Die vierte Stufe der Kommunikationssysteme nach Merten

Im Rahmen meiner Diplomarbeit habe ich in den letzten knapp zwei Monaten eine Vielzahl an Kommunikationssystemen zu Gesicht bekommen, die mir allesamt mal mehr, mal minder zugesagt haben. Keines hat mich jedoch so sehr angesprochen wie jene Entwicklung der Kommunikation, wie sie Prof. Dr. Klaus Merten aufgestellt hat.

In ihrer grundlegenden Überlegung sind seine drei Stufen vom archaischen Kommunikationssystem über das Kommunikationssystem der Industriegesellschaft bis hin zur Mediengesellschaft ebenso simpel wie treffend nachzuvollziehen (siehe Grafik), weswegen ich diese auch als einen meiner Kernpunkte für der Evolution der PR in meine Einleitung aufnehmen möchte.

E steht dabei für das Momentum des beobachtbaren Ereignisses, welches Rezipient R im archaischen Kommunikationssystem unmittelbar und unvermittelt wahrnimmt, während ihm im System der Industriegesellschaft bereits mit dem Journalisten J ein Mittler zur Verfügung steht, der durch seine Tätigkeit eine viel größere Zahl von Ereignissen aufnehmen und durch seine mediale Beobachtung und Aufbereitung mittels Zeitung u.ä. an den Rezipienten herantragen kann. Da Rezipient R jedoch nach wie vor selbst in der Lage ist Ereignisse beobachten und sich darüber austauschen zu können, besteht keine totale Abhängigkeit von den Medien.

Mertens letzte Entwicklungsstufe bezieht sich für die Mediengesellschaft nun auf das Auftreten der PR-Kräfte, die zum einen ihre Beobachtung des Ereignisses E an den Journalisten J weitergeben können, diesen aber auch mit Meta-Ereignissen É, die von PR-Seite aus künstlich inszeniert oder arrangiert sind (Pressekonferenzen, Produktvorstellungen etc.), versorgt, die über J allerdings ebenfalls an den Rezipienten gelangen können.

An diesem Punkt möchte ich für meine Diplomarbeit die vierte Stufe einsetzen: das fortgeschrittene Kommunikationssystem der digitalen Informationsgesellschaft, wie es durch das Web und insbesondere natürlich Social Media möglich wird (siehe Grafik).

Fortgeschrittenes Kommunikationssystem der digitalen Informationsgesellschaft

Meine (stark herunter gebrochenen) Überlegungen sind für diese vierte Stufe Folgende: Durch das Web hat die (Online-)PR nicht nur die Möglichkeit den journalistischen Gatekeeper J direkt umgehen und den Rezipienten R über tatsächliche wie inszenierte Ereignisse E und É informieren zu können, sondern kann diesen, bei ent- und ansprechender Aufbereitung der Inhalte, auch als Multiplikator erreichen, der ihn positiv (aber auch negativ) berührende Informationen an sein Netzwerk N weitergibt, von wo sie sich (im Idealfall) über weitere Multiplikation vervielfältigen und unter den Netzwerkmitgliedern ausgetauscht werden.

Und nun meine (salopp formulierte) Frage an euch: Kann ich diese eigene Weiterentwicklung in dieser Form bringen?

Ich bin für jedwede Hinweise auf Denkfehler meinerseits oder auch Verbesserungsvorschläge dankbar und freue mich über jede Einschätzung eurerseits.

9 Kommentare

  1. Hallo Daniel

    Erst mal: Mir gefällt die Idee der Weiter-Entwicklung des Merten-Modells. Ich sehe auch die Entwicklung von R zum potentiellen Multiplikatoren. Allerdings denke ich, dass der rechte Teil noch etwas Feinarbeit braucht:
    1.) Wirkt N ja auch auf R. Das könnte natürlich in E mit eingeschlossen sein. Ich denke aber, dass wir in der neuen Kommunikationswelt zwischen Online- und Offline-Kommunikation unterscheiden müssen. (Thema mittelbare, unmittelbare Kommunikation).
    2.) Die Verknüpfungen im N sind mir noch zu linear dargestellt. Zur Zeit hast Du hier eher den Baum und nicht das Netz, auf das Du ansprichst.

    Ich hoffe, Du kommst mit diesen Überlegungen einen Schritt weiter.

  2. kurz 2 Gedanken:

    * „R“ – im Social Web gibt es zwar auch „bloße“ Rezipienten, aber die Regel ist, dass es sich um User handet, die auch selbst kommunizieren. Ich würde das reinbringen (z.B. nur mehr „N“ verwenden für „Nutzer“).

    * „J“ – wird aber nicht immer umgangen. Sondern kann gerade im Social Web auch angesprochen und auch als Multiplikator genutzt werden. Daher sollte es auch eine Verbindung zwischen PR und J geben.

  3. Naja, wieso nicht? Dass die Gatekeeper-Funktion des Journalismus im Netz wegfallen kann (wegfällt) ist doch allgemein anerkannt und logisch. Und dass der Rezipient ggf. als Multiplikator funktioniert…klar. Die Frage die man dann ggf. noch stellen müsste ist, ob das dann alles immer noch so eindeutig PR ist…ich habe das Problem weitgehend umgangen in dem ich über UK (Unternehmenskommunikation) rede.😉

  4. Marie-Christine, chris, euch beiden schon einmal Danke für den Input!🙂

    Ich werde das, was heute an Tipps und Co. reinkommt sammeln und dann in einer überarbeiteten Version morgen noch einmal veröffentlichen😉

  5. @Matthias: sehr cleverer Kniff mit der UK😉
    Ob es sich dann noch um PR handelt, würde ich im Kapitel entsprechend darlegen – obwohl meine Tendenz ebenfalls in Richtung UK geht, da der Klub als GmbH mit klar monetären Interessen agiert und somit nicht mehr die Kriterien eines Idealvereins, der eben keinen finanziellen Gewinn anstrebt, erfüllt.

  6. Ah, ein anderer wichtiger Aspekt noch: Der Journalist wird nicht nur von der PR oder UK informiert, sondern nutzt ggf. die Multiplikatoren selbst als Informanten (die zuvor von der UK oder aus anderer Quelle informiert wurden).

    Im Endeffekt ist es einfach ein großes Durcheinander in dem jeder mit jedem spricht.

  7. Moin, Daniel, den Hinweis von @Matthias kann ich nur unterstreichen🙂 , gleichzeitig gebe ich zu bedenken, dass auch die Definition sich ändert: Mir gefällt der Begriff PR dann als Personal Relations.

  8. Danke für die weiteren Anregungen. Die Wechselwirkung der Personal Relations hervorzuheben ist natürlich wichtig, wird aber hauptsächlich im Schriftteil erfolgen, ebenso die sinnigerweise angesprochene Definition der Personal Relations. Zum besseren Verständnis wird dieses stete Hin und Her aber auf jeden Fall in der Darstellung angedeutet werden …

  9. […] Impressum ← Die vierte Stufe der Kommunikationssysteme nach Merten […]

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: