Warum ich mir beim Bloggen keinen Stress mehr mache

Dont_Stress_Yourself

Samstag war es wieder so weit: Blog-Geburtstag. Sechs Jahre „digitales & reales“. Und ich dachte mir so im Stillen: Wieder ein Jahr mehr mit diesem Blog. Wieder ein Jahr, in dem sich meine Beziehung zum Bloggen verändert hat. Was könnte als Anlass also passender sein, um mir genau darüber ein paar Gedanken zu machen?

Schaue ich auf die stumpfen Zahlen (und welcher Blogger tut das nicht?), dann blogge ich mittlerweile weitaus weniger bei mehr Reichweite. Hier und da mal ein paar Zeilen zu einem Case, der mich anspricht, oder eine gar nicht so doofe Infografik, die mir bei Pinterest über den Weg läuft. Dazu Sharing über Twitter und Konsorten sobald der Post veröffentlicht ist. Dann läuft die Maschine schon an und die Visits tröpfeln rein. Dafür ist man ja lange genug dabei und hat sich ein Publikum aufgebaut, um treue Leser und etliche Suchmaschinentreffer für das Grundrauschen zu haben.

Nur hat meine Motivation zum Bloggen deutlich abgenommen. Das liegt weniger an der dafür nötigen Zeit, die es bräuchte. Es war die Lust, die mir zuletzt immer öfter fehlte. Aber auch hausgemachter Stress. Und das ist es, was mich zu diesen Zeilen bringt.

Man bloggt für sich und nicht für die anderen

Wie oft habe ich etwas wie „Warum denn jetzt noch einen Artikel schreiben, wenn ich das Ganze vorhin über Facebook geschubst habe?“ gedacht? Beschlossen, dass sich die Punchline in 140 Zeichen auf Twitter für mich leichter setzen lässt, statt noch einmal den Laptop aufzuklappen. Und mich dann geärgert, weil es keinen Retweet-Applaus und Like-Regen für diese Informations- oder Unterhaltungshäppchen gab, die entweder zu kurzlebig waren oder durch den Algorithmus gar nicht erst gesehen wurden.

Blöd gelaufen, dachte und denke ich mir dann immer. Beim nächsten Mal klappt es sicher, säuselt die Stimme im Inneren. Ja, bestimmt. Nicht. Ich weiß es besser und habe trotzdem in den letzten Wochen und Monate trotzdem zu selten den Hintern hoch bekommen, um mich doch noch einmal für mehr als 500 Zeichen an die Tasten zu setzen.

Wenig später folgte dann fast immer der Blick ins Blog und das verduzte Wundern setzte ein. „Hm … Der letzte Beitrag ist echt schon wieder drei / vier / fünf Wochen her?“, dünkt es mir dann. Schon blöd für so einen Digital-Kasper, der beruflich immer ganz anderes predigt und nicht einmal einen Blogpost pro Woche schafft. Das Grübeln setzt ein: „Junge, der nächste Post muss knallen. Die unangekündigte Pause vergessen machen, die keine war!“

Nur in meinem Kopf …

Je länger ich wartete, umso schwieriger wurde es mit dem „Comeback“. In etwa so wie ein unangenehmer Anruf bei der Verwandtschaft oder altem Kumpel, den man verschiebt und verschiebt und es dann nicht mehr auf die Kette kriegt mal den Hörer in die Hand zu nehmen, weil man nicht glauben mag, dass sich der andere trotz der Funkstille noch über ein Lebenszeichen freut. Sich zu überwinden wird immer schwieriger. Man lässt es bleiben und – ZACK! – hat man wieder zwei Wochen nichts gebloggt und die Pause wird länger und länger.

Mit viel Elan soll es nun angegangen werden. Aber was wird die Story? Mal wieder einen Case aufbereiten, der tags zuvor bereits von US-Blogs als heißer Shice gefeiert wurde? Naaah, eigentlich zu langweilig. Das lief schon durch die Timelines … Schnell ein digital-kritisches YouTube-Video ranziehen und etwas von Web-Detox schreiben? Ganz sicher. Glaubt man mir ja auch total, wenn „Wenn nicht schlafend, dann online“ mein überall kommuniziertes Credo ist und ich dazwischen immer und überall Posts rausgejagt habe.

Der Blick wandert zu Twitter. Da war doch dieser Essay zur Digitalisierung … Dazu kann ich doch meinen Senf abgeben! Favs durchsuchen, die eigenen Updates weit runterscrollen, … oh, da hat der „Erso“ ja schon etwas geschrieben. Und die Replik von „Sieso“ war auch der Knüller. Wenn ich jetzt drei Tage später noch um die Ecke komme … lieber doch nicht. Wäre lahm und die anderen fragen sich bestimmt, was das jetzt sollte.

