So bloggt Hamburg … und ich bin dabei

Bild: Franziska Veh

Bild: Franziska Veh

Seit letzter Woche bindet die Hansestadt Hamburg lokale Blogger in ihren Content-Mix auf hamburg.de mit ein. Das Motto dazu: „So bloggt Hamburg„. Und ich bin einer der Blogger, der von Beginn an dabei sein wird.

Erste Aufregung für eine altbekannte Diskussion

Auf netzpiloten.de gab es, kaum das das Projekt gestartet war, einen ausführlichen Beitrag von Martin Fuchs. Blogger würden sich mit ein paar Klicks statt Monetärem abspeisen lassen. Kann man so verstehen, muss man aber nicht.

Denn im Grunde ist es die selbe Diskussion, die man beim Start der Huffington Post schon führte. Ist Aufmerksamkeit eine Währung? Sind die publizierten Texte keine Auftragsarbeiten, die vergütet gehören? Muss man sich selber nahezu prostituieren, um den eigenen Traffic im noch nicht einmal gesicherten Maße zu steigern?

Fragen über Fragen, die Björn Köcher in seinem Kommentar zum Blogpost schon ausführlich beantwortet hat. Und doch möchte ich auch noch ein paar Worte darüber verlieren.

Vom Anfang bis zum ersten Schritt im selben Boot

Bereits im März gab es die erste Anfrage an Hamburger Blogger, ob man sich nicht mit dem Team von hamburg.de zusammensetzen wolle, um den kommunikativen Status Quo abzuklopfen. Aus einer geselligen Vorstellung der Prozesse und Ideen des Teams wurde recht zügig eine lebhafte Frage-/Antwort-Runde mit allen Beteiligten, die sich schnell einig waren: Der sehr vom Stadtmarketing geprägte Content ist toll für Touristen und „Ich muss die Öffnungszeit der Behörde rauskriegen“-Besucher der Website, aber Lokalkolorit suchte man vergebens. Aber das ließe sich ändern, wenn man möchte.

Für mich, der sich beim ersten Treffen zwar als Blogger in Hamburg verstand, aber nicht als Hamburg-Blogger, war und ist es spannend zu sehen, wie sich das Projekt entwickeln würde. Die „Wir sitzen im selben Boot“-Einstellung, die das hamburg.de-Team dabei vermittelte, war im positiven Sinne so ansteckend, wie die Offenheit über den Rahmen, in dem wir uns bewegen, professionell und ehrlich war.

Denn wir wissen, was wir tun

In zwei weiteren Treffen wurden also die Rahmenbedingungen immer genauer geklärt und so war auch von Anfang an klar, dass kein Geld für Blogposts fließen würde. Aber man hätte die Möglichkeit das Bild Hamburgs im Netz ein wenig mitzugestalten und neue Blickwinkel zu eröffnen.

An der Stelle könnten die Claquere der HuffPo-Debatte einstimmen, aber im Gegensatz dazu war auch hier schnell für alle klar: Wir zweitverwerten Artikel, die wir für unser Blog geschrieben hätten. Wir haben die volle Kontrolle darüber, welche Beiträge wir über hamburg.de spiegeln lassen wollen. Es sind keine Auftragsarbeiten, für die wir abkassieren könnten, sondern das Überlassen von Texten, die wir einem größeren Publikum aufs Radar spülen wollen.

Am wichtigsten aber: Wir bewegen uns in einem kleinen Pool von Kuratoren, die tatsächlich neue Blicke auf die Stadt ermöglichen, die sonst kein anderer liefert. Für jeden von uns gibt es ganz persönliche Beweggründe, um dabei zu sein. Mal ideelle. Mal kalkulierend. Mal aus Spaß.

Trotzdem hat jeder seinen ganz eigenen Fokus, den wir einbringen werden. Für mich werden es vor allem die vielen Events in der bunten Hamburger Kommunikationsszene sein, die über mein Blog den Weg zu hamburg.de finden werden. Termine und Veranstaltungen gibt es ja zur Genüge. Social Media Club, Webmontag, Barcamp Hamburg und viele mehr zeigen die Vielfältigkeit der Hansestadt. Es ist also die Neugier, die mich in den Pool der elf Blogger geführt hat. Sollte diese irgendwann erlischen, dann steige ich aus.

