All I Have To .GIF: Meine Liebe für animierte Grafiken und warum ich sie so gerne in Präsentationen benutze

Wenn es etwas gibt, das ich an meinem Job wirklich mag, dann sind es Präsentationen. Externe Workshops beim Kunden. Intern mit den Kollegen. Egal … Hauptsache, ich habe ein Publikum, mit dem ich mich auseinandersetzen kann. Was mir am meisten daran Spaß macht? Nicht nur Wissen zu vermitteln, Perspektiven aufzuzeigen und hier und da mit mir zugesicherter fachlicher Kompetenz zu überzeugen, sondern die anderen zum Lachen zu bringen. Mit .gifs.

Ich weiß nicht mehr genau wann ich damit angefangen habe sie in Präsentationen einzubauen, aber eines ist unumstösslich und absolut wahr: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte – und ein .gif sagt noch viel mehr. Wenn wir das geschriebene Wort und Emojis als Grundlage der Kommunikation im Netz ranziehen, dann ist das Graphic Interchange Format die dritte Fremdsprache des Web. Und ich maße mir an zu behaupten, dass ich sie beherrsche.

Was Humortheorie mit .gifs zu tun hat

Was mich vor allem an den simplen Loops fasziniert, ist die Vielfalt der Reaktionen, die man bei gezieltem Einsatz sehr treffsicher hervorrufen kann. Eine grundlegende Komponente dabei ist immer Humor. Je nachdem, welchem Zweig der aktuellen Diskussionen zur Humortheorie man folgen möchte, helfen .gifs in jedweder Form die eine Reaktion hervorzurufen, die subtil dafür sorgt, dass meine „Auftritte“ unabhängig vom Thema fast durchweg als gut wahrgenommen werden.

Nehmen wir – und dieser kleine Exkurs muss jetzt sein – für den Einstieg in die Materie den Ansatz der Erleichterungs- und Entspannungstheorie. Hier wird Humor als Ventil verstanden, das sowohl emotionale wie auch physiologische Folgen hat. Lachen hat in diesem Fall eine reinigende Wirkung, die sich gemäß Gesetz der Masse und unter Berücksichtigung der sozialen Theorie des Humors vor allem in der Gruppe in einer zunehmenden Entspannung ausdrückt. Oder auch: Lachen verbindet. Schließlich fühlt man sich nach einem gemeinsamen Lacher mitsamt Cocktail aus Endorphinen und Encephalinen ungleich wohler, wenn alle anderen um einen herum auch gut oder zumindest besser drauf sind. In diesem Fall habe ich als Vortragender die Möglichkeit dem Publikum dabei zu helfen zusammenzurücken, da es verbindende Gemeinsamkeiten serviert bekommt. (Ähnliches lässt sich übrigens auch dann beobachten, wenn zu jedwedem Fernsehformat die Timeline auf Twitter glüht. Man tauscht gemeinsam Bonmots aus und fühlt sich den eigenen Followern danach gleich wieder näher als zuvor.)

Im Gegenzug ist Humor im Kontext der Überlegenheits- und Aggressionstheorie aber auch ein Mittel zum Zweck in eigener Sache. Indem ich in meinen Vorträgen meist ganz bewusst ein bis zwei Stellen berücksichtige, in denen ich über mich selbst lachen kann, schütze ich mich vor der „Aggression der Gruppe“, die auf eine fehlerfrei vorgetragene Präsentation ablehnend reagieren würde. In diesem Kontext nimmt der gezielt platzierte Makel der ohnehin unnatürlichen Situation eines Vortrags den Schrecken und die Schwere. Kurzum: Lachende Hunde beißen nicht.

Bleibt als vierter Ansatz die Inkongruenztheorie, die Humor als Stimulus einordnet, der eine Situation entgegen der eigenen, gelernten Erwartungen lockert oder komplett auflöst. Der Effekt der Überraschung an sich, ein angedeuteter Perspektivwechsel oder auch einfach nur das Weglachen einer Situation reichen schon, um sich mit den Gegebenheiten besser arrangieren zu können. Was mich an diesem Ansatz am meisten reizt, ist die Komplexität, die es dafür braucht: Ein Witz muss erst erkannt werden, damit er als solcher verstanden wird. Das setzt beim Publikum nicht nur eine gewisse Abstraktionsfähigkeit voraus, sondern auch Kreativität und die Fähigkeit zum assoziativen Denken. Und an diesem Punkt kommen die .gifs wieder ins Spiel.

Ich spreche fließend .gif – weil ich es muss

Auch wenn die Suche nach dem idealen Material in Zeiten von Giphy, imgur, reddit, Tumblr und Co. so ungleich leichter und gleichzeitig komplizierter geworden ist, bleibt die Vorbereitung das Spannendste. Damit ein .gif punktgenau funktioniert, ist man als Vortragender nämlich regelrecht gezwungen sich Gedanken über seine Präsentation und deren Inhalte zu machen.

Es geht nicht mehr einzig darum die ansatzweise richtigen Worte auf Folien zu klatschen und halbwegs eloquent vorzutragen, sondern die Essenz einer Aussage in eine popkulturelle Anspielung oder auch Visualisierung einer Szene zu stecken, die von allen im Raum sofort erkannt, verstanden und richtig eingeordnet wird.

