„Mein König? Ich habe dich nicht gewählt!“ – Ein Rückblick auf das Live-TweetUp zu „Spamalot“ im St. Pauli Theater

Ich weiß nicht, wann ich vor Freitagabend das letzte Mal im Theater gewesen bin. Was ich weiß, ist, dass ich innerhalb der nächsten sechs Wochen wieder in eines gehen werde. Dann nämlich, wenn ich mir Monty Pythons „Spamalot“ in seiner Hamburger Fassung ein zweites Mal ansehen werde.

Als ich vor gut zwei Wochen von livekritik.de angefragt wurde, ob ich mir das Stück am Premierenabend im Rahmen eines TweetUp einer kleinen Runde ansehen wolle, zögerte ich nicht wirklich. „Die Ritter der Kokosnuß“ treffen genau meinen Sinn für Humor. So wie eigentlich alles, was aus der Feder von John Cleese, Terry Gilliam, Eric Idle und Co. stammt.

Regie-Geplauder, Premierenluft und Lokalkolorit

Mit der Aussicht, vor dem Stück noch mit Regisseur Dominik Flaschka über die Adaption sprechen und danach die Schauspieler hinter der Bühne treffen zu können, war klar, dass ich dabei sein muss. Nicht, weil ich ein Mann des Theaters wäre, aber um zu sehen, wie man es schafft eine so grandiose Filmvorlage in ein Musical mit Gesang, Tanz und Sprechszenen zu verwandeln. Zu sehen, wie nah man am Original bleiben könnte und doch etwas ganz Eigenes zu schaffen, das für das Hamburger Publikum funktioniert.

So trafen wir Dominik Flaschka eine Stunde vor Beginn der Vorstellung bei einem Glas Sekt und plauderten über die Entstehung des Stücks. Darüber, dass die Bühnen in Basel und Zürich, auf denen man „Spamalot“ erstmals in den deutschsprachigen Raum trug, nur halb so groß sind wie im St. Pauli Theater am Spielbudenplatz. Darüber, dass man trotz doppelter Fläche das Ensemble von 30 auf elf Darsteller reduziert hat, die trotzdem immer noch 40 Rollen mit knapp 150 Kostümen spielen. Bei zweieinhalb Stunden mit Pause könnt ihr euch denken, welch massive Zahl an schnellen Kostümwechseln das bedeutet. Es war beeindruckend, das zu sehen, falls man vor lauter Tränen in den Augen vor Lachen überhaupt noch etwas sah.

Denn, und das muss man Flaschka und seinen Darstellern hoch anrechnen, sie haben es tatsächlich geschafft „Die Ritter der Kokosnuß“ in einem Raubzug so zu adaptieren, dass es als Bühnenstück funktioniert. Mit viel Liebe zum Detail, Wortwitz und zahlreichen Anspielungen hat man das Stück nicht nur dem Hochdeutschen angepasst, sondern auch in vielen Sequenzen mit ordentlich Lokalkolorit auf Hamburg zugeschnitten.

"He da! Wer ist Herr dieser Burg?" – "Das ist keine Burg. Das ist ein Chateau!"

„He da! Wer ist Herr dieser Burg?“ – „Das ist keine Burg. Das ist ein Chateau!“

Geniestreiche und Bauchweh vor Lachen

Da liegt das sagenumwobene Camelot als Nachtclub auf der Reeperbahn direkt neben dem Dollhouse. Da offenbart sich der Heilige Gral als etwas, das unser Wesen und die Gesellschaft zu bewegen vermag (die Esso-Häuser, die abzureissende Elbphilarmonie, ein Kantersieg des FC St. Pauli über den HSV, …). Und die Besetzung von Gott, der Arthus und seine Mannen auf die Suche nach dem Gral schickt, könnte besser nicht sein. Aber das und vieles mehr müsst ihr schon selbst herausfinden.

Ist die erste Hälfte des Stücks noch nah an der Film- und internationalen Bühnenvorlage angelehnt, entwickelt es nach der Pause eine ganz eigene Dynamik und Richtung. Das Warten auf die Highlights des Films (die Franzosen, die Kuh, der Schwarze Ritter, …), das in der Auflösung zu keiner Sekunde enttäuscht wird, wechselt sich im zweiten Akt mit der Neugier ab, was den tapferen Recken als Nächstes wiederfährt.

Wie gesagt, ich weiß nicht, wann ich zuletzt im Theater war. Bis zum 14. September, der letzten Vorstellung von „Spamalot“ in dieser Saison, werde ich aber auf jeden Fall noch einmal reingehen. Und ihr solltet das auch tun. Tickets gibt es unter anderem auf hamburg.de.

"Ihr seid besiegt! Gebt auf!" - "Ach, das ist nur eine Fleischwunde."

„Ihr seid besiegt! Gebt auf!“ – „Ach, das ist nur eine Fleischwunde.“

Danke für die Experimentierfreude und Einladung

Zum Schluss möchte ich mich an dieser Stelle noch einmal bei livekritik.de und im Besonderen bei Rod Schmid und Sonja Schreiber bedanken. Die Einladung selbst war schon toll. Was man aber an Herzlichkeit und Engagement in der Organisation an den Tag gelegt hat, war wirklich klasse.

Ebenso gilt mein Dank Dominik Flaschka für seine Zeit trotz der großen Aufregung vor der Premiere sowie den Darstellern um König Arthus Eric Hättenschwiler, die uns danach noch hinter den Kulissen im Schauspielerbereich empfangen haben. Es war großes Kino zu sehen, mit welcher Leidenschaft sie ihren Beruf ausleben. Schlussendlich bleibt das St. Pauli Theater zu erwähnen, die sich auf das Experiment eines TweetUp eingelassen haben. So viel Mut muss man erst einmal haben, um ein noch nicht getestetes Stück von Fachkundigen wie auch Laien live begleiten und kommentieren zu lassen.

Wer Eindrücke und die Live-Updates nachverfolgen möchte, der findet sie für Twitter und Instagram jeweils unter #spamalotHH.

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One comment

  1. […] Gyllenhaal in die Hauptrolle zu stecken. Ich hatte auf Einladung von livekritik.de wie schon bei #SpamalotHH das Vergnügen am Premierenabend dabei sein […]

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