Aber solange ich Spaß an der Idee und dem Teilen meiner Beiträge habe, freue ich mich Teil des Ganzen zu sein.

5 Kommentare

  1. Lieber Daniel,

    vielen Dank für deine ausführliche Darstellung des Blogger-Projektes und deine persönlichen Beweggründe für die Beteiligung. Ein sehr gelungener Artikel. So etwas hätte ich mir als Info von hamburg.de gewünscht.

    Freut mich, dass mein kleiner pointierter Beitrag eine Diskussion angeregt hat.

    Ich habe auch grundätzlich nichts gegen kostenlose PR-Blogbeiträge. Was mich stört ist, dass auf der einen Seite immer wieder lamentiert wird, dass man mit seinen Online-Aktivitäten kein Geld verdienen kann, wenn sich dann aber die Chance ergiebt, sind die Blogger die ersten die darauf verzichten.

    Nun warte ich gespannt auf die ungewohnten Blickwinkel der Hansestadt und auch auf Kritisches zu Hamburg. Hier habe ich noch meine Zweifel. Glaube aber, nur wenn nicht alle Beiträge unter dem Motto „Willkommen in der schönsten Stadt der Welt“ stehen, kann das Projekt m.E. authetisch und erfolgreich werden.

    Wünsche Dir & dem Projekt viel Erfolg.

    Martin

    1. Keine Ursache. Drüben auf Facebook habe ich in einer anderen Diskussion auch schon angemerkt, dass die Ernsthaftigkeit des Projekts dann auf dem Prüfstand steht, wenn die ersten kritischen Beiträge zu Hamburg kommen. Daran wird sich das Team hinter dem Projekt seitens hamburg.de messen lassen müssen.

      Und es wäre ja noch nicht einmal kompliziert, das auf die Probe zu stellen. Denn was, wenn in der dem Blogger zugeteilten Woche ein Gastbeitrag eingereicht wird, der sich mit der Stadt, ihrer Politik oder etwas ganz anderem auseinandersetzt?

      Aber jetzt kann man ja erst einmal schauen, was passiert, wenn die ersten Wochen rum und Beiträge online sind.

  2. Als teilnehmende Bloggerin – und ich habe letzte Woche den Auftakt gemacht – freue ich mich, dabei zu sein. Vor allem aber darüber, dass wir bereits veröffentlichte Artikel hier präsentieren können und keinen Auftragsartikel schreiben. Ich glaube, dann hätte ich nicht teilgenommen, weil ich genau weiß, dass ich für ein offizielles Stadtportal eine andere Sprache wählen würde als jetzt und ich nicht mehr authentisch schreiben würde. So greife ich auf bereits veröffentlichte Artikel zurück. Und da ist es mir egal, ob da ein Hamburg-kritisches Wort drin steht oder nicht. Bei mir sind es auch eher „Spitzen“, die ich dann und wann mal setze.

    In allererster Linie beteilige ich mich an dieser Aktion aber, weil
    a) ich damit einen anderen Blick auf die Stadt geben kann
    b) ich natürlich hoffe, dass ich hierdurch mehr Traffic auf mein Blog erziele
    c) ich mich geschmeichelt fühle, dass ich mit meinem Nischenthema überhaupt dabei sein darf
    d) es irgendwie eine Bestätigung ist, dass mein Thema interessant ist. Und nicht nur für mich.

  3. Das ist nun der zweite oder dritte Ansatz meines Wissens, Blogger aus Hamburg ihrem Hamburg bezogenen in einer Gemeinschaftsaktion unter die „Marke Hamburg“ zu bringen. Der erste war mal von Hamburg@work. Das ist schon länger her.

    Einfacher wäre es, via RSS mit Einverständnis der ausgewählten Hamburger Blogger, ihre Inhalte gerne Zentral zu präsentieren. Ob Hamburg.de mit u.a. massiver und maßgeblicher Springer-Beteiligung und durch die FHH vertraglich zugesicherter Monopolstellung für Hamburg-Inhalte der Stadt und mit relevantem Contenthunger der Medienvielfalt dienlich ist, ist sicher mindestens diskussionswürdig. Just saying & my2cents.

    1. Hier. 2008:

      http://sprechblase.wordpress.com/2008/08/07/kleines-bloggertreffen-auf-der-cap-san-diego/

      Sorry für die Typos und etwas krause Formulierungen. Schreibe spontan und mobil vom Smartphone.

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