Takin‘ it easy

Und nu‘? Nun mache ich mir keine Gedanken mehr dazu. Ich habe irgendwann aufgehört mir Gedanken dazu zu machen, mich zu stressen. Lieber habe ich anderen aufs Pferd geholfen und sie zum Bloggen gebracht, Twitter erklärt und an Snapchat und Konsorten rangeführt. Das hat mich erfüllt. Anderen meine Herzthemen zu vermitteln. Aber das Bloggen, das fehlte mir dann doch immer wieder einmal. Nur aus dem Knick scheine ich nicht zu kommen. Zu verkopft zum Tippen. Blogger-Yips, wenn man so will. Dabei ist ja genau das das Schöne am Bloggen. Es war schon immer da. Facebook, Twitter, Instagram, YouTube, Pinterest, Periscope, Snapchat, … das kam alles nach meinem ersten Blog. Damals, als es noch „Ins Internet schreiben“ hieß.

So blicke ich also auf sechs Jahre Bloggen zurück und kann mich ganz entspannt zurücklehnen. Ich schreibe, wenn ich mag. So wie jetzt. Wenn es zu lang für Twitter und zu schade für Facebook ist. Wenn es mir wert ist, dass ein paar meiner flüchtigen Gedanken doch nicht so flüchtig bleiben. Nicht für den Applaus, die Likes oder die Zustimmung von außen. Sondern einfach, weil mir danach ist, ohne etwas perfekt hinkriegen zu müssen. So wie das Foto oben zum Beitrag. Das war in seiner Entstehung auch eher Zufall, gefällt mir aber gut genug, um es jetzt als Sinnbild zu verwursten. Das ist die Freiheit, die mir das Bloggen so lieb und teuer macht und hoffentlich noch lange erhalten wird.

8 Kommentare

  1. Schön geschrieben.
    Mir geht es in letzter Zeit ganz ähnlich, die Motivation zur Regelmäßigkeit fehlt und der Gedanke „wenn ich es nicht regelmäßig mache kann ich es auch gleich lassen“ schleicht sich ein. Für mich taste ich mich im Moment wieder ran herauszufinden, wie ich mir das Bloggen angenehm gestalten kann.

    1. Ja, der Gedanke es richtig zu machen ist echt fies. Am gleichen Ansatz scheitert (bis jetzt) auch mein ewiger Wunsch nach einem Umzug auf einen eigenen Server und ein neues Layout … Umso mehr drücke ich dir die Daumen, dass du so wieder deinen Rhythmus findest!

  2. tjaja, wir bloggerisches urgestein erfahren halt am eigenen leib die zentrifugalkräfte der Großen Sozialen Medien. weblog ist quasi analoges internet. mir gehts genauso. freilich sind die visits (noch?!) ermutigend, weiterzutun, aber das direkte feedback nimmt ab. mehr und mehr treffe ich meine bloggercrew auf twitter und facebook wieder. und dort gehts dann halt im telegrammstil weiter. wohin wird die würze der kürze noch führen?

    1. Das ist die Frage, die es zu beantworten gilt. Bloggen fühlt sich gerade ob seiner „Langsamkeit“ im Vergleich zu den anderen Optionen herrlich anachronistisch an und sorgt ausgerechnet damit für diesen Druck, den man sich dabei macht. Es „versendet“ sich ja nicht so schnell wie ein Tweet und das Feedback … das hast du ja schon angesprochen. Das verlagert sich einfach auf andere Plattformen und nimmt so mancher Diskussion im Blog die Grundlage, weil niemand an vier verschiedenen Stellen die Versatzstücke suchen mag.

      Dem zum Trotz wird das Schreiben ins Netz in Langform weiter bestehen. Am Ende heißt es dann wohl einfach nicht mehr Bloggen, sondern ist so normal wie digitale Kommunikation, die wir ja auch immer seltener Social Media nennen.

  3. Geht mir ähnlich. Ich blogge nach nun mehr 10(!) Jahren mittlerweile auch nur noch, wenn mir danach ist. Keine Zeit. Keine Lust. Kein Thema sind mittlerweile gute Gründe nicht zu schreiben. Wobei das erstellen eines Foto-Beitrags ca. 3 Minuten dauert. Aufwändiger ist da immer die Vorauswahl, Bearbeitung der Bilder etc.

    Das ist schönste am eigenen Blog ist aber die Möglichkeit sich auszuprobieren und einfach mal Sachen zu machen.

    In diesem Sinne: Auf die nächsten 6 Jahre und viele weitere.

    1. Besten Dank. Mit der Interview-Serie zu Fußball-Menschen hast du auf jeden Fall einen tollen Aufhänger, um in die Tasten zu hauen😉

  4. […] Warum ich mir beim Bloggen keinen Stress mehr mache, verrät uns Daniel. […]

  5. […] dass ich lange nichts mehr geschrieben hatte. Aber so lange? Daniels völlig richtige Haltung Ich schreibe, wenn ich mag in Ehren. Aber ein Blogger Relations Specialist sollte nicht nur darauf verweisen können, früher […]

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