Review: MPI Germany DialogTag 2010 (14./15.01., Darmstadt)

Das waren sie also, die DialogTage 2010 der MPI Germany im Kongresszentrum darmstadtium. Alles in allem hieß das knappe 17 Stunden Beisammensein bei Vorträgen, Diskussionen und allem, was bei einem Meeting dieser Größenordnung sonst so dazugehört. Doch die Frage, die sich gerade nach derlei Veranstaltungen stellt, ist immer die selbe: Was bleibt bzw. was nehme ich aus den vergangenen zwei Tagen mit?

Rein subjektiv betrachtet würde ich als ersten Punkt „es lebe der Studentenrabatt!“ rufen, ehe ich meinen Dank an eine wirklich gelungene Organisation richten würde, um mich dann den Inhalten der nicht immer aufschlussreichen, aber doch unterhaltsamen Vorträgen mehr oder weniger in Kurzform zu widmen.

Tag 1:

Key Note When We Meet, We Change The World –
Respectful Change Leadership In The Age Of Obama (Betsy Myers)

Gaststar des Kongresses war Betsy Myers, die als Organisatorin der Online-Spendenkampagne Barack Obamas während des Wahlkampfs zum US-Präsidenten einen erheblichen Anteil an dessen Sieg hatte. Ihr war auch das Motto der Veranstaltung zu verdanken, da sie die Keynote „When we meet, …“ regelrecht lebt. Und trotz des Erfolgs der von ihr entwickelten Kampagne, die sich ausschließlich auf den kollaborativen Gedanken von Social Media und Networks stützte, betonte sie in ihrer Eröffnung immer wieder die Bedeutung des direkten Kontakts. „There is no technology that could be able to replace face-to-face contact“ war ein Statement, das nicht nur einmal fiel. Vielmehr gab sie Einblicke in die Art und Weise, wie der damalige US-Präsident in spe während seines Runs gen Washington mit drei einfachen, aber effektiven Grundsätzen zum Erfolg kam:

1. Whatever you do, run it as a business.
2. Whatever you do, run it with respect.
3. No drama.

Im Grunde war das, was Betsy Myers so sympathisch und authentisch vermittelte, kein Hexenwerk, aber mir scheint, dass es manchmal die einfachsten Dinge sind, die die größte Wirkung erzielen können.

Vom Jonglieren im Trend-Zirkus –
Handwerkszeug für Führungskräfte (Mathias Haas)

Der Vortrag in den wichtigsten Stichpunkten:
– Veränderungen können nicht erzwungen werden, sie passieren einfach und manifestieren sich nach sechs bis neun Monaten im Bewusstsein
– Beteiligung im Web geht Hand in Hand mit der eigenen Darstellung
– auch Online ist in der Lage Identitäten zu schaffen
– „Die Abwrackprämie hat das Ende des Autos als Statussymbol eingeläutet“ mit Verweis auf Statussymbol im Kleinen, Alltäglichen -> iPod, Starbucks-Kaffeebecher, …
– „Es geht stärker um Wohlfühlen, denn um Wohlstand“
– Verbraucher konsumieren Inhalte nicht nur, sondern produzieren selbst welche -> ProdUser, wie Thomas Pleil sie uns im Kurs vorstellte
– Unternehmen werden öffentlichen Raum besetzen, um die eigene CSR und Marke zu stärken (Bsp. Sony Center in Berlin)
– Zielgruppenanalysen werden auf Grund von zunehmender Individualisierung der Verbraucher schwierig bis unmöglich, da zu differenziert
– Vertrauen wird sich zum wichtigsten Gut in diesen Zeiten des Wandels entwickeln

„Doch! Charisma ist erlernbar! –
Von der Kunst. selbstsicher aufzutreten“ (Adele Landauer)

Eine sehr unterhaltsame Session mit Schauspielerin und Coach Adele Landauer, die sich inhaltlich jedoch sehr mit dem im ersten Semester absolvierten Rhetorik- und Präsentationstechniken-Seminar überschnitt. Ergo nichts Neues, aber sich die Wirkung des eigenen Auftretens wieder vor Augen zu führen kann nie schaden😉

GREATVERTISING 2020 –
20 Tipps für die kommende Dekade (Marc Flint)

Marc Flint, seines Zeichens Redner, Berater und Dozent an der Universität der Künste Berlin, amüsierte mit 20 Tipps, die er in einer (dem Tenor des Publikums nach fast schon zu) selbstbewussten Art vermittelte. Alte Denkmuster ablegen, „aufhören die Stühle auf der Titanic zu streichen“, offen für Neues sein oder als Chef im Vergleich zu sich selbst qualifizierteres Personal einstellen (ganz persönliche Expertengruppen anlegen) war nur eine handvoll Vorschläge, die 2010 bis 2020 erträglich und ertragreich machen könnten.