Ich gehe so weit und sage: Ein klug gewähltes .gif ist die perfekte Punchline für jedwede Ausführung. Ich warte nur noch auf eine Studie dazu, die das belegt. Bis dahin beruhe ich mich aber darauf, dass die gezielten Lacher und das Zum-Lächeln-Bringen nicht nur Mittel zum Zweck sind, sondern meinen Zuhörern auch dabei helfen sich Inhalte besser zu merken, da das Gehirn in diesem Zustand leistungsfähiger ist.

„I’m not that great with words. But if I find the perfect GIF, it nails it.“
– Jerrod Howlett, Angestellter bei Google (kurz nachdem die Anfrage eines Reporters mit einem .gif beantwortet wurde)

Genau das macht mich im Umkehrschluss aber auch wieder zu einem besseren Vortragenden. Neben der Auseinandersetzung mit den eigenen Inhalten muss ich mir auch Gedanken über mein Publikum machen. Es geht nicht mehr einzig darum zu überlegen, ob ich einen fachlichen Wissensstand bedienen kann, sondern auch persönliche Bezugspunkte heranzuziehen. Angefangen vom Alter, um den Korridor für den popkulturellen Kanon abzustecken, bis hin zur Medienaffinität, um Bezüge zu bestimmten Themen aufgreifen zu können. Ein Publikum, das ansatzweise bei Sinnen ist, weiß das zu honorieren. Selbst dann, wenn es all das eher unbewusst wahrnimmt.

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Know your shit. And theirs.

Ein simples Beispiel: .gifs, die sich auf Szenen aus Disney-Filmen wie „Der König der Löwen“, „Aladdin“ oder auch „Arielle“ beziehen, funktionieren für alle, die in den 1980ern und 1990ern Kinder / Teenager waren (also meine Altersklasse) oder aber Kinder im entsprechenden Alter hatten (ganz grob gesagt alle Älteren in der Agentur), ungemein gut. Gleiches gilt für Szenen aus modernen Filmklassikern wie „Matrix“ und Co., die sich in das kollektive Bewusstsein eingebrannt haben. Wahlweise auch mehr oder weniger aktuelle Serienmotive wie „The Simpsons“, „How I Met Your Mother“, „Game of Thrones“ und so weiter, auf die man sich beziehen kann. Das sind Elfmeter auf leere Tore und richtig eingesetzt klappt das immer.

Etwas schwieriger wird es dann schon bei .gifs, die sich unter anderem auf Filme beziehen, die nicht jeder gesehen hat. Meine Lieblinge dabei: Alles aus „Mel Brook’s Spaceballs“ und „Anchorman“. Hier erreiche ich gerade bei internen Präsentationen, bei denen ich mir das Experimentieren auch erlauben kann, oft nur einen bestimmten Teil meiner Kollegen – die dafür aber umso mehr. In diesen Fällen greift dann wieder die Fähigkeit zum Assozieren der Szene im Kontext der Aussage. Wer den Film nicht kennt, kapiert den Witz des .gif nicht. So einfach ist das. (Ich persönlich fürchte bereits den Tag, an dem Anspielungen auf „Der Prinz von Bel-Air“ mit Will Smith nicht mehr greifen … Das war und ist immer noch eine meiner Lieblingsserien, verdammich!)

Folglich muss man lernen zu variieren. Wer nur noch mit Popkulturzitaten um sich wirft, läuft Gefahr in eine Ecke Schublade gepackt zu werden, die schnell langweilig wird. Reactiongifs, Sequenzen mit Tieren, Comics, … das alles sind legitime Ergänzungen, die mir selbst wieder vermehrt Freiheiten geben, um auf den Punkt liefern zu können. Aber auch das setzt wieder voraus, dass man auf dem Laufenden bleibt und weiß, was im Netz gerade als „heißer shice“ gilt, um sich darauf beziehen zu können. Aber alles andere wäre auch zu einfach. Und für einfach fehlen mir der Wille und die Zeit.

TL;DR: Ich liebe .gifs als dritte Fremdsprache des Web nicht nur, weil sie unterhalten, sondern – richtig eingesetzt – eine Bereicherung der eigenen Kommunikation sind, von der alle etwas haben.

3 Kommentare

  1. Danke für diesen Beitrag, wirklich sehr interessant und lehrreich! Und ich stimme dir vollkommen zu, Gif’s sind eine Bereicherung der eigenen Kommunikation und kommen vor allem – richtig eingesetzt – in Präsentationen gut an. Für mich als Werbetreibender sind Gif’s immer eine Option, egal ob es interne Präsentationen für mein Team sind oder direkt an den Kunden geht. Wobei man bei Kunden noch deutlich präziser und sparsamer wählen sollte.
    Liebe Grüße
    Jim

    1. Jepp. Im Außeneinsatz muss man sich wirklich sicher sein, ob und wie ein Kunde / Externer darauf reagieren könnte. Ein wenig Zockermentalität kann aber nicht schaden. Man muss ja nicht gleich die totalen Insider reinpacken😉

  2. […] This blog post is written in German. It applies humour theories to GIFs and talks about them as a “third foreign language” of the internet. I find the first aspect very interesting and the latter one, of course, debatable🙂 […]

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