzupassen und einen Schritt auf seine Gastgeber zuzugehen.

Heute, sechs Wochen nach dieser fixen Idee, war meine erste Stunde Schwedisch. 90 Minuten in den Räumlichkeiten der staatlichen Handelsschule. In einem Raum, der sich nach Lernen anfühlt. Der diesen typischen warmen Muff hat, wie ihn wohl nur Lehreinrichtungen haben. Mit mir im Kurs: 18 weitere „Mitschüler“, hauptsächlich mein Alter, die Jüngste Anfang 20, der Älteste Mitte 50. Es sind die Neugierigen dabei, so wie ich, die, die etwas Neues und Abwechslung zum Alltag suchen, und jene, die schon am Ende der ersten Stunde fragen, ob sie aus dem A1-Kurs in A2 oder B-Level wechseln können.

Raus aus der Komfortzone heißt was auf Schwedisch?

Warum ich mir das antue, haben mich meine Kollegen auf der Arbeit noch gefragt. Als ich im Kurs sitze, wir gemeinsam das Alphabet auf Schwedisch durchgehen** oder uns wenig später gegenseitig im Wechsel wieder und wieder „Vad heter du?“ (Jag heter Daniel), „Vad bor du?“ (Jag bor i Hamburg) und „Vad jobber du?“ (Jag jobber i Hamburg-Hohe Luft) durch den Raum zusagen, um so etwas wie einen ersten Smalltalk zu imitieren, wird mir klar:

Vor 18 Leuten seinen Namen zu buchstabieren***, wieder und wieder die gleiche Imitation eines Gesprächs durchzugehen und dabei immer noch zu stolpern, dazu muss man erst einmal bereit sein. Man muss sich zum Horst machen, um wirklich einen Schritt nach vorne zu kommen.

Martin Oetting beschrieb das ganz toll, als er nach Mailand ging und sich zwang Italienisch zu lernen,
indem er viel zuhörte
und sich selbst in unangenehme Situationen im Sinne von „Ich verstehe nur die Hälfte und kann kaum richtig antworten, werde es aber schaffen“ brachte. Ich verlasse mit großer Freude gerade meine Komfortzone.

Englisch hilft dir nur ein bisschen, das Verständnis für Sprache eher

Wie wir also langsam auftauen und ich mir erste Namen merken kann (immerhin etwas bei meinem katastrophalen Namensgedächtnis), entwickle ich auch nach und nach ein Ohr für diese so seltsam anmutende Sprache. Ein paar Vokabeln lassen sich aus dem Englischen ableiten. Manches auch aus dem Deutschen. Mein kleines Latinum hilft mir nicht wirklich. Für die einfachen Infinitivformen bin ich hingegen schnell dankbar.

Mit Babbel auf dem Smartphone bewaffnet und den Kursbüchern in Griffweite werde ich mir nun nach und nach mehr Schwedisch draufschaufeln, um meine rudimentären Verhörmethoden auszubauen. Die Entscheidung, mir selbst dieses Geschenk zu machen, bereue ich nach heute Abend kein bisschen.

* Ich wurde sehr schnell belehrt, dass der Satz so nicht stimmt.

** Ich stelle fest, dass die Schweden bei der Aussprache der Buchstaben wohl durchgehend einen leichten Ekel verspüren … zumindest hilft mir die Vorstellung bei der richtigen Betonung

*** In der Aussprache wird aus „Daniel“ im Schwedischen zum Beispiel „Doniel“, da das A als langgezogener Vokal dem Klang nach zu einem O wird. Wieder was gelernt.

4 Kommentare

  1. Schwedisch ist toll, meist kann man ein paar Brocken verstehen und sich einen Teil zusammen reimen. Die Aussprache finde ich total schwierig. Das Gute, die meisten Schweden können perfekt Englisch sprechen.
    Weiterhin viel Spaß beim Verlassen deiner Komfortzone. Ich mach das gerade mit Spanisch. Noch ohne Kurs und nur mit Reisewörterbuch und iPhone Apps.

  2. Hej Daniel,
    ich wünsch dir viel Erfolg! Hab mich vor ein paar Jahren auch in das Projekt gestürzt. Vor Ort stellt man fest, dass die meisten Schweden so verwundert sind, einen Ausländer Schwedisch sprechen zu hören, dass sie gleich wieder Englisch reden. Das war etwas frustrierend, aber sprich dann einfach weiter Schwedisch. Zum Berieseln lassen (und vielleicht bleibt ja was hängen?) ist das schwedische TV super: http://www.svt.se/program/, man kann nämlich alles online sehen.
    Lg, Marlene

    1. Der Tipp mit dem schwedischen Fernsehen ist gut. Wenn es nur ansatzweise so gut funktioniert, wie bei meinem Englisch, dann ist das pures Gold für mich😉

      1. Und die Schweden haben noch dazu sehr anspruchsvolle und interessante, öffentlich finanzierte Sendungen!🙂

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