Tag 2:

Leidwolf oder Leitwolf –
Über Klarheit, Kommunikation und Konsequenz (Isabelle Ziegler)

Jeder möchte ein Leitwolf sein, aber niemand möchte dabei auch gleich Wolf sein. Ja, es klingt auf den ersten Blick etwas seltsam, trifft den Nagel aber auf den Kopf. Unser Verhältnis zu Macht ist – ähnlich dem zu Wölfen – ziemlich ambivalent. Die wenigsten haben einen Wolf (oder übermäßige Macht) am eigenen Leib erlebt, sind aber dennoch nicht sonderlich scharf auf den direkten Kontakt.
Passend dazu gab es drei Psychogramme der Wölfe im Unternehmen, die jeder von uns mal kennengelernt hat:
– das Schaf im Wolfspelz ist die Karriereleiter eher zufällig hochgestolpert und will vor den ehemaligen Kumpeln nicht als Numero Uno daherkommen, kommt aber auch nicht wirklich um die Rolle rum. Im Grunde wäre er lieber mit seinen Jungs dicke, einer von ihnen aus der Herde, tarnt sich aber eher schlecht als recht mit einem viel zu großen Pelz und leidet vor sich hin
– der einsame Wolf ist der Macher wider Willen. „Wenn ich es nicht mache, dann macht es ja sonst keiner“ ist der Standardsatz des leistungsorientierten Anti-Rudelmitglieds – Teamplayer sind die Einsamen nämlich nicht wirklich
– der „amerikanische“ Wolf markiert sein Revier schon beim Betreten des Raums und lebt von und spielt mit der Eingeschütertheit der Beta- bis Omega-Tiere. Begegnet dem Selbstwert-Narziss aber jemand auf Augenhöhe, dann ist das Verbeissen nicht weit weg…

Der Ausweg aus all diesen Miseren liegt in einer verbesserten Kommunikation im Rudel (Unternehmen). Probleme sollten angesprochen werden können, ehe sie zum Split führen.

Betsy’s 7 C’s Of Change (Betsy Myers)
Daraus werde ich noch einen separaten Artikel basteln (wahrscheinlich am So., also habt bitte noch ein wenig Geduld)😉

Social Marketing
Von XING-Attacken, Facebook-Feuer und Stahlgewittern (Dr. Hajo Schumacher)

Kurzum: Nach Betsy Myers‘ 7 C’s der beste Vortrag der zwei Tage – und das obwohl ich inhaltlich nicht überrascht wurde, da ich mit Ausnahme eines Clips zur App der Sports Illustrated für das kommende Apple Tablet alles andere schon kannte.

Die wichtigsten Stichpunkte:
– der Bürger entdeckt Art. 5 GG für sich und äußert seine Meinung online zu allen Themen (und das teils auf einem Niveau, das laut Schumacher die Frage nach der Daseinsberechtigung der Journalisten aufwirft)
– die Medienrevolution macht sich an vier zentralen Merkmalen fest:
1. neue Distributionswege
2. veränderte Finanzierung (Printanzeigen vs. Google Ads)
3. Produktion (einmalige Online-Produktion vs. Copykosten im Print + Generierungsfaktor Zeit – aus 15 Std. Wartezeit vom Ereignis bis zur Information im Print sind online keine fünf Minuten geworden)
4. anderes Verständnis für Medien (always on und immer up to date)
– Social Media bedeutet laut Schumacher, dass sich Menschen auf digitalem Wege austauschen
– die Mediennutzung marschiert schnurstracks auf die absolute Echtzeitkommunikation zu und selbst Online-Games wie World of Warcraft ist ein Zeichen dieser veränderten Mediennutzung (Eskapismus vor der bösen Realität, während Online als bessere Welt wahrgenommen wird)
– die zentralen Werte in Social Media sind totale Transparenz und Kontrollverlust, die mit Offenheit und Ehrlichkeit ergänzt werden

Des Weiteren wurden diese Videos präsentiert, um den Wandel aufzuzeigen:
Social Media Revolution
BLANK
Sports Illustrated – Tablet Demo 1.5

Fazit

Schee war’s, aber net neu. Die Tatsache, dass wir uns innerhalb unseres Hauptstudiums per se mit den kommunikativen und technischen Entwicklungen im (Social) Web befassen und meistens am Puls der Zeit agieren ließ nicht viel bis gar keinen Platz für neue Informationen zum Thema Web – aber das war auch nicht das Hauptaugenmerk bzw. Ziel des Kongresses, der sich um Kommunikation an sich drehte.

Wirklich faszinierend war aber Betsy Myers. Eine so sympathische und vor allem auch authentische Rednerin habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Und sie bestätigte meinen Eindruck, den ich bislang bei amerikanischen Reden sammeln konnte. US-Redner legen bei ihren Ausführungen einen wesentlich höheren Wert auf die narrativen Elemente als unsereins und flechten mit einer Selbstverständlichkeit Anekdoten und persönliche Erfahrungen ein, dass es eine wahre Freude ist.

Ein positives Zeichen im Allgemeinen war allerdings die bei allen verbreitete Erkenntnis über eine zwingend nötige Veränderung im Führungssektor, damit Krisen wie diese nicht erneut durch Kurzsichtigkeiten und mangelnde Kompetenzen entstehen.

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